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Kosten für Abschiedsfeier sind steuerlich abzugsfähig

FG Münster 29.5.2015, 4 K 3236/12 E

Aufwendungen für eine Abschiedsfeier, die ein Arbeitnehmer anlässlich eines Arbeitgeberwechsels veranstaltet, sind als Werbungskosten steuerlich abzugsfähig. Selbst die Wahl einer Räumlichkeit außerhalb des Betriebsgeländes steht einer beruflichen Veranlassung nicht zwingend entgegen; so kann sogar eine Privaträumlichkeit des bewirtenden Arbeitnehmers hierfür unschädlich sein.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist Dip­lom-Inge­nieur und war meh­rere Jahre als lei­ten­der Ange­s­tell­ter in einem Unter­neh­men tätig. Im Streit­jahr 2010 wech­selte er an eine Fach­hoch­schule und nahm dort eine Lehr­tä­tig­keit auf. Anläss­lich sei­nes Arbeits­platz­wech­sels lud der Klä­ger Kol­le­gen, Kun­den, Lie­fe­r­an­ten, Ver­bands- und Behör­den­ver­t­re­ter sowie Exper­ten aus Wis­sen­schaft und For­schung zu einem Aben­d­es­sen in ein Hotel­re­stau­rant ein.

Die Ein­la­dun­gen stimmte der Klä­ger mit sei­nem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber ab. Die Anmel­dung für die Feier erfolgte über das bis­he­rige Sekre­ta­riat des Klä­gers. Das Hotel­re­stau­rant stellte für die Aus­rich­tung der Abschieds­feier, an der ca. 100 Per­so­nen teil­nah­men, rund 5.000 € in Rech­nung, die der Klä­ger in sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung als Wer­bungs­kos­ten bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit gel­tend machte. Das Finanz­amt lehnte die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung jedoch mit der Begrün­dung ab, dass es sich um eine pri­vate Feier gehan­delt habe.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt. Die Revi­sion wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug ist in vol­lem Umfang zuzu­las­sen.

Die Auf­wen­dun­gen für die Abschieds­feier waren durch die beruf­li­che Tätig­keit des Klä­gers ver­an­lasst. Der Anlass der Feier, der Arbeit­ge­ber­wech­sel des Klä­gers, ist rein beruf­li­cher Natur gewe­sen. Sämt­li­che Gäste des Klä­gers stamm­ten näm­lich aus sei­nem beruf­li­chen Umfeld. Pri­vate Freunde oder Ange­hö­rige hatte der Klä­ger nicht ein­ge­la­den. Die ganz über­wie­gende Zahl der Gäste war auch ohne Ehe- bzw. Leben­s­part­ner ein­ge­la­den wor­den.

Außer­dem hatte der Klä­ger sei­nen bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber in die Orga­ni­sa­tion der Feier ein­ge­bun­den, indem er die Gäs­t­e­liste mit die­sem abge­stimmt und sein bis­he­ri­ges Sekre­ta­riat ihn bei der Orga­ni­sa­tion der Anmel­dun­gen unter­stützt hatte. Der Umstand, dass die Feier abends statt­ge­fun­den hatte, stand inso­fern einer beruf­li­chen Ver­an­las­sung nicht ent­ge­gen. Auch die Höhe der Kos­ten von rund 50 € pro Per­son waren unter Berück­sich­ti­gung des Ver­di­ens­tes und der beruf­li­chen Stel­lung des Klä­gers nicht so hoch, als dass dar­aus eine pri­vate Ver­an­las­sung abge­lei­tet wer­den konnte.

Letzt­lich war auch der Ort der Ver­an­stal­tung kein taug­li­ches Indiz für eine Abg­ren­zung zwi­schen pri­va­ter und beruf­li­cher Ver­an­las­sung. Denn die Wahl einer Räum­lich­keit außer­halb des Betriebs­ge­län­des steht einer beruf­li­chen Ver­an­las­sung nicht zwin­gend ent­ge­gen. So kann sogar eine Pri­va­trä­um­lich­keit des bewir­ten­den Arbeit­neh­mers hier­für unschäd­lich sein.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Urteils ist erhält­lich unter www.nrwe.de - Recht­sp­re­chungs­da­ten­bank des Lan­des NRW.
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