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Kein Schadensersatz nach einer infolge einer Wundinfektion missglückten Schönheitsoperation

Schleswig-Holsteinisches OLG 25.1.2012, 4 U 103/10

Eine junge Frau kann von dem behandelnden plastischen Chirurgen keinen Schadensersatz für eine missglückte Bruststraffung verlangen, wenn sich die Risiken der Operation verwirklichen, über die sie zuvor aufgeklärt worden ist. Ein Behandlungsfehler liegt nur bei der schuldhaften Verletzung der Regeln der ärztlichen Kunst vor.

Der Sach­ver­halt:
Die zum Ope­ra­ti­ons­zeit­punkt 18 Jahre alte Klä­ge­rin war im Bei­sein ihrer Eltern von dem Beklag­ten, einem in Ham­burg täti­gen plas­ti­schen Chir­ur­gen, über die Risi­ken der Ope­ra­tion auf­ge­klärt wor­den. Bei der Ope­ra­tion erfolgte eine Straf­fung bei­der Brüste und eine gering­fü­g­ige Reduk­tion der rech­ten Brust, um eine beste­hende Asym­me­trie zu besei­ti­gen. Nach der Ope­ra­tion kam es zu einer Wund­in­fek­tion der lin­ken Brust, die erst nach zwei Mona­ten abheilte. Nach Aus­hei­lung lagen eine erheb­li­che Nar­ben­bil­dung und eine Asym­me­trie der Brüste vor.

Die Klä­ge­rin ver­langte dar­auf­hin von dem behan­deln­den Arzt, ihr die Kos­ten für die Ope­ra­tion i.H.v. 6.000 € zu erstat­ten und ein Sch­mer­zens­geld i.H.v. 5.000 € zu zah­len. Im gericht­li­chen Ver­fah­ren wurde das Gut­ach­ten eines sach­ver­stän­di­gen Arz­tes ein­ge­holt. Die­ser kam zu dem Ergeb­nis, dass ärzt­li­cher­seits keine Feh­ler bei der Vor­nahme der Ope­ra­tion und bei der ansch­lie­ßen­den Wund­ver­sor­gung gemacht wor­den sind.

Das LG wies die Klage ab. Die hier­ge­gen gerich­tete Beru­fung der Klä­ge­rin hatte vor dem OLG kei­nen Erfolg.

Die Gründe:
Der beklagte Arzt haf­tet weder auf­grund eines Behand­lungs­feh­lers noch auf­grund eines Auf­klär­ungs­feh­lers.

Ein Behand­lungs­feh­ler liegt nur bei der schuld­haf­ten Ver­let­zung der Regeln der ärzt­li­chen Kunst vor; allein der Miss­er­folg ver­mag eine Haf­tung nicht zu begrün­den. Ein Behand­lungs­feh­ler im Rah­men der Ope­ra­tion liegt im Streit­fall nach dem Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen nicht vor. Eine ein­ge­t­re­tene Infek­tion wäh­rend einer Ope­ra­tion oder eines Kli­ni­k­au­f­ent­hal­tes bzw. einer ärzt­li­chen Behand­lung fällt nicht in den voll beherrsch­ba­ren Risi­kobe­reich auf Behand­ler­seite, sofern nicht ein kon­k­re­ter Hygie­ne­man­gel nach­zu­wei­sen ist. Die Infek­tion gehört zum all­ge­mei­nen Ope­ra­ti­ons­ri­siko, auf das die Klä­ge­rin vor­lie­gend hin­ge­wie­sen wor­den ist.

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