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Nexia Ebner Stolz

Jan Hendrik Groß begleitet Insolvenzverfahren von Boris Becker in Deutschland

Der ehemalige Wimbledonsieger Boris Becker war am 21.6.2017 vom britischen High Court für „bankrupt“ erklärt worden. Zu Insolvenzverwaltern wurden Anwälte der britischen Kanzlei Smith & Williamson benannt. Sie werden in Deutschland von Jan Groß von Ebner Stolz unterstützt.

Der bri­ti­sche Insol­venz­ver­wal­ter ver­sucht auf­zu­ar­bei­ten, wie Ver­mö­gen den Schul­den von Becker gegen­über­ste­hen, um die Gläu­bi­ger zu befrie­di­gen. Die Insol­venz inn­er­halb eines EU-Staa­tes gilt euro­pa­weit und so hat auch das Amts­ge­richt Hei­del­berg das Insol­venz­ver­fah­ren gegen den ehe­ma­li­gen Ten­nis­spie­ler bekannt gege­ben. In Deut­sch­land koope­riert die bri­ti­sche Kanz­lei Smith & Wil­liam­son mit Jan Hen­drik Groß, Part­ner von Ebner Stolz aus Köln. Der Insol­venz­fach­mann arbei­tet für die eng­li­schen Kol­le­gen Beckers Ver­mö­gens­ver­hält­nisse in Deut­sch­land auf. Wir wol­len her­aus­fin­den, was die Auf­ga­ben von Herrn Groß sind und wel­chen Her­aus­for­de­run­gen er sich zu stel­len hat.

Jan Hendrik Groß begleitet Insolvenzverfahren von Boris Becker in Deutschland© Jan Hendrik Groß, Rechtsanwalt und Partner bei Ebner Stolz in Köln

Herr Groß, wie kam es dazu, dass Sie von der eng­li­schen Kanz­lei im Fall Boris Becker beauf­tragt wur­den?

Die bri­ti­sche Kanz­lei Smith & Wil­liam­son ist eine Part­n­er­kanz­lei von Ebner Stolz. Beide sind Mit­g­lie­der des inter­na­tio­na­len Netz­wer­kes Nexia. Wir arbei­ten mit Smith & Wil­liam­son in vie­len Berei­chen zusam­men. So kam es, dass die dor­ti­gen Kol­le­gen aus dem Restruk­tu­rie­rungs- und Insol­venz­be­reich bei mir ange­fragt haben, ob wir sie im Fall Boris Becker unter­stüt­zen kön­nen.

Wel­che Kon­se­qu­en­zen hat die Ban­krupt­er­klär­ung des bri­ti­schen High Court für Boris Becker?

Der High Court hat ein Insol­venz­ver­fah­ren nach eng­li­schem Recht über das Ver­mö­gen von Herrn Becker eröff­net. Die Kol­le­gen von Smith & Wil­liam­son wur­den zu Trus­tees, ver­g­leich­bar mit Insol­venz­ver­wal­tern nach deut­schem Recht, bes­tellt. Diese haben nun die Auf­gabe, die Gläu­bi­ger von Herrn Becker best­mög­lich zu befrie­di­gen. Wich­tig zu ver­ste­hen ist, dass das eng­li­sche Insol­venz­ver­fah­ren Wir­kun­gen in allen Mit­g­lieds­staa­ten der euro­päi­schen Union hat. Herr Becker ist damit nicht nur in Eng­land, son­dern in allen Mit­g­lieds­staa­ten insol­vent. Auch in Deut­sch­land befind­li­ches Ver­mö­gen ist von der eng­li­schen Insol­venz betrof­fen.

Wie gehen Sie vor, um die in Deut­sch­land befind­li­chen Ver­mö­gens­werte des frühe­ren Ten­ni­s­pro­fis fest­zu­s­tel­len - ist das reine Detek­tiv­ar­beit?

Der erste Schritt war, die Ver­öf­f­ent­li­chung des Insol­venz­ver­fah­rens durch das Amts­ge­richt Hei­del­berg in Deut­sch­land zu bewir­ken. Damit gilt das Ver­fah­ren in Deut­sch­land als jeder­mann bekannt. Im nächs­ten Schritt galt es, Abfra­gen bei den öff­ent­li­chen Regis­tern zu star­ten sowie die uns bekann­ten Geschäft­s­part­ner zu kon­tak­tie­ren. Der Rest ist in der Tat Detek­tiv­ar­beit, wobei uns die öff­ent­li­che Pub­li­zi­tät zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr zugute kommt. So haben wir von Drit­ter Seite bereits viel­ver­sp­re­chende Hin­weise bekom­men, denen wir nach­ge­hen. Nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind aber auch die Aus­künfte, die Herr Becker selbst gibt. Er steht in regel­mä­ß­i­gem Kon­takt zu den Kol­le­gen von Smith & Wil­liam­son, denen er seine Ver­mö­gens­ver­hält­nisse offen­zu­le­gen hat.  

Und was pas­siert dann mit den fest­ge­s­tell­ten Ver­mö­gens­wer­ten?

Wenn wir Ver­mö­gens­werte fest­s­tel­len, neh­men wir sie für die eng­li­schen Ver­wal­ter in Beschlag. Über die Ver­wer­tung ent­schei­den dann die Kol­le­gen von Smith & Wil­liam­son. Deren Best­re­ben ist es, soweit wir es beur­tei­len kön­nen, ins­be­son­dere in Bezug auf pri­vate Ver­mö­gens­ge­gen­stände ein­ver­nehm­li­che Rege­lun­gen mit Herrn Becker zu fin­den.

Was geschieht etwa mit Gagen, die Becker aus der Teil­nahme an Fern­seh­shows o.ä. bezieht. Kom­men diese den Gläu­bi­gern zu Gute oder fließt das Geld in seine eigene Tasche?

Es gilt der Grund­satz, dass sol­che Zah­lun­gen nicht mehr an Herrn Becker geleis­tet wer­den kön­nen. Gagen und ähn­li­che Zah­lun­gen sind daher an die Insol­venz­ver­wal­ter oder an uns als deren recht­li­che Ver­t­re­ter zu leis­ten. Wer­den den­noch Zah­lun­gen an Herrn Becker geleis­tet, läuft der Ver­trag­s­part­ner Gefahr, unter Umstän­den zwei­mal zah­len zu müs­sen, näm­lich das zweite Mal an den Insol­venz­ver­wal­ter.

Wenn es in Deut­sch­land noch Gläu­bi­ger gibt, die eine Rech­nung mit Becker offen haben - was müs­sen diese tun? Kön­nen sich diese ein­fach an Sie wen­den?

Wir sind nicht die deut­schen Insol­venz­ver­wal­ter. Wir unter­stüt­zen Smith & Wil­liam­son ledig­lich bei der Rea­li­sie­rung von Ver­mö­gens­wer­ten. For­de­run­gen müs­sen zen­tral bei den eng­li­schen Ver­wal­tern ange­mel­det wer­den. Wir sind aber gerne bei der Wei­ter­lei­tung von For­de­rung­s­an­mel­dun­gen nach Eng­land behil­f­lich.

Die Insol­venz von Boris Becker hat ja ein erheb­li­ches Echo in den Medien erfah­ren. Und auch Sie sind ein gefrag­ter Gespräch­s­part­ner. Wie geht die Öff­ent­lich­keit mit dem Thema um?

Recht­li­che Zusam­men­hänge, ins­be­son­dere da es sich um Fra­gen des euro­päi­schen Insol­venz­rechts han­delt, sind in den Medien nicht immer ein­fach zu ver­mit­teln. Auch Rechts­an­walts­kol­le­gen, die mit der Mate­rie nicht betraut sind, fra­gen mich, ist Herr Becker denn jetzt insol­vent. Ich habe mich daher bemüht, die sach­li­chen Hin­ter­gründe zu erläu­tern. Man darf aber bei alle dem nicht ver­ges­sen, dass vor allem die Per­son Boris Becker im Inter­esse der Öff­ent­lich­keit steht. An der­ar­ti­gen Dis­kus­sio­nen betei­lige ich mich nicht. Ein Insol­venz­ver­fah­ren stellt sch­ließ­lich einen erheb­li­chen Ein­griff in das Pri­vat­le­ben einer Per­son dar, das es zu schüt­zen und zu respek­tie­ren gilt.


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