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Jahreswagenrabatte - endlich Schluss mit der Versteuerung von Scheinvorteilen

Arbeit­neh­mer von Auto­mo­bil­her­s­tel­lern erf­reuen sich eines belieb­ten Vor­teils: Sie kön­nen jedes Jahr zu Jah­res­wa­gen­ra­bat­ten, d. h. ver­bil­lig­ten Prei­sen, Fahr­zeug­mo­delle ihres Arbeit­ge­bers kau­fen. Doch ist dies lei­der auch oft­mals Anlass zum Streit mit dem Finanz­amt. Denn Vor­teile, die ein Arbeit­neh­mer aus sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit zieht, sind lohn­steu­erpf­lich­tig. „Bei der Höhe die­ses Vor­teils gehen die Auf­fas­sun­gen aus­ein­an­der“, wie der ver­ei­digte Buch­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter And­reas Bou­ley von Ebner Stolz Mön­ning Bachem weiß. „Der Arbeit­neh­mer sieht nicht ein, warum er auf Preis­nach­lässe Steu­ern zah­len soll, die auch ande­ren Käu­fern gewährt wer­den, ohne als Arbeit­neh­mer für den Auto­mo­bil­her­s­tel­ler tätig zu sein - und die Preis­nach­lässe auf dem Kfz-Markt sind doch oft­mals beträcht­lich.“ Die Finanz­ver­wal­tung hat hierzu fol­gen­des Rechen­mo­dell ent­wi­ckelt: Der Brut­to­lis­ten­preis des Kfz wird um die Hälfte (zuletzt sogar um 80 %) der Preis­nach­lässe gemin­dert, die auch ande­ren Kfz-Käu­fern gewährt wer­den. Die Dif­fe­renz aus die­sem Betrag und dem vom Arbeit­neh­mer zu zah­len­den Kauf­preis soll den geld­wer­ten Vor­teil erge­ben.

Hier stellt nun aber der Bun­des­fi­nanz­hof in zwei aktu­el­len Urtei­len klar: Dem Arbeit­neh­mer gewährte Rabatte sind nur inso­weit als Lohn zu ver­steu­ern, als sie über die im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr übli­chen Preis­nach­lässe hin­aus­ge­hen, die auch Nicht­ar­beit­neh­mern beim Fahr­zeug­kauf gewährt wer­den (Urtei­len vom 26.7.2012, Az. VI R 30/09 und VI R 27/11).

„Den Urtei­len lässt sich zudem aber auch ein Wahl­recht des Arbeit­neh­mers ent­neh­men, wie der Vor­teil ermit­telt wird“, so Bou­ley. Denn der Arbeit­ge­ber wird im Rah­men der Lohn­ab­rech­nung regel­mä­ßig wie folgt vor­ge­hen: Der vom Arbeit­neh­mer zu zah­lende Preis wird mit dem um 4 % gemin­der­ten soge­nann­ten End­preis ver­g­li­chen. Die Dif­fe­renz ist nach Abzug des jähr­li­chen Rabatt­f­rei­be­trags von 1.080 Euro lohn­steu­erpf­lich­tig. Der End­preis in die­sem Sinne ent­spricht dabei dem Ange­bot­s­preis des Arbeit­ge­bers, zu dem er seine Pro­dukte frem­den Letzt­ver­brau­chern im all­ge­mei­nen Geschäfts­ver­kehr anbie­tet, somit unter Berück­sich­ti­gung übli­cher Rabatte.

Liegt die­ser Ange­bot­s­preis des Arbeit­ge­bers aber über dem am Markt zu rea­li­sie­ren­den Preis, wobei der güns­tigste übli­che End­preis maß­geb­lich ist, kann es für den Arbeit­neh­mer vor­teil­haft sein, von die­sem Markt­preis aus­zu­ge­hen. Ans­telle des vom Arbeit­ge­ber berech­ne­ten Betrags kann er dann die Dif­fe­renz aus Markt­preis und von ihm bezahl­ten Preis im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung ver­steu­ern - aller­dings ohne die Ver­güns­ti­gun­gen des 4 %-igen Abschlags und des Rabatt­f­rei­be­trags.

„Letzt­lich stellt die aktu­elle Recht­sp­re­chung sicher, dass Arbeit­neh­mer keine Steu­ern auf Schein­vor­teile, also Vor­teile die jeder­mann gewährt wer­den und damit nichts mit dem Arbeits­ver­hält­nis zu tun haben, zah­len müs­sen. Und auch Arbeit­neh­mer ande­rer Bran­chen, die übli­cher­weise ihren Kun­den satte Rabatte gewäh­ren, kön­nen sich auf diese Ent­schei­dun­gen beru­fen!“ erläu­tert Bou­ley.

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