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Nexia Ebner Stolz

„Mandanten fragen, wie die Prüfung gelaufen ist“

Agnes Jörger (31 Jahre) ist frisch gebackene Steuerberaterin. Wie hat sie den Härtetest überstanden? Wie fühlt sich die Arbeit danach an?


Sie arbei­­ten eigen­t­­lich im Cor­­po­­rate Finance Team. Ist es üblich, dass Mit­­ar­bei­­ter dort das Steu­er­be­ra­­ter­ex­a­­men able­­gen?
Ja, das machen die meis­­ten. In der Unter­­neh­­men­s­be­wer­­tung und bei der Jah­­res­ab­­schlus­s­prü­­fung gehen wir natür­­lich mit Steu­ern um. Bei der Bewer­­tung geben wir zum Bei­spiel dar­­auf acht, ob wir vor oder nach Steu­ern bewer­ten und wel­che im Bewer­­tungs­­o­b­jekt anfal­len. Außer­dem ist der Steu­er­be­ra­­ter bei uns häu­­fig der erste Schritt auf dem Weg zum Wir­t­­schafts­­prü­­fer-Exa­men. Das wird dann etwas leich­­ter: Als Steu­er­be­ra­­te­rin kann ich das Wir­t­­schafts­­prü­­fer-Exa­­men in ver­­­kür­z­­ter Form able­­gen, die Prü­­fun­gen im Steu­er­­recht ent­fal­len.

Wie hat sich Ihre Arbeit mit dem Exa­­men ver­än­dert?

Ich trage einen neuen Titel auf der Visi­­ten­­karte, aber Spaß bei­seite: Die Man­dan­­ten neh­­men mich anders wahr. Sie freuen sich rich­­tig für mich. In der Prü­­fung arbeite ich zum Teil seit Jah­­ren mit mei­­nen Man­dan­­ten zusam­­men, die wis­­sen des­halb, dass ich in der Vor­­be­­rei­­tung war. Ich hatte tat­­säch­­lich viele Man­dan­­ten, die mich ange­ru­­fen und gefragt haben, wie es gelau­fen ist. Das war ein schö­­nes Gefühl, als ich sagen konnte: „Es hat geklappt. Ich bin jetzt Steu­er­be­ra­­te­rin.“ Aber auch wenn ich jetzt Steu­er­be­ra­­te­rin bin: Die Kol­­le­­gen gehen mit mir noch gen­auso um wie vor­­her. Ich weiß jetzt mehr und bekomme mehr Ver­ant­wor­tung. Aber das Men­­sch­­li­che bleibt im Vor­­­der­­grund.


Die Steu­er­be­ra­­ter­prü­­fung gilt als Här­­te­­test. Wie war es im Nach­­hin­ein?
Sich auf das Exa­­men vor­­zu­­be­­rei­­ten, bringt noch ein­­mal eine zusät­z­­li­che Belas­­tung neben dem Job. Wir berei­­ten uns natür­­lich sehr lang­­fris­­tig dar­­auf vor, weil wir nicht neben einer nor­­ma­­len Arbeits­­wo­che ein­­fach zusät­z­­lich 20 Stun­­den pro Woche ler­­nen kön­­nen und ver­­­schie­­ben das Ler­­nen dann im Wesen­t­­li­chen auf das Woche­n­ende. Das war anst­­ren­­gend, aber der Tri­umpf am Ende macht dann doch Vie­­les wett. Unterm Strich habe ich wahn­sin­nig viel dazu­ge­lernt:  über Steu­er­ge­setze, Rech­­nungs­­­le­­gung und wie man eine her­aus­for­dernde Lern­si­tua­tion über­steht.

Wie haben Sie sich vor­­be­­rei­­tet?
Ich habe erst mit einem Fern­­lern­­gang begon­­nen, um die ganze Steuer-The­o­rie ein­­mal gele­­sen zu haben. Dann habe ich eine Klau­­su­­ren-Fern­­lehr­­gang belegt: Ich bekam Klau­­su­­ren geschickt, habe die daheim bear­bei­­tet und an den Kur­s­or­­ga­­ni­­sa­­tor zurück­­ge­­schickt. Nach einer Woche bekam ich sie kor­ri­­giert zurück, wie in der Schule. In der Frei­­s­tel­­lung habe ich ver­­­schie­­dene Klau­­su­­ren-Prä­­sen­z­kurse besucht: Das heißt sechs­stün­dige Klau­su­ren mit vie­len ande­ren Teil­neh­mern. Auch hier hieß es „aus Feh­lern ler­nen“, anhand der kor­ri­gier­ten Klau­su­ren konnte ich immer wie­der mei­nen Kennt­nis­stand über­prü­fen.

Hat Ebner Stolz Sie beim Exa­­men unter­­stützt?
Bei uns im Team gibt es die Rege­­lung, dass Exa­­men­s­­kan­­di­da­­ten frei­­tags nach einem hal­­ben Tag schon das Büro ver­­las­­sen dür­­fen und man die 40-Stun­­den einer Arbeits­­wo­che eben auf 4,5 Tage ver­­­teilt. Das hilft, damit Exa­mens­kan­di­da­ten Frei­ta­gnach­mit­tag ihre Ein­käufe erle­di­gen und sich sams­tags ganz der Prü­fungs­vor­be­rei­tung wid­men kön­nen. Wei­­ter­hin hat jeder, der bei uns den Steu­er­be­ra­­ter macht, das Recht, vier Monate frei­­ge­s­­tellt zu wer­­den. Exa­­men­s­­kan­­di­da­­ten set­­zen dafür ihren Jah­­res­ur­laub ein und bauen vor­­her Über­s­tun­­den auf, die sie durch die Frei­­s­tel­­lung abbauen. Zusät­z­­lich bekom­­men sie bei Ebner Stolz 19 Tage zusät­z­­li­chen Urlaub – und Geld: ein Kur­s­bu­d­­get von 4.000 Euro, das Exa­mens­kan­di­da­ten auf ver­­­schie­­dene Kurse auf­­­tei­­len kön­nen.

„Bran­chen­über­g­rei­fend in vie­len The­men unter­wegs“: Hier geht es zum ers­ten Teil des Inter­views mit Agnes Jör­ger.

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