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Hauswasseranschlussleistung und Wasserbereitstellung nicht durch denselben Unternehmer

FG Berlin-Brandenburg 4.4.2017, 2 K 2309/15

Für den ermäßig­ten Steu­er­sat­zes gem. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG muss die Haus­was­ser­an­schluss­leis­tung und die Was­ser­be­reit­stel­lung nicht durch ein und den­sel­ben Un­ter­neh­mer er­fol­gen. Das ent­ge­gen­ste­hende BMF-Schrei­ben vom 7.4.2009 (IV B 8 - S 7100/07/10024 - BStBl I 2009, 531) ist un­zu­tref­fend.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist Tief­bau-Un­ter­neh­me­rin und wurde 1992 gegründet. Im Rah­men ei­ner Be­triebsprüfung für die Zeiträume 2009 bis 2012 wurde u.a. fest­ge­stellt, dass ab 2009 un­ter sons­ti­gen Ein­nah­men (7 %) Erlöse mit dem ermäßig­ten Um­satz­steu­er­satz er­fasst wor­den wa­ren. Hier­bei han­delte es sich um Umsätze aus Leis­tun­gen für die Her­stel­lung von Trink­was­ser­an­schlüssen.

Wie sich aus den Un­ter­la­gen er­gab, hatte die Kläge­rin die Trink­was­ser­an­schlüsse als Ver­bin­dun­gen vom öff­ent­li­chen Trink­was­ser­netz zum je­wei­li­gen Gebäude­be­reich er­rich­tet. Für die Her­stel­lung der Trink­was­ser­an­schlüsse stellte sie den Auf­trag­ge­bern Rech­nun­gen un­ter Aus­weis ei­ner Um­satz­steuer von 7 %. Das Fi­nanz­amt war der An­sicht, dass es sich in­so­weit um Leis­tun­gen zum vollen Steu­er­satz han­dele, da es sich bei der Kläge­rin um ein Bau­un­ter­neh­men han­dele. Er rech­nete die von der Kläge­rin an­ge­mel­de­ten Umsätze zu 7 % in zu 19 % steu­er­pflich­tige Umsätze um und un­ter­warf sie in­so­weit der Um­satz­steuer zum Re­gel­steu­er­satz.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Al­ler­dings wurde we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Sa­che die Re­vi­sion zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die an­ge­foch­te­nen Steu­er­be­scheide wa­ren rechts­wid­rig.

Die Steu­er­ermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der An­lage zum UStG für die "Lie­fe­run­gen von Was­ser" steht im Ein­klang mit Art. 12 Abs. 3a i.V.m. An­hang H Ka­te­go­rie 2 der Richt­li­nie 77/388/EWG - Sechste EG-Richt­li­nie - bzw. nun­mehr Art. 98 Abs. 2 i.V.m. An­hang III Nr. 2 MwSt­Sys­tRl, wo­nach "Lie­fe­run­gen von Was­ser" mit einem ermäßig­ten Steu­er­satz be­steu­ert wer­den dürfen. Der EuGH hat ent­schie­den (Urt. v. 3.4.2008, C-442/05), dass Art. 12 Abs. 3a und An­hang H Ka­te­go­rie 2 der Sechs­ten EG-Richt­li­nie da­hin aus­zu­le­gen sind, dass un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" auch das Le­gen ei­nes Haus­an­schlus­ses fällt, das wie im Streit­fall in der Ver­le­gung ei­ner Lei­tung be­steht, die die Ver­bin­dung des Was­ser­ver­tei­lungs­net­zes mit der Was­ser­an­lage ei­nes Grundstücks ermöglicht.

Der EuGH ver­wen­dete zur Begründung sei­ner Ent­schei­dung nicht Be­griffe wie "Haupt­leis­tung" oder "un­selbständige Ne­ben­leis­tung", son­dern sub­su­miert das Le­gen des Haus­an­schlus­ses als sol­ches un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser". Da sich der na­tio­nale Ge­setz­ge­ber in § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der An­lage zum UStG eben­falls auf "Lie­fe­run­gen von Was­ser" be­zieht und die­ser Be­griff ge­mein­schafts­recht­lich aus­ge­legt wer­den muss, fällt das Le­gen ei­nes Haus­an­schlus­ses so­mit un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser" i.S.d. Vor­schrift, so­dass auf diese Leis­tung der ermäßigte Steu­er­satz an­zu­wen­den ist. Das Le­gen von Haus­an­schlüssen fällt da­mit ohne wei­te­res un­ter den Be­griff "Lie­fe­run­gen von Was­ser", wie er von § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 34 der An­lage zum UStG für die An­wen­dung des ermäßig­ten Steu­er­sat­zes vor­aus­ge­setzt wird, und zwar gleichgültig, von wem und an wen diese Lie­fe­rung von Was­ser er­folgt.

Al­ler­dings wurde an­ge­sichts der Ab­wei­chung der Ent­schei­dung vom BMF-Schrei­ben vom 7.4.2009 (IV B 8 - S 7100/07/10024 - BStBl I 2009, 531) und 12.1 Abs. 1 S. 3 Nr. 4 UStAE nach § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung die Re­vi­sion zum zu­ge­las­sen.

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