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Häusliches Arbeitszimmer ist Tätigkeitsmittelpunkt eines Dirigenten und Orchestermanagers

FG Baden-Württemberg 4.3.2015, 6 K 610/14

Ein Dirigent und Orchestermanager kann die Aufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer in voller Höhe als Betriebsausgaben bei seinen Einkünften aus selbständiger Tätigkeit in Abzug bringen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn ihm als Manager der Orchester umfangreiche Verwaltungsaufgaben übertragen worden sind, die nur von zuhause aus erledigt werden können.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger war als Diri­gent für zwei Orches­ter tätig, die im einen Fall von einem För­der­ve­r­ein und im ande­ren Fall von einer Uni­ver­si­tät getra­gen wur­den. Neben der künst­le­ri­schen Lei­tung obla­gen ihm viel­fäl­tige orga­ni­sa­to­ri­sche Auf­ga­ben wie etwa die Ein­pla­nung der Musi­ker, die Koor­di­na­tion der Auf­tritte und Pro­ben, das Ein­wer­ben von Spon­so­ren­gel­dern und die gesamte Öff­ent­lich­keits­ar­beit.

Mit Aus­nahme der Pro­ben und Auf­tritte erle­digte er sämt­li­che Tätig­kei­ten in sei­nem häus­li­chen Arbeits­zim­mer. Eigene Lehr­verpf­lich­tun­gen über das Diri­gie­ren hin­aus nahm der Klä­ger trotz des ihm von der Uni­ver­si­tät erteil­ten Lehr­auf­trags nicht wahr. Das Finanz­amt ließ die Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer nur i.H.v. 1.250 € zum Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug zu, weil es in ihm nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten beruf­li­chen und betrieb­li­chen Betä­ti­gung des Klä­gers sah.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage über­wie­gend statt. Die Revi­sion zum BFH wurde nicht zuge­las­sen. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hat den Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug des Klä­gers für sein häus­li­ches Arbeits­zim­mer zu Unrecht auf 1.250 € beg­renzt.

Tat­säch­lich waren die gesam­ten dafür im Streit­jahr ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen in vol­ler Höhe als Betriebs­aus­ga­ben in Abzug zu brin­gen, da dem Klä­ger für seine betrieb­li­che Tätig­keit unst­rei­tig kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung stand (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 2 EStG) und das Arbeits­zim­mer im Streit­jahr den Mit­tel­punkt sei­ner gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­dete (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 3 Halbs. 2 EStG). Nicht abzugs­fähig waren ledig­lich die von den Klä­gern gel­tend gemach­ten, antei­lig auf die Fläche des Arbeits­zim­mers ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen für Was­ser und Sch­mutz­was­ser.

Der Klä­ger übte ledig­lich eine ein­zige beruf­li­che Tätig­keit aus. Auch wenn er dabei neben­ein­an­der für zwei ver­schie­dene Orches­ter tätig war, so war sein Tätig­keit­s­pro­fil in bei­den Fäl­len nahezu iden­tisch. Der Klä­ger hatte in bei­den Fäl­len nahezu alle anfal­len­den Ver­wal­tungs­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men. Dar­über hin­aus war der Klä­ger auch der künst­le­ri­sche Lei­ter bei­der Orches­ter, bestimmte in die­ser Eigen­schaft deren Reper­toire mit und diri­gierte sie bei den Pro­ben und Auf­trit­ten. Sein kon­k­ret ver­wir­k­lich­tes Berufs­bild lässt sich daher voll­stän­dig am ehes­ten mit der Bezeich­nung "Orches­ter­ma­na­ger und Diri­gent" umsch­rei­ben.

Der inhalt­li­che Schwer­punkt der ein­heit­li­chen Betä­ti­gung lag im häus­li­chen Arbeits­zim­mer des Klä­gers. Dort hat der Klä­ger in sei­ner Eigen­schaft als Orches­ter­ma­na­ger die Beset­zung für die ein­zel­nen Pro­ben und Auf­tritte und das Mate­rial für die betei­lig­ten Musi­ker zusam­men­ge­s­tellt, die Kor­res­pon­denz mit den Spon­so­ren und der an dem Orches­ter­be­trieb inter­es­sier­ten Öff­ent­lich­keit geführt und die Inter­ne­t­auf­tritte der Orches­ter sowie deren CD-Ver­öf­f­ent­li­chun­gen ent­wi­ckelt. Dane­ben hat auch die künst­le­ri­sche Lei­tung der Orches­ter zu gro­ßen Tei­len dort statt­ge­fun­den. Dem­ge­gen­über waren die vor Ort erbrach­ten Diri­gen­ten­leis­tun­gen des Klä­gers für sei­nen kon­k­ret aus­ge­üb­ten Beruf als Orches­ter­ma­na­ger und Diri­gent nicht wesent­lich und prä­gend.

Nach § 4 Abs. 4, Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 3 EStG abzugs­fähig waren daher die gesam­ten auf das Arbeits­zim­mer ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen des Klä­gers. Dazu zäh­len zwar neben der flächen­an­tei­li­gen Woh­nungs­miete ein­sch­ließ­lich der Neben­kos­ten auch der antei­lige Strom­ver­brauch, nicht jedoch der auf die Fläche des Arbeits­zim­mers ent­fal­lende Auf­wand für das von den Klä­gern ver­brauchte Was­ser und die Ent­s­or­gung des Sch­mutz­was­sers. Denn ein Bezug die­ser Kos­ten zur beruf­li­chen Tätig­keit des Klä­gers ist nicht erkenn­bar.

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