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Gesundheitstelefon nicht umsatzsteuerbefreit

FG Düsseldorf 14.8.2015, 1 K 1570/14 U

Ein sog. Ge­sund­heits­te­le­fon, über das Ver­si­cherte am Te­le­fon me­di­zi­ni­sch be­ra­ten wer­den, ist nicht von der Um­satz­steuer be­freit. Der­ar­tige Be­ra­tungs­leis­tun­gen die­nen nicht in hin­rei­chen­dem Maße der Dia­gnose, Be­hand­lung und Hei­lung von Krank­hei­ten oder Ge­sund­heitsstörun­gen, da sie nicht auf me­di­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen be­ru­hen, die von ent­spre­chen­dem Fach­per­so­nal ge­trof­fen wor­den sind, son­dern al­lein auf den An­ga­ben des An­ru­fers zu dem­je­ni­gen Krank­heits­bild be­ru­hen, zu dem er sich in­for­mie­ren möchte.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin be­treibt für ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen ein sog. Ge­sund­heits­te­le­fon, über das Ver­si­cherte me­di­zi­ni­sch be­ra­ten wer­den. Zu­dem führt sie so­wohl für ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen als auch für Phar­ma­un­ter­neh­men sog. Pa­ti­en­ten­be­gleit­pro­gramme durch. Daran neh­men Pa­ti­en­ten teil, die un­ter chro­ni­schen oder lang an­dau­ern­den Krank­hei­ten lei­den und de­ren ge­sund­heit­li­che Si­tua­tion durch eine lau­fende Be­treu­ung ver­bes­sert wer­den soll. Auch diese Be­treu­ungs­leis­tung wird te­le­fo­ni­sch er­bracht.

Die Be­ra­tung er­folgt durch Kran­ken­schwes­tern und me­di­zi­ni­sche Fach­an­ge­stellte; in mehr als einem Drit­tel der Fälle wird ein Arzt hin­zu­ge­zo­gen. Die Kläge­rin ist der An­sicht, ihre Leis­tun­gen seien um­satz­steu­er­frei. Dem­zu­folge stellte sie ent­spre­chende Rech­nun­gen aus. Das Fi­nanz­amt ist dem­ge­genüber der Auf­fas­sung, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­be­frei­ung der sons­ti­gen Leis­tun­gen der Kläge­rin aus dem Be­reich Ge­sund­heits­te­le­fon und der Pa­ti­en­ten­be­gleit­pro­gramme nicht vorlägen.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Re­vi­sion zum BFH wurde we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die strei­ti­gen te­le­fo­ni­schen Be­ra­tungs­leis­tun­gen der Kläge­rin sind nicht gem. § 4 Nr. 14 UStG von der Um­satz­steuer be­freit. Sie sind we­der in Form des Ge­sund­heits­te­le­fons noch in Form der Pa­ti­en­ten­be­gleit­pro­gramme Heil­be­hand­lun­gen im Be­reich der Hu­man­me­di­zin.

Die Be­ra­tungs­leis­tun­gen der Kläge­rin die­nen nicht in hin­rei­chen­dem Maße der Dia­gnose, Be­hand­lung und - so­weit möglich - Hei­lung von Krank­hei­ten oder Ge­sund­heitsstörun­gen, da sie nicht auf me­di­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen be­ru­hen, die von ent­spre­chen­dem Fach­per­so­nal ge­trof­fen wor­den sind. Viel­mehr ba­sie­ren sie al­lein auf den im Zwei­fel lai­en­haf­ten An­ga­ben des An­ru­fers zu dem­je­ni­gen Krank­heits­bild, zu dem er sich wei­ter in­for­mie­ren möchte. Vor die­sem Hin­ter­grund wei­sen auch die Kran­ken­kas­sen in ih­ren In­ter­net-Auf­trit­ten ausdrück­lich dar­auf hin, dass "ein me­di­zi­ni­sches In­for­ma­ti­ons­ge­spräch den Be­such beim Arzt nicht er­set­zen kann".

Die Be­ra­tungs­leis­tun­gen ha­ben auch kei­nen hin­rei­chend en­gen Be­zug zu der von den be­han­deln­den Ärz­ten der An­ru­fer durch­geführ­ten Heil­be­hand­lung. Im Übri­gen sind sie ei­ner Be­ra­tung im Rah­men ei­nes kon­kre­ten Arzt-Pa­ti­en­ten­verhält­nis­ses nicht gleich­ar­tig. Aus die­sem Grunde steht auch der Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­lität ei­ner Ver­sa­gung der Steu­er­be­frei­ung nicht ent­ge­gen.

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