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Geldwäscherechtliche Pflichten von Güterhändlern

Das Geldwäsche­ge­setz be­trifft auch die Geldwäsche-Com­pli­ance der Un­ter­neh­men des In­dus­trie- und Han­dels­be­reichs.

Das im Juni 2017 no­vel­lierte Geldwäsche­ge­setz (GwG) be­trifft auch die Geldwäsche-Com­pli­ance der Un­ter­neh­men des In­dus­trie- und Han­dels­be­reichs, da Ver­pflich­tete i. S. d. GwG auch sog. Güterhänd­ler sind.

Güterhändler i. S. d. GwG

Un­ter dem Be­griff des Güterhänd­lers (§ 2 Abs. 1 Nr. 16 GwG) ver­steht das GwG jede Per­son, die ge­werb­lich Güter veräußert, un­abhängig da­von, in wes­sen Na­men oder auf wes­sen Rech­nung sie han­delt. Nach herr­schen­der Mei­nung und der Ge­set­zes­begründung wird un­ter dem Be­griff der Per­son je­des Un­ter­neh­men gleichgültig wel­cher Rechts­form mit Sitz in Deutsch­land und un­ter dem Be­griff des Gu­tes jede be­weg­li­che und nicht be­weg­li­che Sa­che un­abhängig von ih­rem Ag­gre­gats­zu­stand so­wie der Han­del mit Gas- und Strom­lie­fe­run­gen ver­stan­den. So­mit ist je­des han­delnde Un­ter­neh­men Güterhänd­ler und da­mit Ver­pflich­te­ter i. S. d. GwG.

Risikomanagementsystem und Sicherungsmaßnahmen

Ver­pflich­tete müssen nach dem GwG über ein wirk­sa­mes Ri­si­ko­ma­nage­ment­sys­tem (§ 4 GwG) verfügen. Ein sol­ches Ri­si­ko­ma­nage­ment­sys­tem be­steht aus ei­ner zu er­stel­len­den Ri­si­ko­ana­lyse und zu schaf­fen­den in­ter­nen Si­che­rungsmaßnah­men. Hier­bei ist in Grup­pen­struk­tu­ren die ge­samte Un­ter­neh­mens­gruppe mit den in- und ausländi­schen Grup­pen­un­ter­neh­men ein­zu­be­zie­hen (§ 9 GwG).

Ziel der Ri­si­ko­ana­lyse (§ 5 GwG) ist es, die un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Ri­si­ken in Be­zug auf Geldwäsche und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung zu iden­ti­fi­zie­ren, zu ka­te­go­ri­sie­ren und zu ge­wich­ten. Da­bei emp­fiehlt es sich ana­log der Vor­ge­hens­weise in der Fi­nanz­in­dus­trie, eine Ka­te­go­ri­sie­rung in Kun­den-, Pro­dukt- und trans­ak­ti­ons­be­zo­gene so­wie geo­gra­fi­sche Ri­si­ken vor­zu­neh­men. Eine wei­tere Un­ter­glie­de­rung in mit­ar­bei­ter­be­zo­gene so­wie sons­tige Ri­si­ken ist abhängig von Art und Um­fang der Ge­schäftstätig­keit zu emp­feh­len. Im Nach­gang hat der Güterhänd­ler die ein­zel­nen Ri­si­ken zu be­wer­ten.

Aus­ge­hend von den iden­ti­fi­zier­ten Ri­si­ken hat der Güterhänd­ler an­ge­mes­sene Si­che­rungsmaßnah­men (u. a. Be­stel­lung Geldwäsche­be­auf­trag­ter und Ent­wick­lung in­ter­ner Grundsätzen, Ver­fah­ren und Kon­trol­len in Be­zug auf den Um­gang mit Ri­si­ken von Geldwäsche) zu im­ple­men­tie­ren.

Privilegierte Güterhändler

Das GwG ermöglicht es Güterhänd­lern, die keine Bar­zah­lun­gen in ei­ner Höhe von über 9.999 Euro täti­gen oder ent­ge­gen­neh­men (ana­lo­ges gilt für sog. elek­tro­ni­sches Geld, wie z. B. Be­zah­lung über Geld­kar­ten oder Pay­Pal-Kon­ten) und hierzu ein an­ge­mes­se­nes in­ter­nes Kon­troll­sys­tem zur Ver­hin­de­rung von Bar­zah­lun­gen über die­ser Schwelle im­ple­men­tiert ha­ben, auf die Im­ple­men­tie­rung ei­nes voll­umfäng­li­chen Ri­si­ko­ma­nage­ment­sys­tems i. S. d. § 4 GwG zu ver­zich­ten (§ 4 Abs. 4 GwG).

Empfehlung an die Mandanten, eine „Betroffenheitsanalyse“ durchzuführen

Ziel­set­zung der Güterhänd­ler sollte möglichst sein, die Pflich­ten nur ver­ein­facht als pri­vi­le­gier­ter Güterhänd­ler um­set­zen zu müssen. So­fern die Kon­zern­lei­tung keine ein­heit­li­chen Grundsätze zum Um­gang mit Bar­geld­ge­schäften ein­geführt hat, bie­tet sich im ers­ten Schritt eine grup­pen­weite Be­fra­gung an. Adres­sa­ten­kreis der Fra­ge­stel­lun­gen zum Um­gang mit Bar­geld sind dann alle in-/ausländi­sche Toch­ter­un­ter­neh­men und Be­tei­li­gungs­un­ter­neh­men mit be­herr­schen­dem Ein­fluss und in-/ausländi­sche Zweig­nie­der­las­sun­gen nach § 13 ff HGB. Ein Fra­gen­ka­ta­log hierfür be­steht bei Eb­ner Stolz be­reits.

Achtung: Verstöße gegen das GwG sind sanktionsbewehrt

Das GwG hat die Be­fug­nisse der Auf­sichts­behörden aus­ge­wei­tet so­wie den Um­fang mögli­cher Bußgelder bei geldwäsche­recht­li­chen Pflicht­verstößen der Ver­pflich­te­ten deut­lich ver­schärft. Bei schwer­wie­gen­den, wie­der­hol­ten oder sys­te­ma­ti­schen Ver­ge­hen, können Bußgelder von bis zu 1 Mio. Euro oder dem zwei­fa­chen des aus dem Ver­stoß ge­zo­ge­nen wirt­schaft­li­chen Ge­winns des Ver­pflich­te­ten verhängt wer­den. Die Auf­sichts­behörden (IHK etc.) können zu­dem an­lass­los Prüfun­gen beim Güterhänd­ler als Ver­pflich­te­ten durchführen.

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