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FG Rheinland-Pfalz: Aufwendungen für die Fortbildung in einer Pseudowissenschaft können nicht als Werbungskosten abgezogen werden

Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 3.6.2013 - 5 K 1261/12

Auf­wen­dun­gen ei­nes Bank­be­triebs­wir­tes für die Fort­bil­dung in "Psy­cho- und Pa­tho­phy­sio­gno­mik" sind nicht als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen, da es sich hier­bei um eine Pseu­do­wis­sen­schaft han­delt. An der Grenz­li­nie zwi­schen Be­rufs- und Pri­vat­sphäre be­steht für den Steu­er­pflich­ti­gen ein An­reiz, Pri­vat­auf­wen­dun­gen als be­ruf­lich ver­an­lasst dar­zu­stel­len, um so den Ab­zug die­ser Auf­wen­dun­gen zu er­rei­chen.

Der Sach­ver­halt:
Der ver­hei­ra­tete und bei ei­ner Bank be­schäftigte Kläger hatte in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklärung für das Jahr 2009 Kos­ten für die Fort­bil­dung in "Psy­cho- und Pa­tho­phy­sio­gno­mik" i.H.v. rund 1.800 € (Se­mi­nar­gebühren, Über­nach­tungs­kos­ten, Fahrt­kos­ten
usw.) als Wer­bungs­kos­ten gel­tend ge­macht. Bei "Psy­cho- und Pa­tho­phy­sio­gno­mik" han­delt es sich um den Ver­such, von phy­sio­lo­gi­schen Merk­ma­len wie Körper­bau, Schädel­form und Ge­sichtszügen auf die see­li­schen Ei­gen­schaf­ten ei­nes Men­schen, ins­be­son­dere des­sen Cha­rak­terzüge und/oder Tem­pe­ra­ment zu schließen.

Zur Begründung führte der Kläger aus, er sei seit sechs Jah­ren für die Aus­wahl der Aus­zu­bil­den­den ver­ant­wort­lich. Auf Ver­an­las­sung sei­nes Ar­beit­ge­bers habe er be­reits eine Aus­bil­dung zum di­plo­mier­ten sys­te­mi­schen Coach ab­sol­viert. Da ihm diese Kennt­nisse übe­raus hilf­reich ge­we­sen seien, habe er sein psy­cho- und pa­tho­phy­sio­gno­mi­sches Wis­sen später wei­ter ver­tieft. Auch diese Kos­ten habe sein Ar­beit­ge­ber teil­weise über­nom­men. Der Be­such der Fort­bil­dungs­kurse im Streit­jahr 2009 sei da­her eben­falls be­ruf­lich ver­an­lasst und die ent­spre­chen­den Kos­ten ab­zugsfähig.

Das Fi­nanz­amt ver­trat al­ler­dings die Auf­fas­sung, dass es sich bei der Psy­cho- und Pa­tho­phy­sio­gno­mik um eine Pseu­do­wis­sen­schaft handle und dass die gel­tend ge­mach­ten Auf­wen­dun­gen über­wie­gend pri­vat ver­an­lasst seien. Schließlich habe auch die Ehe­frau des Klägers die Se­mi­nare be­sucht.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Re­vi­sion wurde nicht zu­ge­las­sen. Das Ur­teil ist al­ler­dings noch nicht rechtskräftig.

Die Gründe:
Zu Recht hatte das Fi­nanz­amt die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass es sich bei den gel­tend ge­mach­ten Kos­ten um ge­mischte Auf­wen­dun­gen han­delt, bei de­nen die pri­vate Ver­an­las­sung die be­ruf­li­che Ver­an­las­sung deut­lich über­wiegt.

An der Grenz­li­nie zwi­schen Be­rufs- und Pri­vat­sphäre be­steht für den Steu­er­pflich­ti­gen ein An­reiz, Pri­vat­auf­wen­dun­gen als be­ruf­lich ver­an­lasst dar­zu­stel­len, um so den Ab­zug die­ser Auf­wen­dun­gen zu er­rei­chen. Eine (über­wie­gende) be­ruf­li­che Be­deu­tung der Se­mi­nare, die auch von der Ehe­frau des Klägers be­sucht wor­den wa­ren, konnte der Kläger nicht nach­wei­sen. Er hatte die Ver­an­stal­tun­gen mit dem Ti­tel "Selbst­ver­wirk­li­chungs­wille" und "Einfühl­sa­mes Er­fra­gen der An­la­gen, um Ge­sund­heit und Krank­heit zu er­kun­den" vor al­lem aus pri­va­ten Gründen be­sucht.

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