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FG Münster: Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu Fahrzeugaufwendungen sind Werbungskosten

Urteil des FG Münster vom 28.3.2012 - 11 K 2817/11 E

Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu den Kosten eines ihm vom Arbeitgeber auch für Privatfahrten zur Verfügung gestellten Fahrzeugs sind abzugsfähig. Nach dem klaren Wortlaut des § 8 Abs. 2 S. 4 EStG ist im Rahmen der individuellen Ermittlung des Nutzungsvorteils nach Maßgabe der Fahrtenbuchmethode allein auf die durch das Kfz entstehenden Aufwendungen abzustellen ist, und zwar unabhängig davon, wer diese trägt.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger erzielte Ein­künfte aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Im Streit­jahr stellte ihm sein Arbeit­ge­ber einen geleas­ten Pkw zur Ver­fü­gung, und zwar auch für pri­vate Fahr­ten und Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stätte. Der Klä­ger leis­tete aller­dings Zuzah­lun­gen zu den Lea­sin­g­ra­ten des Arbeit­ge­bers i.H.v. etwa 2.000 €. Die­sen Betrag zog er von dem durch ein Fahr­ten­buch ermit­tel­ten Pri­vat­nut­zung­s­an­teil ab.

Das Finanz­amt min­derte dage­gen die Gesamt­kos­ten um die­sen Betrag. Von dem so ermit­tel­ten Sach­be­zug nahm es kei­nen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug mehr vor. Die ent­ge­gen­ste­hende Recht­sp­re­chung des BFH (Urteil vom 18.10.2007, VI R 57/09) sei gem. BMF-Sch­rei­ben vom 6.2.2009 nicht anzu­wen­den.

Das FG gab der Klage statt. Die Revi­sion zum BFH wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hat die Höhe des geld­wer­ten Vor­teils aus der Pkw-Nut­zung unzu­tref­fend ermit­telt.

Der Vor­teil aus der Fahr­zeug­über­las­sung ist vor­lie­gend nach der sog. Fahr­ten­buch­me­thode zu ermit­teln. Der Klä­ger hat ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch geführt und die durch das Fahr­zeug ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen nach­ge­wie­sen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanzamts führt die Ermitt­lung nach der Fahr­ten­buch­me­thode im Streit­fall jedoch zu Fahr­zeug­kos­ten pro Kilo­me­ter i.H.v. 0,40 €, denn der Eige­n­an­teil des Klä­gers min­dert die Fahr­zeug­kos­ten nicht.

Wie sich aus § 8 Abs. 2 S. 4 EStG ergibt, gehen bei der Fahr­ten­buch­me­thode in die Vor­teil­ser­mitt­lung auch sol­che Kraft­fahr­zeug­kos­ten ein, die nicht der Arbeit­ge­ber getra­gen hat. Damit blei­ben Zuzah­lun­gen des Arbeit­neh­mers bei der Ermitt­lung der Kos­ten pro gefah­re­nem Kilo­me­ter außer Ansatz. Der Senat sch­ließt sich der Recht­sp­re­chung des BFH an (s.o.). Die dem ent­ge­gen­ste­hende Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung über­sieht den kla­ren Wort­laut des § 8 Abs. 2 S. 4 EStG, der ver­deut­licht, dass im Rah­men der indi­vi­du­el­len Ermitt­lung des Nut­zungs­vor­teils nach Maß­g­abe der Fahr­ten­buch­me­thode allein auf die durch das Kfz ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen abzu­s­tel­len ist, und zwar unab­hän­gig davon, wer diese trägt.

Fol­ge­rich­tig hat der Klä­ger die von ihm selbst getra­ge­nen Kraft­fahr­zeug­kos­ten, d.h. die Zuzah­lun­gen zu den Lea­sing­kos­ten, bei der Ermitt­lung der Fahr­zeug­kos­ten nicht berück­sich­tigt und die Kos­ten pro gefah­re­nem Kilo­me­ter mit 0,40 € ermit­telt. Die Zuzah­lun­gen des Klä­gers zu den Lea­sing­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung des Nut­zungs­vor­teils i.S.d. § 9 Abs. 1 S. 1 EStG. Somit hat der Klä­ger diese Auf­wen­dun­gen zutref­fend von dem gem. § 8 Abs. 2 EStG ermit­tel­ten Vor­teil in Abzug gebracht.

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