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FG Münster: Ambulante Chemotherapien im Krankenhaus nicht steuerpflichtig

Urteil des FG Münster vom 24.10.2012 - 10 K 630/11 K

Die Ab­gabe von Krebs­me­di­ka­men­ten (sog. Zy­to­sta­tika) durch ein Kran­ken­haus im Rah­men am­bu­lan­ter Che­mo­the­ra­pien stellt einen Zweck­be­trieb dar und un­ter­liegt da­mit nicht der Körper­schaft­steuer. Wie die sta­tionäre Be­hand­lung stellt auch die am­bu­lante Che­mo­the­ra­pie eine ein­heit­li­che Kran­ken­haus­leis­tung dar.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine ka­tho­li­sche rechtsfähige Stif­tung des pri­va­ten Rechts. Nach ih­rer Sat­zung und tatsäch­li­chen Ge­schäftsführung dient sie der Förde­rung der öff­ent­li­chen Ge­sund­heits­pflege und ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körper­schaft­steuer be­freit. Zur Ver­wirk­li­chung ih­rer ge­meinnützi­gen Zwecke un­terhält die Kläge­rin ein Kran­ken­haus i.S.d. § 2 Nr. 1 Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (KHG), das in­ner­halb der Gren­zen des § 67 AO tätig ge­wor­den ist und einen Zweck­be­trieb dar­stellt.

Zur Ver­sor­gung des Kran­ken­hau­ses mit Arz­nei­mit­teln un­terhält die Kläge­rin eine Kran­ken­haus­apo­theke. Ne­ben Leis­tun­gen zur Ver­sor­gung der sta­tionär un­ter­ge­brach­ten Pa­ti­en­ten ver­kauft die Kran­ken­haus­apo­theke Me­di­ka­mente an Dritte, das Per­so­nal, an­dere Kli­ni­ken und an­dere Apo­the­ken. Außer­dem lie­fert die Kran­ken­haus­apo­theke Zy­to­sta­tika für die am­bu­lante Che­mo­the­ra­pie im Kran­ken­haus. Der ge­schäftsführende Chef­arzt des Kran­ken­hau­ses ist zur am­bu­lan­ten ver­tragsärzt­li­chen Ver­sor­gung ein­schließlich der Che­mo­the­ra­pie ermäch­tigt und führt diese Leis­tun­gen pri­vat- und ver­tragsärzt­lich als Dienst­auf­gabe für das Kran­ken­haus durch.

Die Kläge­rin be­han­delte die Ab­gabe der Me­di­ka­mente zur Ver­sor­gung von sta­tionär un­ter­ge­brach­ten Pa­ti­en­ten und zur am­bu­lan­ten Che­mo­the­ra­pie als dem Zweck­be­trieb Kran­ken­haus zu­gehörig. Das Fi­nanz­amt be­han­delte die Lie­fe­rung der Zy­to­sta­tika durch die Kran­ken­haus­apo­theke da­ge­gen als körper­schaft­steu­er­pflich­tig und er­ließ ent­spre­chende Körper­schaft­steu­er­be­scheide.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die beim BFH anhängige Re­vi­sion wird un­ter dem Az. I R 82/12 geführt.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat den Ge­winn aus der Lie­fe­rung von Zy­to­sta­tika durch die Kran­ken­haus­apo­theke zur am­bu­lan­ten Be­hand­lung von Pa­ti­en­ten zu Un­recht nicht dem Zweck­be­trieb Kran­ken­haus der Kläge­rin, son­dern einem wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­trieb zu­ge­ord­net; dem­ent­spre­chend hat es das zu ver­steu­ernde Ein­kom­men der Kläge­rin auch zu Un­recht um diese Beträge erhöht.

Die Kläge­rin ist eine rechtsfähige Stif­tung des pri­va­ten Rechts, die nach ih­rer Sat­zung und tatsäch­li­chen Ge­schäftsführung der Förde­rung der öff­ent­li­chen Ge­sund­heits­pflege i.S.d. § 52 Abs. 2 Nr. 3 AO durch das Un­ter­hal­ten ei­nes Kran­ken­hau­ses dient, was zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig ist. Als Körper­schaft in die­sem Sinne ist sie gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körper­schaft­steuer be­freit, so­weit sie nicht einen wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­trieb (§ 14 AO) un­terhält. Im Um­fang des wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­triebs entfällt gem. § 64 Abs. 1 AO die Be­frei­ung der Einkünfte des wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­triebs von der Körper­schaft­steuer, so­weit die­ser kein Zweck­be­trieb i.S.d. §§ 65 - 68 AO ist.

Die Kläge­rin erfüllt mit der Ab­gabe der Zy­to­sta­tika durch die Kran­ken­haus­apo­theke an die am­bu­lant be­han­del­ten Pa­ti­en­ten die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­triebs. Gem. Mit der Ab­gabe der Zy­to­sta­tika durch die Kran­ken­haus­apo­theke an die am­bu­lant be­han­del­ten Pa­ti­en­ten er­zielt die Kläge­rin nach­hal­tig Ein­nah­men, die nicht Be­stand­teil ei­nes ein­heit­li­chen Kran­ken­haus­ent­gelts sind. Der dar­ge­stellte wirt­schaft­li­che Ge­schäfts­be­trieb ist aber steu­er­be­freit, da er einen Zweck­be­trieb dar­stellt. Die Ab­gabe der Zy­to­sta­tika an die am­bu­lant im Kran­ken­haus der Kläge­rin be­han­del­ten Pa­ti­en­ten ist Be­stand­teil des Zweck­be­triebs Kran­ken­haus (§ 67 Abs. 1 AO), so dass die Ge­winne in­so­weit nicht der Körper­schaft­steuer un­ter­lie­gen.

Denn wie die sta­tionäre Be­hand­lung stellt auch die am­bu­lante Che­mo­the­ra­pie eine ein­heit­li­che Kran­ken­haus­leis­tung dar. Die Kran­ken­haus­apo­theke der Kläge­rin gibt auf der Grund­lage der für den ein­zel­nen Pa­ti­en­ten aus­ge­stell­ten Re­zepte die Zy­to­sta­tika zur aus­schließli­chen Ver­wen­dung im Rah­men der am­bu­lan­ten Kran­ken­haus­be­hand­lung ab. Diese am­bu­lante Kran­ken­haus­be­hand­lung um­fasst so­wohl die ärzt­li­che Leis­tung als auch die not­wen­dige Ver­ab­rei­chung von Me­di­ka­men­ten während der am­bu­lan­ten Be­hand­lung im Kran­ken­haus so­wie die Nut­zung der sons­ti­gen Ein­rich­tun­gen, des Per­so­nals und der Ma­te­ria­lien des Kran­ken­hau­ses als ein­heit­li­che Leis­tung.

Deut­lich wird die Ein­heit­lich­keit der Ge­samt­leis­tung auch daran, dass die ver­ab­reich­ten Zy­to­sta­tika nach dem ein­zel­nen Krank­heits­bild auf den Pa­ti­en­ten ab­ge­stimmt in­di­vi­du­ell ver­ord­net wer­den und nur un­ter ärzt­li­cher Über­wa­chung im Kran­ken­haus ver­ab­reicht wer­den können. Die ärzt­li­che Dia­gnose und Be­hand­lung um­fasst so­mit auch die in­di­vi­du­elle Me­di­ka­tion und ihre An­wen­dung und Ver­ab­rei­chung un­ter Kon­trolle und Über­wa­chung des Arz­tes. Die Ver­ab­rei­chung der Zy­to­sta­tika ist da­mit ein not­wen­di­ger und un­selbstständi­ger Be­stand­teil der ärzt­li­chen Be­hand­lung und der Kran­ken­haus­leis­tung Be­hand­lung der Krebs­er­kran­kung.

Hin­ter­grund:
Zu dem­sel­ben Er­geb­nis wie der 10. Se­nat im vor­lie­gen­den Fall kam in einem ver­gleich­ba­ren Fall be­reits der 9. Se­nat des FG Müns­ter mit Ur­teil vom 23.2.2012 (9 K 4639/10 K,G). Dass Me­di­ka­men­ten­ab­ga­ben im Rah­men am­bu­lan­ter Che­mo­the­ra­pien um­satz­steu­er­frei sind, hatte der 5. Se­nat des FG Müns­ter mit Ur­teil vom 12.5.2011 (4 K 435/09 U) ent­schie­den. Hierzu ist der­zeit ein Ver­fah­ren am EuGH anhängig (C-366/12).

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