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FG Köln zur Umsatzsteuerbefreiung von Supervisionsleistungen

Urteil des FG Köln vom 27.6.2012 - 15 K 1581/09

Die Be­schei­ni­gung ei­ner Be­zirks­re­gie­rung, wo­nach der Um­satz­steu­er­pflich­tige "be­ruf­li­che Bil­dungsmaßnah­men i.S.d. des § 4 Nr. 21 a), bb) UStG ord­nungs­gemäß durchführt", reicht nicht für eine Steu­er­be­frei­ung aus. Auch die die An­er­ken­nung ei­nes Un­ter­neh­mers als Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter schei­det aus, wenn seine Leis­tun­gen (hier: Su­per­vi­sio­nen) von den Auf­trag­ge­bern we­der als So­zi­al­ver­si­che­rungsträger noch als Träger der öff­ent­li­chen Ju­gend­hilfe, son­dern in ih­rer Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber be­zahlt wer­den.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist Di­plom-So­zio­lo­gin und be­trieb in den Streit­jah­ren 2002 und 2003 ein Un­ter­neh­men als Su­per­vi­so­rin. Die Be­zirks­re­gie­rung er­teilte ihr "auf Wi­der­ruf" eine "Be­schei­ni­gung nach § 4 Nr. 21 a), bb) UStG". Die Kläge­rin erklärte in den Streit­jah­ren die Umsätze aus Su­per­vi­si­ons­leis­tun­gen als steu­er­frei. Das Fi­nanz­amt folgte dem zunächst. Nach­dem der BFH (Urt. v. 30.6.2005, Az.: V R 1/02) ent­schie­den hatte, dass Su­per­vi­sion keine we­gen Heil­be­hand­lung um­satz­steu­er­freie Leis­tung sei, ord­nete es bei der Kläge­rin eine Um­satz­steuer-Son­derprüfung an.

Da­bei be­ließ es das Fi­nanz­amt bei der Um­satz­steu­er­frei­heit hin­sicht­lich der­je­ni­gen Su­per­vi­si­ons­leis­tun­gen, die nach­weis­lich als Un­ter­richts­leis­tun­gen an Aus- und Fort­zu­bil­dende an ei­ner Uni­ver­sität und einem In­sti­tut er­bracht wor­den wa­ren. Die übri­gen Su­per­vi­si­ons­leis­tun­gen der Kläge­rin i.H.v. 28.595 € bzw. 27.301 € netto stufte die Behörde je­doch nicht als um­satz­steu­er­frei nach § 4 Nr. 21 a) bb) UStG ein.

Die Kläge­rin war der An­sicht, dass die Umsätze schon auf­grund der ihr er­teil­ten Ge­neh­mi­gung der Be­zirks­re­gie­rung zwin­gend als steu­er­frei zu be­han­deln seien. Ihre Auf­trag­ge­ber seien über­wie­gend öff­ent­li­che In­sti­tu­tio­nen so­wie als Träger der freien Wohl­fahrts­pflege tätig ge­we­sen. Die Su­per­vi­sion werde von die­sen in ei­ge­nen Fort- und Wei­ter­bil­dungs­pro­gram­men für Mit­ar­bei­ter an­ge­bo­ten und vor­aus­ge­setzt. Im Übri­gen seien die er­brach­ten Su­per­vi­si­ons­leis­tun­gen auch gem. Art. 13 Teil A Abs. 1g u. h der Richt­li­nie 77/388 EWG steu­er­frei, da der weit­aus über­wie­gende Teil der Leis­tung an an­er­kannte Ein­rich­tun­gen mit so­zia­lem Cha­rak­ter er­bracht wor­den seien.

Das FG wies die Klage ab. Die Re­vi­sion zum BFH wurde nicht zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die Leis­tun­gen der Kläge­rin wa­ren nicht nach § 4 Nr. 21 a) bb) UStG von der Steuer be­freit. Die Vor­aus­set­zun­gen la­gen schon des­halb nicht vor, weil die Kläge­rin keine ord­nungs­gemäße Be­schei­ni­gung i.S.d. der Norm be­sitzt. Ihr wurde von der Be­zirks­re­gie­rung le­dig­lich be­schei­nigt, dass von ihr "be­ruf­li­che Bil­dungsmaßnah­men i.S.d. des § 4 Nr. 21 a), bb) UStG ord­nungs­gemäß durch­geführt" wer­den. Dies genügt je­doch nicht.

Die Kläge­rin konnte sich auch nicht mit Er­folg auf Art. 13 Teil A Abs. 1i der Richt­li­nie 77/388/EWG be­ru­fen, da sie man­gels ord­nungs­gemäßer Be­schei­ni­gung i.S.v. § 4 Nr. 21 a) bb) UStG nicht als "an­dere Ein­rich­tung" an­er­kannt ist. Eine Steu­er­be­frei­ung gem. Art. 13 Teil A Abs. 1j der Richt­li­nie 77/388/EWG schied aus, da die Tätig­kei­ten der Kläge­rin nicht als "Schul- und Hoch­schul­un­ter­richt" i.S.d. Art. 13 Teil A Abs. 1j der Richt­li­nie 77/388/EWG qua­li­fi­ziert wer­den konnte. Denn die Leis­tungs­empfänger wa­ren keine Schu­len oder Hoch­schu­len, son­dern öff­ent­li­che In­sti­tu­tio­nen und Träger der freien Wohl­fahrts­pflege. Bei den Su­per­vi­sio­nen der Kläge­rin han­delte es sich auch nicht um einen in einen Lehr- oder Stu­di­en­plan ein­ge­bet­te­ten Un­ter­richt, was je­doch er­for­der­lich ge­we­sen wäre.

Eben­falls ohne Er­folg be­rief sich die Kläge­rin auf Art. 13 Teil A Abs. 1g u. h der Richt­li­nie 77/388/EWG. Denn sie er­brachte in ih­ren Su­per­vi­si­ons­leis­tun­gen we­der eng mit der So­zi­alfürsorge und der so­zia­len Si­cher­heit bzw. der Kin­der- und Ju­gend­be­treu­ung ver­bun­dene Dienst­leis­tun­gen, noch ist sie hin­sicht­lich der hier strei­ti­gen Umsätze eine von einem Mit­glied­staat an­er­kannte Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter. Zwar kann die An­er­ken­nung ei­nes Un­ter­neh­mers als Ein­rich­tung mit so­zia­lem Cha­rak­ter nach BFH-Recht­spre­chung aus der Über­nahme der Kos­ten durch einen So­zi­al­ver­si­che­rungsträger oder einen Träger der öff­ent­li­chen Ju­gend­hilfe ab­ge­lei­tet wer­den. Die Leis­tun­gen der Kläge­rin wur­den von ih­ren Auf­trag­ge­bern al­ler­dings in ih­rer Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­ber be­zahlt.

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