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FG Köln: Flugbegleiterin kann Kosten für spätere Berufsausbildung in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen

Urteil des FG Köln vom 12.12.2011 - 7 K 3147/08

Eine Flug­be­glei­te­rin kann auch dann die Kos­ten für eine nach­fol­gende Be­rufs­aus­bil­dung (hier: zur Pi­lo­tin) un­ein­ge­schränkt steu­er­lich als Wer­bungs­kos­ten gel­tend ma­chen, wenn sie für die Aus­bil­dung zur Flug­be­glei­te­rin le­dig­lich be­triebs­in­terne Schu­lun­gen bei ei­ner Flug­ge­sell­schaft ab­sol­viert hat. Der Ab­schluss in einem staat­lich an­er­kann­ten Aus­bil­dungs­be­ruf ist in­so­weit nicht er­for­der­lich.

Der Sach­ver­halt:
Zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist strei­tig, ob Auf­wen­dun­gen für eine Pi­lo­ten­aus­bil­dung als Wer­bungs­kos­ten bei den Einkünf­ten aus nicht­selbständi­ger Ar­beit zu berück­sich­ti­gen sind. Die Kläge­rin ab­sol­vierte im An­schluss an ihre Tätig­keit als Flug­be­glei­te­rin eine Pi­lo­ten­aus­bil­dung. Die hierfür ent­stan­de­nen Kos­ten in fünf­stel­li­ger Höhe machte sie als vor­weg­ge­nom­mene Wer­bungs­kos­ten bei der Ein­kom­men­steuer gel­tend.

Das Fi­nanz­amt berück­sich­tigte nur einen Be­trag i.H.v. 4.000 € als Son­der­aus­ga­ben, weil es sich bei der Aus­bil­dung zur Flug­be­glei­te­rin we­der um eine Be­rufs­aus­bil­dung nach dem Be­rufs­aus­bil­dungs­ge­setz noch um einen an­sons­ten an­er­kann­ten Lehr- oder An­lern­be­ruf han­dele. Die Pi­lo­ten­aus­bil­dung stelle da­her eine erst­ma­lige Be­rufs­aus­bil­dung i.S.d. § 12 Nr. 5 EStG dar, so dass de­ren Kos­ten nur ein­ge­schränkt als Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den könn­ten.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Re­vi­sion zum BFH wurde zur Fort­bil­dung des Rechts zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Die Auf­wen­dun­gen für die Aus­bil­dung der Kläge­rin zur Ver­kehrs­flug­zeugführe­rin stel­len Wer­bungs­kos­ten bei den Einkünf­ten aus nicht­selbständi­ger Tätig­keit dar. Die Ab­zugs­be­schränkung des § 12 Nr. 5 EStG steht dem nicht ent­ge­gen, da es sich bei der Aus­bil­dung der Kläge­rin zur Ver­kehrs­flug­zeugführe­rin - we­gen der zu­vor er­folg­ten Aus­bil­dung zur Flug­be­glei­te­rin - nicht um eine erst­ma­lige Be­rufs­aus­bil­dung i.S.d. § 12 Nr. 5 EStG han­delt.

Bis­lang ist nicht ab­schließend geklärt, wie der Be­griff der erst­ma­li­gen Be­rufs­aus­bil­dung zu ver­ste­hen ist. Nach ei­ner Mei­nung soll es in die­sem Zu­sam­men­hang ent­schei­dend auf die Be­rufs­be­zo­gen­heit der Aus­bil­dung an­kom­men. Die Aus­bil­dung müsse sich als Vor­aus­set­zung für die ge­plante Be­rufs­ausübung dar­stel­len. Eine Be­rufs­aus­bil­dung i.S.d. § 12 Nr. 5 EStG sei be­reits dann zu be­ja­hen, wenn je­mand im Be­rufs­le­ben eine Tätig­keit als An­ge­lern­ter ausübe, auch ohne vor­her eine herkömm­li­che Lehre durch­lau­fen zu ha­ben.

Nach der auch von der Fi­nanz­ver­wal­tung ver­tre­te­nen Ge­gen­an­sicht setzt die erst­ma­lige Be­rufs­aus­bil­dung vor­aus, dass der Be­ruf durch eine Aus­bil­dung im Rah­men ei­nes öff­ent­lich-recht­lich ge­ord­ne­ten Aus­bil­dungs­gangs er­lernt und der Aus­bil­dungs­gang durch eine Prüfung ab­ge­schlos­sen wird. Die­ser Aus­le­gung hat sich der Se­nat vor­lie­gend nicht an­ge­schlos­sen, da sie nach sei­ner An­sicht zu eng ist und im Ge­setz keine Stütze fin­det.

Bei der (in­ner­be­trieb­li­chen) Aus­bil­dung der Kläge­rin zur Flug­be­glei­te­rin han­delt es sich dem­nach um eine erst­ma­lige Be­rufs­aus­bil­dung i.S.d. § 12 Nr. 5 EStG. Die Schu­lung er­folgte be­rufs­be­zo­gen und stellte eine Grund­vor­aus­set­zung für die ge­plante Be­rufs­ausübung dar. Die Pi­lo­ten­aus­bil­dung ist da­her als zweite Aus­bil­dung an­zu­se­hen, für die keine Ab­zugs­be­schränkung gilt.

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