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FG Köln: Autorenlesungen unterliegen dem ermäßigten Steuersatz

Urteil des FG Köln vom 30.8.2012 - 12 K 1967/11

Das Honorar eines Autors für die Lesung aus seinem Werk kann dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent unterliegen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die Lesung einer Theatervorführung vergleichbar ist.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin ist Schrift­s­tel­le­rin und führte im Streit­jahr (2008) Lesun­gen aus ihrem zuvor erschie­ne­nen Buch durch. Die Honorare für die Lesun­gen behan­delte sie in der Umsatz­steue­r­er­klär­ung 2008 - ebenso wie die Erlöse aus den Buch­ver­käu­fen - als dem ermä­ß­ig­ten Umsatz­steu­er­satz unter­lie­gend.

Eine bei der Klä­ge­rin durch­ge­führte Umsatz­steuer-Son­der­prü­fung kam zu dem Ergeb­nis, dass für die Honorare der Auto­ren­le­sun­gen kein Ermä­ß­i­gung­s­tat­be­stand ein­g­reife, da die Lesun­gen weder künst­le­ri­sche noch kaba­ret­tis­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen seien. Die Honorare seien daher mit dem Regel­steu­er­satz zu besteu­ern. Dem­ge­mäß erließ das Finanz­amt einen nach § 164 Abs. 2 AO geän­der­ten Umsatz­steu­er­be­scheid 2008.

Hier­ge­gen wen­det sich die Klä­ge­rin mit ihrer Klage. Sie macht gel­tend, die Umsätze aus den Auto­ren­le­sun­gen unter­lä­gen nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG dem ermä­ß­ig­tem Steu­er­satz. Das Finanz­amt lege den Begriff der Thea­ter­auf­füh­rung zu eng aus.

Das FG gab der Klage statt. Die Revi­sion zum BFH wurde zuge­las­sen.

Die Gründe:
Die Dar­bie­tung der Klä­ge­rin unter­liegt gem. § 12 Nr. 7 Buchst. a UStG dem ermä­ß­ig­ten Steu­er­satz

Nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG ermä­ß­igt sich der Regel­steu­er­satz nach § 12 Abs. 1 UStG auf sie­ben Pro­zent für die Ein­tritts­be­rech­ti­gung für Thea­ter, Kon­zerte und Museen, sowie die den Thea­ter­vor­füh­run­gen und Kon­zer­ten ver­g­leich­ba­ren Dar­bie­tun­gen aus­üben­der Künst­ler. Vor­lie­gend bie­tet die Klä­ge­rin ihr litera­ri­sches Werk auf andere Weise, näm­lich in Form einer Lesung, dar. Damit erbringt sie als aus­übende Künst­le­rin eine den Thea­ter­vor­füh­run­gen ver­g­leich­bare Dar­bie­tung.

Die Klä­ge­rin rezi­tiert im Rah­men ihrer Lesun­gen ihr Werk und bewegt sich so in der Gat­tung der Klein­kunst. Sie bedi­ent sich dabei ins­bes. ihrer Stimme, die sie beim Lesen häu­fig zum Aus­druck beson­de­rer Situa­tio­nen oder zur Dar­stel­lung Han­deln­der ver­än­dert. Sie unter­st­reicht dies mit Mimik, Kör­per­hal­tung und Bewe­gung und ruft so Emo­tio­nen beim Pub­li­kum her­vor, die sich ins­bes. in der Arti­ku­la­tion von Lachen und Sch­mun­zeln äußern.

Die Klä­ge­rin liest aber nicht nur. Sie unter­bricht das eigent­li­che Lesen des Buches immer wie­der für Erläu­te­run­gen, die mehr oder weni­ger Bezug zum Buch haben. Stel­len­weise gerät so die Lesung völ­lig in den Hin­ter­grund. Teil­weise erreicht die Dar­bie­tung auch kaba­ret­tis­ti­sche Züge.

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