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FG Düsseldorf zur Qualifizierung der Kosten einer Sensibilisierungswoche als Arbeitslohn

Urteil des FG Düsseldorf vom 18.4.2013 - 16 K 922/12 L

Die Kos­ten für die Teil­nahme der Mit­ar­bei­ter ei­nes Un­ter­neh­mens an einem Se­mi­nar zur Ver­mitt­lung grund­le­gen­der Er­kennt­nisse über einen ge­sun­den Le­bens­stil (sog. "Sen­si­bi­li­sie­rungs­wo­che") sind als Ar­beits­lohn zu qua­li­fi­zie­ren. Da­bei kann der Frei­be­trag für Leis­tun­gen zur Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Ge­sund­heits­zu­stands und der be­trieb­li­chen Ge­sund­heitsförde­rung i.H.v. 500 € ab­ge­zo­gen wer­den (§ 3 Nr. 34 EStG).

Der Sach­ver­halt:
Das kla­gende Un­ter­neh­men bot sei­nen Mit­ar­bei­tern im Rah­men ei­nes sog. De­mo­gra­fie­pro­jekts ein einwöchi­ges Einführungs­se­mi­nar zur Ver­mitt­lung grund­le­gen­der Er­kennt­nisse über einen ge­sun­den Le­bens­stil (sog. "Sen­si­bi­li­sie­rungs­wo­che") an. Das Un­ter­neh­men bat das Fi­nanz­amt um Aus­kunft über die lohn­steu­er­li­che Be­hand­lung der Kos­ten für die Teil­nahme an die­sem Se­mi­nar, die sich pro Mit­ar­bei­ter auf ca. 1.300 € (ab­zgl. Kran­ken­kas­sen­zu­schüsse) be­lie­fen.

Das Fi­nanz­amt ver­trat die Auf­fas­sung, dass es sich um Ar­beits­lohn han­dele, wo­bei der Frei­be­trag für Leis­tun­gen zur Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Ge­sund­heits­zu­stands und der be­trieb­li­chen Ge­sund­heitsförde­rung i.H.v. 500 € ab­ge­zo­gen wer­den könne. Da­ge­gen wen­dete sich die Kläge­rin und machte gel­tend, die an­ge­bo­tene Maßnahme liege ganz über­wie­gend in ih­rem ei­ge­nen In­ter­esse, so dass es am Ent­loh­nungs­cha­rak­ter fehle.

Das FG wies die Klage ab. Die Re­vi­sion zum BFH wurde zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat zu Recht den der Sen­si­bi­li­sie­rungs­wo­che zu­zu­mes­sen­den Wert als Ar­beits­lohn in Form ei­nes geld­wer­ten Vor­teils qua­li­fi­ziert, der le­dig­lich im in § 3 Nr. 34 EStG be­schrie­be­nen Um­fang steu­er­frei zu be­las­sen ist. Da­mit hat es eine zu­tref­fende An­ru­fungs­aus­kunft ge­ge­ben.

Die Zu­wen­dung stellt Ar­beits­lohn dar, da es sich bei der Sen­si­bi­li­sie­rungs­wo­che um eine all­ge­mein-ge­sund­heitspräven­tive Maßnahme han­delt. Dafür spre­chen ne­ben der Ver­wen­dung der Be­zeich­nun­gen "De­mo­gra­fie­pro­jekt" und "Präven­ti­onsmaßnahme" im Sinne des So­zi­al­rechts die be­zweckte Ver­mitt­lung von Er­kennt­nis­sen über einen ge­sun­den Le­bens­stil so­wie der In­halt des vor­ge­leg­ten Wo­chen­plans. Die all­ge­meine Ge­sund­heits­vor­sorge liegt zwar auch im In­ter­esse ei­nes Ar­beit­ge­bers, aber zu­vor­derst im persönli­chen In­ter­esse der Ar­beit­neh­mer.

Zu­dem be­stand keine Ver­pflich­tung der Ar­beit­neh­mer zur Teil­nahme; sie wa­ren viel­mehr ge­zwun­gen, Fahrt­kos­ten und Frei­zeit dafür auf­zu­wen­den. Diese Re­ge­lung setzte ein be­son­de­res Ei­gen­in­ter­esse des Ar­beit­neh­mers vor­aus, das ihn dazu be­wegt, ei­gene In­itia­tive und Auf­wen­dun­gen ein­zu­brin­gen.

Die Ein­ord­nung der Sen­si­bi­li­sie­rungs­wo­che ent­spricht zu­dem der ge­setz­ge­be­ri­sch vor­ge­ge­be­nen Wer­tung in § 3 Nr. 34 EStG für Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers zur Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Ge­sund­heits­zu­stan­des und der be­trieb­li­chen Ge­sund­heitsförde­rung, die hin­sicht­lich Qua­lität, Zweck­bin­dung und Ziel­ge­rich­tetheit den An­for­de­run­gen der §§ 20, 20 a SGB V genügen. Des­halb war die Aus­kunft des Be­klag­ten zu­tref­fend, dass ein Be­trag von 500 € steu­er­frei zu be­las­sen sei.

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