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FG Berlin-Brandenburg: Ermäßigter Umsatzsteuersatz für Feuerwerksveranstaltungen mit Musik - Regelsatz für Clubveranstaltungen mit DJ

Urteile des FG Berlin-Brandenburg vom 9.8.2012 - 5 K 5202/10 u.a.

Feu­er­werks­dar­bie­tun­gen mit ei­ner in­di­vi­du­el­len Cho­reo­gra­phie von Feu­er­werk und dazu pas­send ab­ge­spiel­ter Mu­sik, die eine über das bloße Ab­bren­nen ei­nes Feu­er­werks und das Ab­spie­len von Tonträgern hin­aus­ge­hende krea­tive geis­tige Tätig­keit er­for­dern, un­ter­lie­gen dem ermäßig­ten Um­satz­steu­er­satz von 7 Pro­zent. Club­ver­an­stal­tun­gen mit DJs, die ver­schie­dene Mu­sikstücke ein­spie­len und mit Hilfe von Misch­pul­ten in­di­vi­du­ell mi­schen und verändern, un­ter­lie­gen hin­ge­gen dem vollen Um­satz­steu­er­satz von 19 Pro­zent.

Der Sach­ver­halt:

+++ 5 K 5202/10 +++
Die Kläge­rin ver­an­stal­tet re­gelmäßig einen in­ter­na­tio­na­len Feu­er­werks­wett­be­werb, bei dem ver­schie­dene Teams Feu­er­werks­dar­bie­tun­gen zei­gen. In einem Pflicht­teil gilt es da­bei zunächst, 1,5 Mi­nu­ten ein farb­lich vor­ge­ge­be­nes Feu­er­werk ohne Mu­sik­un­ter­le­gung zu präsen­tie­ren; es folgt ein 4-minüti­ges Feu­er­werk mit für alle Teams gel­ten­der Mu­sik­vor­gabe. Die Kür be­steht aus einem 10-minüti­gen Feu­er­werk zu einem selbst gewähl­ten Mu­sikstück. Be­wer­tet wer­den u.a. Krea­ti­vität, Viel­falt von Far­ben und Ef­fek­ten, die Syn­chro­ni­sa­tion zur Mu­sik und die künst­le­ri­sche und tech­ni­sche Ausführung.

Das Fi­nanz­amt un­ter­warf die Leis­tun­gen der Kläge­rin dem re­gulären Steu­er­satz. Hier­ge­gen wen­det sich die Kläge­rin mit ih­rer Klage. Sie ist der An­sicht, ihre Leis­tun­gen seien gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7 a UStG steu­er­begüns­tigt, da sie den Thea­ter­aufführun­gen und Kon­zer­ten ver­gleich­bare Leis­tun­gen er­bringe.

Das FG gab der Klage statt. Die Re­vi­sion zum BFH wurde zu­ge­las­sen.

+++ 5 K 5226/10 +++
Die Kläge­rin in die­sem Ver­fah­ren be­treibt einen Club. Sie en­ga­giert in der Techno- und House­mu­sik Szene be­kannte DJs, die ver­schie­dene Mu­sikstücke ein­spie­len und mit Hilfe von Misch­pul­ten in­di­vi­du­ell mi­schen und verändern. Auf­grund der Fest­stel­lun­gen ei­ner Um­satz­steuer-Son­derprüfung un­ter­warf das Fi­nanz­amt die Ein­tritts­gel­der dem Re­gel­steu­er­satz. Es ist der An­sicht, dass es sich bei dem Club­be­trieb nicht um steu­er­begüns­tigte Kon­zerte oder kon­zertähn­li­che Ver­an­stal­tun­gen i.S.d. § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a) UStG, son­dern um einen ty­pi­schen Dis­ko­the­ken­be­trieb han­dele.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Re­vi­sion zum BFH wurde zu­ge­las­sen.

Die Gründe:

+++ 5 K 5202/10 +++
Die Ein­tritts­gel­der für die Feu­er­werks­ver­an­stal­tun­gen der Kläge­rin un­ter­lie­gen dem ermäßig­ten Steu­er­satz von 7 Pro­zent.

Die Feu­er­werks­ver­an­stal­tung der Kläge­rin ist eine je­den­falls ei­ner Thea­ter­aufführung ver­gleich­bare Dar­bie­tung künst­le­ri­scher Leis­tun­gen, die in der Schöpfung ei­nes aus op­ti­schen und akus­ti­schen Ele­men­ten ab­ge­stimm­ten Ge­samt­werks be­steht. Der künst­le­ri­sche Cha­rak­ter der Dar­bie­tung be­steht in der je­weils in­di­vi­du­el­len Cho­reo­gra­phie von Feu­er­werk und dazu pas­send ab­ge­spiel­ter Mu­sik, die eine über das bloße Ab­bren­nen ei­nes Feu­er­werks und das Ab­spie­len von Tonträgern hin­aus­ge­hende krea­tive geis­tige Tätig­keit er­for­dert. Das Schaf­fen ei­ner Har­mo­nie von Far­ben, For­men und Klang ist nicht nur eine Frage tech­ni­scher Fer­tig­kei­ten, son­dern vor al­lem eine Frage geis­tig-künst­le­ri­scher Vor­stel­lungs­kraft und Krea­ti­vität.

+++ 5 K 5226/10 +++
Die Club­ver­an­stal­tun­gen der Kläge­rin stel­len keine Kon­zerte oder kon­zertähn­li­che Ver­an­stal­tun­gen dar und un­ter­lie­gen da­her nicht dem ermäßig­ten Steu­er­satz.

Vor­aus­set­zung für die An­nahme ei­nes Kon­zerts ist u.a., dass die­ses den ei­gent­li­chen Zweck der Ver­an­stal­tung aus­macht. Das ist bei dem Auf­tritt der DJs macht im Club der Kläge­rin je­doch nicht der Fall. Hier be­steht der Zweck viel­mehr im ge­mein­sa­men Fei­ern, Tan­zen und Un­ter­hal­ten mu­si­ka­li­sch gleich­ge­sinn­ter Gäste. Es fehlt an einem kon­zer­tan­ten Cha­rak­ter der Dar­bie­tun­gen, wo­bei es nicht darum geht, dass die Gäste tan­zen oder sich un­ter­hal­ten oder zwi­schen­durch hin­aus­ge­hen; das ist auch bei Kon­zer­ten nicht ge­ne­rell unüblich.

Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass bei der ständi­gen Fluk­tua­tion der Gäste die Mu­sik nicht im Zen­trum der Auf­merk­sam­keit steht, we­gen des dau­ern­den Kom­mens und Ge­hens "neuer" und "al­ter" Gäste gar nicht ste­hen kann. Das En­ga­ge­ment der DJs dient le­dig­lich als An­reiz für den Be­such des Clubs, die Ver­an­stal­tun­gen ha­ben aber den Cha­rak­ter ty­pi­scher Club-/Dis­ko­the­ken­be­triebe.

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