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EXIST-Gründerzuschüsse führen nicht zu Sonderbetriebseinnahmen

FG Münster 13.4.2018, 14 K 3906/14 F

Die an Ge­sell­schaf­ter ei­ner GbR ge­zahl­ten Exis­tenzgründer­zu­schüsse des EXIST-Pro­gramms stel­len keine Son­der­be­triebs­ein­nah­men dar. Da die Sti­pen­dien der Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts und ei­ner an­ge­mes­se­nen Ab­si­che­rung ge­gen das fi­nan­zi­elle Ri­siko von Krank­heit der Ge­sell­schaf­ter die­nen, ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Zah­lun­gen der GbR zu­gu­te­kom­men sol­len.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine GbR, de­ren eben­falls kla­gende zwei Ge­sell­schaf­ter Sti­pen­dia­ten­verträge mit ei­ner Uni­ver­sität ab­schlos­sen hat­ten. Da­nach er­hiel­ten die Ge­sell­schaf­ter Mit­tel aus dem Pro­gramm "Exis­tenzgründun­gen aus der Wis­sen­schaft (EXIST)" zur Rea­li­sie­rung ei­nes Gründungs­vor­ha­bens im Be­reich der Soft­ware­ent­wick­lung.

Nach dem je­wei­li­gen Sti­pen­dia­ten­ver­trag sollte das Sti­pen­dium den Ge­sell­schaf­tern ermögli­chen, sich ganz der Ver­fol­gung und Rea­li­sie­rung ih­rer Gründungs­idee zu wid­men. Es war nicht als Vergütung noch als Ar­beits­ent­gelt aus­ge­stal­tet, son­dern diente viel­mehr al­lein der Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts und ei­ner an­ge­mes­se­nen Ab­si­che­rung ge­gen das fi­nan­zi­elle Ri­siko von Krank­heit des Exis­tenzgründers während der Phase der Wei­ter­ver­fol­gung und Rea­li­sie­rung der Gründungs­idee.

Die nach die­sen Ver­ein­ba­run­gen an die bei­den Ge­sell­schaf­ter ge­zahl­ten Sti­pen­dien i.H.v. 18.000 € bzw. 16.800 € be­han­delte das Fi­nanz­amt als Son­der­be­triebs­ein­nah­men aus ih­rer Mit­un­ter­neh­mer­schaft bei der GbR. Das FG gab der hier­ge­gen er­ho­be­nen Klage in vol­lem Um­fang statt. Al­ler­dings wurde zur Fort­bil­dung des Rechts die Re­vi­sion zum BFH zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Zu Un­recht ha­ben das Fi­nanz­amt in dem streit­be­fan­ge­nen Fest­stel­lungs­be­scheid hin­sicht­lich der Sti­pen­dien Son­der­be­triebs­ein­nah­men der bei­den Ge­sell­schaf­ter fest­ge­stellt.

Dies folge be­reits dar­aus, dass die Beträge bei der GbR nicht zu ei­ner Ge­winn­min­de­rung geführt ha­ben. Darüber hin­aus stel­len die Sti­pen­dien auch keine Vergütun­gen von der Ge­sell­schaft dar, da sie von der Uni­ver­sität gewährt wur­den. Sie sind auch nicht als Zah­lun­gen von drit­ter Seite an­zu­se­hen, da keine Ver­an­las­sung durch das Ge­sell­schafts­verhält­nis ge­ge­ben ist. Die Sti­pen­dia­ten­verträge hat­ten die Kläger viel­mehr un­abhängig von ih­rer Ei­gen­schaft als Ge­sell­schaf­ter der GbR mit der Uni­ver­sität ab­ge­schlos­sen.

Da die Sti­pen­dien der Si­che­rung des Le­bens­un­ter­halts und ei­ner an­ge­mes­se­nen Ab­si­che­rung ge­gen das fi­nan­zi­elle Ri­siko von Krank­heit der Ge­sell­schaf­ter ge­dient ha­ben, ist nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Zah­lun­gen der GbR zu­gu­te­kom­men soll­ten. Nichts an­de­res folgt aus dem BFH-Be­schluss vom 1.10.2011 (Az.: III B 128/11). In die­ser Ent­schei­dung hat der BFH zwar er­kannt, nach den maßgeb­li­chen Richt­li­nien des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie be­stehe der Zweck des EXIST-Gründersti­pen­di­ums darin, eine Exis­tenzgründung vor­zu­be­rei­ten und zu be­glei­ten so­wie zur un­ter­neh­me­ri­schen Selbständig­keit hin­zuführen und diese Zwecke fie­len nicht un­ter die in § 3 Nr. 44 EStG ge­nann­ten Förde­rungs­zwe­cke.

Al­ler­dings be­traf diese Ent­schei­dung die Frage der Be­triebs­ein­nah­men ei­nes Ein­zel­un­ter­neh­mers i.S.d. § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 EStG und nicht die im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren strei­tige Frage, ob die Sti­pen­dien die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Son­der­be­triebs­ein­nah­men i.S.d. § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 2  2. Alt. EStG erfüll­ten.

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