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BGH 5.10.2017, I ZR 7/16

Laut BGH-Recht­spre­chung ist es für die Wirk­sam­keit der Ein­wil­li­gung nach § 4a Abs. 1 BDSG bis­her nicht er­for­der­lich, dass der Be­trof­fene sie ge­son­dert (i.S. ei­nes "Opt-in") erklärt mit zusätz­li­cher Un­ter­schrift oder einem dafür vor­ge­se­he­nen Kästchen zur po­si­ti­ven Ab­gabe der Ein­wil­li­gungs­erklärung.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger ist der in die Liste qua­li­fi­zier­ter Ein­rich­tun­gen nach § 4 UKlaG ein­ge­tra­gene Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len. Die Be­klagte bie­tet die Teil­nahme an Ge­winn­spie­len im In­ter­net an. Im Sep­tem­ber 2013 hatte die Be­klagte im In­ter­net ein Ge­winn­spiel ver­an­stal­tet. Nach Ein­gabe der Post­leit­zahl ge­langte der Nut­zer hier­bei auf eine Seite, auf der Name und An­schrift des Nut­zers ein­zu­tra­gen wa­ren. Un­ter den Ein­ga­be­fel­dern für die Adresse be­fan­den sich zwei mit An­kreuz­fel­dern ver­se­hene Hin­weis­texte.

Der er­ste Hin­weis­text, des­sen An­kreuz­feld nicht mit einem vor­ein­ge­stell­ten Häkchen ver­se­hen war, ent­hielt eine Ein­verständ­nis­erklärung für Wer­bung von Spon­so­ren auf pos­ta­li­schen oder te­le­fo­ni­schen Weg oder per E-Mail/SMS. Der zweite Hin­weis­text, der mit einem vor­ein­ge­stell­ten Häkchen ver­se­hen war, ent­hielt eine Ein­wil­li­gungs­erklärung, mit der der Teil­neh­mer bei sei­ner Re­gis­trie­rung dem Ein­satz von Coo­kies zu­stimmte. Mit Hilfe der Coo­kies sollte eine Aus­wer­tung des Surf- und Nut­zungs­ver­hal­tens des Teil­neh­mers auf Web­sei­ten von Wer­be­part­nern ermöglicht wer­den, da­mit künf­tig eine in­ter­es­sen­ge­rech­tere Wer­bung er­fol­gen konnte. Eine Teil­nahme am Ge­winn­spiel war nur möglich, wenn min­des­tens das Häkchen vor dem ers­ten Hin­weis­text ge­setzt wurde.

Der Kläger war der An­sicht, dass die von der Be­klag­ten ver­lang­ten Ein­verständ­nis­erklärun­gen, ins­be­son­dere das sog. "Opt-out-Ver­fah­ren", nicht den An­for­de­run­gen des § 307 BGB i.V.m. § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG und §§ 12 ff. TMG genügten. Den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen sei ein "Opt-in"-Er­for­der­nis zu ent­neh­men. Eine vor­ge­richt­li­che Ab­mah­nung ist ohne Er­folg ge­blie­ben. LG und OLG ha­ben den Un­ter­las­sungs­an­spruch wei­test­ge­hend ab­ge­wie­sen. Auf die Re­vi­sio­nen der bei­den Par­teien hat der BGH das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Da­nach hänge der Er­folg der Re­vi­sion des Klägers von der Aus­le­gung des Art. 5 Abs. 3 u. Art. 2f der Richt­li­nie 2002/58/EG i.V.m. Art. 2h der Richt­li­nie 95/46/EG so­wie Art. 6 Abs. 1a der Ver­ord­nung (EU) 2016/679 ab.

Gründe:
Dem EuGH wer­den zur Aus­le­gung der Art. 5 Abs. 3 u. Art. 2f der Richt­li­nie 2002/58/EG des EU-Par­la­ments und des Ra­tes vom 12.7.2002 über die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und den Schutz der Pri­vat­sphäre in der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­tion (Da­ten­schutz­richt­li­nie für elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­tion, ABl. Nr. L 201 vom 31.7.2002, S. 37) in der durch Art. 2 Nr. 5 der Richt­li­nie 2009/136/EG des EU-Par­la­ments und des Ra­tes vom 25.11.2009 zur Ände­rung der Richt­li­nie 2002/22/EG über den Uni­ver­sal­dienst und Nut­zer­rechte bei elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zen und -diens­ten, der Richt­li­nie 2002/58/EG über die Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und den Schutz der Pri­vat­sphäre in der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­tion und der Ver­ord­nung (EG) Nr. 2006/2004 über die Zu­sam­men­ar­beit im Ver­brau­cher­schutz (ABl. Nr. L 337 vom 18.12.2009, S. 11) geänder­ten Fas­sung i.V.m. Art. 2h der Richt­li­nie 95/46/EG des EU-Par­la­ments und des Ra­tes vom 24.10.1995 zum Schutz natürli­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten und zum freien Da­ten­ver­kehr (ABl. Nr. L 281 vom 23.11.1995, S. 31) so­wie des Art. 6 Abs. 1a der Ver­ord­nung (EU) 2016/679 des EU-Par­la­ments und des Ra­tes vom 27.4.2016 zum Schutz natürli­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten, zum freien Da­ten­ver­kehr und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 95/46/EG (Da­ten­schutz-Grund­ver­ord­nung, ABl. Nr. L 119/1 vom 4.5.2016, S. 1) fol­gende Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. a) Han­delt es sich um eine wirk­same Ein­wil­li­gung i.S.d. Art. 5 Abs. 3 und des Art. 2f der Richt­li­nie 2002/58/EG i.V.m. Art. 2h der Richt­li­nie 95/46/EG, wenn die Spei­che­rung von In­for­ma­tio­nen oder der Zu­griff auf In­for­ma­tio­nen, die be­reits im End­gerät des Nut­zers ge­spei­chert sind, durch ein vor­ein­ge­stell­tes An­kreuzkästchen er­laubt wird, das der Nut­zer zur Ver­wei­ge­rung sei­ner Ein­wil­li­gung abwählen muss?

b) Macht es bei der An­wen­dung des Art. 5 Abs. 3 und des Art. 2f der Richt­li­nie 2002/58/EG i.V.m. mit Art. 2h der Richt­li­nie 95/46/EG einen Un­ter­schied, ob es sich bei den ge­spei­cher­ten oder ab­ge­ru­fe­nen In­for­ma­tio­nen um per­so­nen­be­zo­gene Da­ten han­delt?

c) Liegt un­ter den in Vor­la­ge­frage 1 a) ge­nann­ten Umständen eine wirk­same Ein­wil­li­gung i.S.d. Art. 6 Abs. 1a der Ver­ord­nung (EU) 2016/679 vor?

2. Wel­che In­for­ma­tio­nen hat der Diens­te­an­bie­ter im Rah­men der nach Art. 5 Abs. 3 der Richt­li­nie 2002/58/EG vor­zu­neh­men­den kla­ren und um­fas­sen­den In­for­ma­tion dem Nut­zer zu er­tei­len? Zählen hierzu auch die Funk­ti­ons­dauer der Coo­kies und die Frage, ob Dritte auf die Coo­kies Zu­griff er­hal­ten?

In der BGH-Recht­spre­chung ist es für die Wirk­sam­keit der Ein­wil­li­gung nach § 4a Abs. 1 BDSG bis­her nicht als er­for­der­lich an­ge­se­hen wor­den, dass der Be­trof­fene sie ge­son­dert (i.S. ei­nes "Opt-in") erklärt, in­dem er eine zusätz­li­che Un­ter­schrift leis­tet oder ein dafür vor­ge­se­he­nes Kästchen zur po­si­ti­ven Ab­gabe der Ein­wil­li­gungs­erklärung an­kreuzt. Des­halb sind Ge­stal­tun­gen als mit § 4a Abs. 1 BDSG ver­ein­bar an­ge­se­hen wor­den, in wel­chen das Ver­wei­gern der Ein­wil­li­gung durch An­kreu­zen ei­nes Kästchens oder Strei­chung des Ein­wil­li­gungs­texts zum Aus­druck ge­bracht wer­den muss.

Link­hin­weise:

  • Der Voll­text die­ser Ent­schei­dung wird demnächst auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
  • Für den Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.
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