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EuGH: Kartell-Geldbuße gegen italienische (Mutter-)Gesellschaft Eni SpA bestätigt

Urteil des EuGH vom 8.5.2013 - C-508/11 P

Hält eine Mut­ter­ge­sell­schaft (na­hezu) das ge­samte Ka­pi­tal ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaft, die ge­gen die Wett­be­werbs­re­geln der Union ver­stoßen hat, be­steht eine wi­der­leg­bare Ver­mu­tung, dass die Mut­ter­ge­sell­schaft tatsäch­lich einen be­stim­men­den Ein­fluss auf ihre Toch­ter­ge­sell­schaft ausübt. Hin­sicht­lich des Kar­tells auf den Märk­ten für syn­the­ti­sche Kau­tschuke hat der EuGH in die­sem Zu­sam­men­hang die vom EuG ge­gen die ita­lie­ni­sche Ge­sell­schaft Eni SpA verhängte Geldbuße i.H.v. 181,5 Mio. € bestätigt.

Der Sach­ver­halt:
Die Kom­mis­sion verhängte Geldbußen i.H.v. ins­ge­samt 519 Mio. € ge­gen 13 Un­ter­neh­men we­gen Be­tei­li­gung an einem zwi­schen 1996 und 2002 be­ste­hen­dem Kar­tell auf dem Markt für syn­the­ti­sche Kau­tschuke, die in der Rei­fen­pro­duk­tion oder etwa zur Her­stel­lung von Bo­den­belägen und Golfbällen ver­wen­det wer­den. Die Zu­wi­der­hand­lung be­stand in der Fest­le­gung von Preis­zie­len, der Auf­tei­lung von Kun­den durch Nicht­an­griffs­ver­ein­ba­run­gen und dem Aus­tausch sen­si­bler Ge­schäfts­in­for­ma­tio­nen über Preise, Wett­be­wer­ber und Kun­den.

Ins­bes. bei der ita­lie­ni­schen Ge­sell­schaft Eni SpA und de­ren 100-pro­zen­ti­ger Toch­ter­ge­sell­schaft Po­li­meri Eu­ropa SpA (später Ver­sa­lis SpA) erhöhte die Kom­mis­sion auf­grund ih­rer Be­tei­li­gung an zwei früheren Kar­tel­len den Grund­be­trag ih­rer Geldbuße we­gen Tat­wie­der­ho­lung um 50 Pro­zent auf ins­ge­samt 272,25 Mio. €. Die be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men klag­ten dar­auf­hin auf Nich­ti­gerklärung der Ent­schei­dung der Kom­mis­sion bzw. Her­ab­set­zung ih­rer je­wei­li­gen Geldbuße.

Das EuG erklärte die Ent­schei­dung für nich­tig, so­weit sie Uni­pe­trol, de­ren Toch­ter­ge­sell­schaft Kau­cuk und Trade-Sto­mil be­trifft. Zu Eni und de­ren Toch­ter­ge­sell­schaft Po­li­meri Eu­ropa stellte das EuG fest, dass die Ent­wick­lung der Struk­tur und der Kon­trolle der be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men be­son­ders kom­plex sei und dass die Kom­mis­sion nicht nach­ge­wie­sen habe, dass die­sel­ben Un­ter­neh­men er­neut eine Zu­wi­der­hand­lung be­gan­gen hätten. Es setzte da­her die ge­samt­schuld­ne­ri­sch verhängte Geldbuße auf 181,50 Mio. € herab.

Mit sei­nem hier­ge­gen ge­rich­te­ten Rechts­mit­tel macht Eni gel­tend, dass das EuG die Kom­mis­si­ons­ent­schei­dung in­so­weit hätte für nich­tig erklären müssen, als sie darin für die von der Syn­dial SpA (vor­mals Eni­Chem SpA, eine wei­tere Ge­sell­schaft des Eni-Kon­zerns) und/oder Ver­sa­lis be­gan­gene Zu­wi­der­hand­lung ver­ant­wort­lich ge­macht wor­den sei. Der EuGH wies das Rechts­mit­tel zurück.

Die Gründe:
Nach ständi­ger Recht­spre­chung kann im Rah­men der An­wen­dung der Wett­be­werbs­re­geln das Ver­hal­ten ei­ner Toch­ter­ge­sell­schaft ih­rer Mut­ter­ge­sell­schaft ins­bes. dann zu­ge­rech­net wer­den, wenn die Toch­ter­ge­sell­schaft trotz ei­ge­ner Rechts­persönlich­keit ihr Markt­ver­hal­ten nicht ei­genständig be­stimmt, son­dern im We­sent­li­chen Wei­sun­gen der Mut­ter­ge­sell­schaft be­folgt. In dem be­son­de­ren Fall, dass eine Mut­ter­ge­sell­schaft das ge­samte oder na­hezu das ge­samte Ka­pi­tal ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaft hält, die ge­gen die Wett­be­werbs­re­geln der Union ver­stoßen hat, be­steht eine wi­der­leg­bare Ver­mu­tung, dass die Mut­ter­ge­sell­schaft tatsäch­lich einen be­stim­men­den Ein­fluss auf ihre Toch­ter­ge­sell­schaft ausübt.

Vor­lie­gend hielt Eni über die ge­samte Dauer der Zu­wi­der­hand­lung un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar zu min­des­tens 99,97 % das Ka­pi­tal der Ge­sell­schaf­ten, die un­mit­tel­bar in den ent­spre­chen­den Ge­schäfts­be­rei­chen tätig wa­ren. Die Mut­ter­ge­sell­schaft und ihre Toch­ter­ge­sell­schaft bil­den ein ein­zi­ges Un­ter­neh­men; da­her konnte die Kom­mis­sion der Mut­ter­ge­sell­schaft Geldbußen auf­er­le­gen, ohne dass de­ren persönli­che Be­tei­li­gung an der Zu­wi­der­hand­lung nach­zu­wei­sen wäre. Diese Ver­mu­tung ei­nes tatsäch­lich be­stim­men­den Ein­flus­ses ist al­ler­dings nicht un­wi­der­leg­bar. Um sie zu wi­der­le­gen, hätte Eni aber nach­wei­sen müssen, dass Ver­sa­lis auf ope­ra­ti­ver und fi­nan­zi­el­ler Ebene völlig ei­genständig han­deln konnte; dies hat sie je­doch nicht ge­tan.

Auch das Vor­brin­gen von Eni, dass sie auf­grund der be­schränk­ten Haf­tung von Ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten und der ei­genständi­gen Rechts­persönlich­keit von Ge­sell­schaf­ten für die von ih­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten be­gan­gene Zu­wi­der­hand­lung nicht ver­ant­wort­lich sei, war zurück­zu­wei­sen. Wie nämlich der ständi­gen Recht­spre­chung zu ent­neh­men ist, stützt sich das Wett­be­werbs­recht der Union auf den Be­griff des Un­ter­neh­mens als wirt­schaft­li­che Ein­heit - selbst wenn diese aus meh­re­ren natürli­chen oder ju­ris­ti­schen Per­so­nen ge­bil­det wird -, die nach dem Grund­satz der persönli­chen Ver­ant­wort­lich­keit für Zu­wi­der­hand­lun­gen ge­gen die Wett­be­werbs­re­geln ein­zu­ste­hen hat.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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