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EuGH: Auch andere Autohersteller als Volkswagen dürfen Fahrzeuge mit dem Zusatz GTI bezeichnen

Urteil des EuGH vom 21.3.2012 T-63/09

Volks­wa­gen kann sich der Ein­tra­gung der von Su­zuki an­ge­mel­de­ten Ge­mein­schafts­marke "SWIFT GTi" nicht wi­der­set­zen. Der EuGH hat eine ent­spre­chende Ent­schei­dung des HABM bestätigt, wo­nach keine Ge­fahr von Ver­wechs­lun­gen zwi­schen die­ser Marke und den älte­ren Mar­ken "GTI" von Volks­wa­gen be­steht.

Der Sach­ver­halt:
Im Ok­to­ber 2003 mel­dete der ja­pa­ni­sche Au­to­her­stel­ler Su­zuki beim be­klag­ten Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt (HABM) das Wort­zei­chen "SWIFT GTi" als Ge­mein­schafts­marke für Kfz so­wie de­ren Teile und Zu­behör an. Die Kläge­rin ist die Volks­wa­gen AG, die In­ha­be­rin der deut­schen Wort­marke "GTI" und der in­ter­na­tio­na­len Marke "GTI" - u.a. mit Wir­kung in Schwe­den, den Be­ne­lux-Staa­ten, Frank­reich, Ita­lien und Öster­reich - für Kfz und de­ren Teile ist. Sie er­hob ge­gen die An­mel­dung von Su­zuki Wi­der­spruch mit der Begründung, dass Ver­wechs­lungs­ge­fahr be­stehe.

Das HABM wies den Wi­der­spruch zurück und ver­neinte eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr. Jede Ähn­lich­keit die­ser Mar­ken hin­sicht­lich der Buch­sta­ben­kom­bi­na­tion "GTI", die in­tui­tiv als Hin­weis auf be­stimmte tech­ni­sche Merk­male ei­nes Au­tos oder sei­nes Mo­tors wahr­ge­nom­men werde, werde nämlich durch den Mo­dell-Phan­ta­si­ena­men "SWIFT" im An­fangs­teil der an­ge­mel­de­ten Marke weit­ge­hend aus­ge­gli­chen oder so­gar völlig auf­ge­wo­gen.

Das EuG wies die ge­gen die Ent­schei­dung des HABM ge­rich­tete Klage ab. Ge­gen die Ent­schei­dung kann in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach ih­rer Zu­stel­lung ein auf Rechts­fra­gen be­schränk­tes Rechts­mit­tel beim EuGH ein­ge­legt wer­den.

Die Gründe:
Das HABM hat feh­ler­frei an­ge­nom­men, dass die Buch­sta­ben­kom­bi­na­tion "GTI" von Fach­leu­ten der Au­to­mo­bil­bran­che als be­schrei­bend wahr­ge­nom­men wird und für das all­ge­meine Pu­bli­kum nur äußerst ge­ringe ori­ginäre Un­ter­schei­dungs­kraft hat.

Die Ver­ord­nung über die Ge­mein­schafts­marke ermöglicht dem In­ha­ber ei­ner älte­ren Marke, der An­mel­dung ei­ner Marke zu wi­der­spre­chen, wenn we­gen de­ren Iden­tität oder Ähn­lich­keit mit der älte­ren Marke und der Iden­tität oder Ähn­lich­keit der durch die bei­den Mar­ken er­fass­ten Wa­ren für das Pu­bli­kum in dem Ge­biet, in dem die ältere Marke Schutz ge­nießt, die Ge­fahr von Ver­wechs­lun­gen be­steht. Nach ständi­ger Recht­spre­chung liegt eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr dann vor, wenn die Öff­ent­lich­keit glau­ben könnte, dass die be­tref­fen­den Wa­ren von dem­sel­ben Un­ter­neh­men oder ggf. wirt­schaft­lich mit­ein­an­der ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men stam­men.

Das HABM hat vor­lie­gend u.a. berück­sich­tigt, dass das Si­gel "GTI" von vie­len Au­to­her­stel­lern in ganz Eu­ropa (z.B. Ro­ver, Nis­san, Mi­tsu­bishi Peu­geot, Su­zuki und To­yota) um­fang­reich ge­nutzt wird, um die tech­ni­schen Merk­male ver­schie­de­ner Fahr­zeug­mo­delle an­zu­ge­ben, und dass es wei­tere Mar­ken mit dem Si­gel "GTI" gibt (wie z.B. Peu­geot GTI oder Ci­troën GTI). Zu­dem hat das HABM das Wort "SWIFT", das als Phan­ta­sie­be­griff auf­ge­fasst wird und am An­fang der an­ge­mel­de­ten Marke steht, zu Recht als de­ren un­ter­schei­dungskräfti­ge­res Ele­ment an­ge­se­hen.

Da­her ist das HABM zu Recht zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass jede bild­li­che, klang­li­che oder be­griffli­che Ähn­lich­keit der ein­an­der ge­genüber­ste­hen­den Mar­ken durch den Mo­dell­na­men "SWIFT" weit­ge­hend aus­ge­gli­chen oder so­gar völlig auf­ge­wo­gen wird. Ebenso hat das HABM zu Recht die An­sicht ver­tre­ten, dass ein Durch­schnitts­ver­brau­cher in Schwe­den, den Be­ne­lux-Staa­ten, Deutsch­land, Frank­reich, Ita­lien und Öster­reich nicht bloß we­gen der Kom­bi­na­tion der drei Buch­sta­ben "GTI", an­neh­men würde, dass alle Au­tos, ihre Teile oder ihr Zu­behör vom sel­ben Her­stel­ler stamm­ten, und dass so­mit eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr aus­ge­schlos­sen sei.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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