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EU-Bankenpaket veröffentlicht

Im No­vem­ber 2016 hatte die Eu­ropäische Kom­mis­sion in­folge der Auf­for­de­rung des Ra­tes für Wirt­schaft und Fi­nan­zen (EcoFin-Rat) einen Vor­schlag zur Ver­rin­ge­rung der Ri­si­ken im Fi­nanz­sek­tor vor­ge­legt (Ri­si­ko­re­du­zie­rungs­pa­ket, Ban­ken­pa­ket).

Hin­ter­grund die­ses Re­form­vor­schlags war, die aus der Fi­nanz­krise ge­zo­ge­nen Leh­ren in einem Re­gu­lie­rungs­rah­men für ein wi­der­standsfähi­ge­res und sta­bi­le­res Fi­nanz­sys­tem um­zu­set­zen.

Nach lan­gen Tri­log­ver­hand­lun­gen auf EU-Ebene hat der Rat der Eu­ropäischen Union am 14.5.2019 als letzte Ge­setz­ge­bungs­in­stanz das um­fas­sende Ban­ken­pa­ket an­ge­nom­men. Die­ses be­inhal­tet fol­gende we­sent­li­che Maßnah­men:

Abbildung 1: Wesentliche Inhalte des EU-Bankenpakets (finale Umsetzung von Basel lll) © Abbildung 1: Wesentliche Inhalte des EU-Bankenpakets (finale Umsetzung von "Basel lll")

Hinweis

Das Ban­ken­pa­ket enthält Ele­mente des Ba­sel III-Rah­men­werks, die im Jahr 2016 be­reits auf in­ter­na­tio­na­ler Ebene ver­ein­bart und fi­na­li­siert wa­ren. Ände­run­gen, die der Bas­ler Aus­schuss im De­zem­ber 2017 be­schlos­sen hatte (be­kannt auch als „Ba­sel IV“, siehe nach­fol­gende Ab­bil­dung 2), sind im EU-Ban­ken­pa­ket nicht ent­hal­ten.

Abbildung 2: Wesentliche Inhalte von Basel lV © Abbildung 2: Wesentliche Inhalte von "Basel lV"

Nach­fol­gend ge­hen wir auf die we­sent­li­chen Ände­run­gen der CRR II und CRD V ein:

Anwendungsbereich

Den The­men Pro­por­tio­na­lität und Verhält­nismäßig­keit der Re­gu­lie­rung wurde im Ban­ken­pa­ket verstärkt Rech­nung ge­tra­gen. Bspw. wurde die Liste von Ein­rich­tun­gen, die vom An­wen­dungs­be­reich der CRD V aus­ge­nom­men sind, um die Land­wirt­schaft­li­che Ren­ten­bank und die Förder­in­sti­tute der Länder er­wei­tert. Für sog. „kleine und nicht-kom­plexe In­sti­tute“ wur­den zu­dem di­verse Er­leich­te­run­gen ein­geführt:

Hinweis

Gemäß An­ga­ben der Deut­schen Bun­des­bank vom März 2019 fal­len in den An­wen­dungs­be­reich der klei­nen und nicht-kom­ple­xen In­sti­tute ca. 90 % der deut­schen In­sti­tute und 21 % der ag­gre­gier­ten Bi­lanz­sum­men auf kon­so­li­dier­ter Ebene.

Eigenmittelinstrumente und Konsolidierung

Bei der An­er­ken­nung von Ei­gen­mit­tel­in­stru­men­ten als har­tes Kern­ka­pi­tal (CET 1) hat die Auf­sicht zwei wich­tige Er­leich­te­run­gen ein­geführt, de­ren In­an­spruch­nahme un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen möglich ist. Zum einen dürfen künf­tig er­neute Emis­sio­nen von (iden­ti­schen) CET 1 - In­stru­men­ten be­reits vor der Bestäti­gung der Auf­sicht an­ge­rech­net wer­den. Zum an­de­ren ist für Bank­kon­zerne mit Er­geb­nis­abführungs­verträgen (EAV) die An­er­ken­nung der da­mit ver­bun­de­nen CET 1 - Ka­pi­tal­in­stru­mente trotz EAV möglich. Diese Re­ge­lun­gen gel­ten be­reits mit dem In­kraft­tre­ten der CRR II.

Künf­tig wer­den be­stimmte Soft­ware-Vermögens­werte von der bis­he­ri­gen Ka­pi­tal­ab­zugs­pflicht be­freit. Da­bei muss es sich um Po­si­tio­nen han­deln, die im In­sol­venz- oder Ab­wick­lungs­fall wert­hal­tig sind. Hierfür wird die Eu­ropäische Ban­ken­auf­sichts­behörde (EBA) mit der Er­ar­bei­tung ent­spre­chen­der tech­ni­scher Stan­dards be­auf­tragt. Diese Be­frei­ung gilt al­ler­dings erst 12 Mo­nate nach dem In­kraft­tre­ten der ge­nann­ten EBA-Stan­dards.

Gleich­zei­tig wur­den zusätz­li­che Ka­pi­tal­ab­zugs­pflich­ten ein­geführt und zwar der Ab­zug von Min­dest­zah­lungs­zu­sa­gen, die bspw. im Rah­men von Al­ters­vor­sor­ge­verträgen oder Ga­ran­tie­fonds ab­ge­ge­ben wer­den, und der Ab­zug des NPE-Back­stops (Min­dest­de­ckung not­lei­den­der Ri­si­ko­po­si­tio­nen).

Hinweis

Der Ab­zug des NPE-Back­stops ist zwar kein di­rek­ter Be­stand­teil der CRR II, wird al­ler­dings über eine CRR-Ände­rungs­ver­ord­nung (Ver­ord­nung (EU) 2019/630 vom 17.4.2019) und des neuen Art. 47c CRR ein­geführt (siehe auch no­vus Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen, 3. Aus­gabe 2018, S. 12 bis 13). Der Ka­pi­tal­ab­zug gilt da­bei nur für NPE, die nach dem 26.4.2019 begründet wer­den.

Abbildung 3: Wesentliche Erleichterungen für kleine und nicht-komplexe Institute © Abbildung 3: Wesentliche Erleichterungen für kleine und nicht-komplexe Institute

Mit der Einführung der CRR II wird der auf­sichts­recht­li­che Kon­so­li­die­rungs­kreis er­wei­tert. So reicht künf­tig ein An­bie­ter von Ne­ben­dienst­leis­tun­gen i. S. d. CRR als Toch­ter­un­ter­neh­men aus, um das Er­for­der­nis ei­ner Grup­pen­be­trach­tung zu erfüllen. Die Auf­sicht kann zu­dem für sons­tige Toch­ter­ge­sell­schaf­ten (wie Ope­ra­ting-Lease-Un­ter­neh­men), bei wel­chen z.B. erhöhte Un­terstützungs­ri­si­ken (sog. step-in-Ri­si­ken) vor­lie­gen, eine Voll- oder Quo­ten­kon­so­li­die­rung ein­for­dern. Auch die Kon­so­li­die­rungs­me­tho­dik wird deut­lich ver­schärft, in­dem zur Er­mitt­lung des Be­tei­li­gungs­buch­wer­tes eine ver­pflich­tende at-Equity-Kon­so­li­die­rung für auf­sichts­recht­lich nicht kon­so­li­dierte Ein­hei­ten ein­geführt wird. Die neuen Vor­schrif­ten zur auf­sicht­li­chen Kon­so­li­die­rung ent­fal­ten ihre Wir­kung 18 Mo­nate nach dem In­kraft­tre­ten der CRR II.

Verschuldungs- und Refinanzierungsquote

Mit dem Ban­ken­pa­ket wird eine ver­bind­lich ein­zu­hal­tende Ver­schul­dungs­quote (Le­ver­age Ra­tio, LR) von min­des­tens 3 % ein­geführt, die zusätz­lich zu den ri­si­ko­ba­sier­ten Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen zu erfüllen ist.

Die Ver­schul­dungs­quote setzt das auf­sichts­recht­li­che Kern­ka­pi­tal (Summe von har­tem und zusätz­li­chem Kern­ka­pi­tal, Tier 1) ins Verhält­nis zu ei­ner Ge­samt­ri­si­ko­po­si­ti­ons­messgröße und stellt eine von der Ri­si­ko­be­haf­tung der Ri­si­ko­po­si­tio­nen un­abhängige Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­rung als Letzt­si­che­rung für ri­si­ko­ge­wich­tete Ei­gen­ka­pi­tal­an­for­de­run­gen dar. Die Ge­samt­ri­si­ko­po­si­ti­ons­messgröße be­inhal­tet bi­lan­zi­elle und außer­bi­lan­zi­elle Ri­si­ko­po­si­tio­nen so­wie De­ri­vate und Wert­pa­pier­fi­nan­zie­rungs­ge­schäfte; all­ge­mein an­er­kannte Kre­dit­ri­si­kom­in­de­run­gen dürfen da­bei berück­sich­tigt wer­den.

Ei­nige we­nige Ri­si­ko­po­si­tio­nen (wie Durch­lei­tungs­kre­dite, öff­ent­li­che Förder­kre­dite, öff­ent­lich ga­ran­tierte Ex­port­kre­dite) dürfen nur un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Vo­lu­men der Ge­samt­ri­si­ko­messgröße aus­ge­schlos­sen wer­den. Beim Aus­schluss von For­de­run­gen ge­genüber Zen­tral­ban­ken ha­ben die In­sti­tute eine sog. ad­jus­tierte LR zu be­rech­nen.

Hinweis

Diese Vor­schrif­ten sind ab dem 28.6.2021an­zu­wen­den. In­sti­tute soll­ten die Zeit bis zur An­wen­dung nut­zen, um die Aus­wir­kung kri­ti­scher Ri­si­ko­po­si­tio­nen auf die LR zu un­ter­su­chen und ggf. er­for­der­li­che Maßnah­men zur tägli­chen Ein­hal­tung der LR ein­zuführen. Auch die Not­wen­dig­keit der In­an­spruch­nahme ver­meint­li­cher Er­leich­te­run­gen sollte kri­ti­sch hin­ter­fragt wer­den.

Mit der Einführung der struk­tu­rel­len Li­qui­ditätsquote (Net Stable Fun­ding Ra­tio, NSFR) soll künf­tig eine in­ner­halb ei­nes Be­trach­tungs­zeit­raums von einem Jahr sta­bile Re­fi­nan­zie­rungs­struk­tur si­cher­ge­stellt wer­den. Der Quo­ti­ent zur Be­rech­nung der NSFR be­steht aus der verfügba­ren sta­bi­len Re­fi­nan­zie­rung (Avail­able Stable Fun­ding - ASF, Pas­siva) so­wie der er­for­der­li­chen sta­bi­len Re­fi­nan­zie­rung (Re­qui­red Stable Fun­ding - RSF, Ak­tiva) und muss je­der­zeit min­des­tens 100 % be­tra­gen. Für die Er­mitt­lung der ASF und RSF wer­den ver­schie­dene Ge­wich­tungs­fak­to­ren je nach Verfügbar­keits­dauer der Pas­siva und Li­qui­ditäts­bin­dungs­dauer der Ak­tiva her­an­ge­zo­gen. Die Er­mitt­lungs­me­tho­dik die­ser Fak­to­ren ist mit der für die Be­rech­nung der Li­qui­ditätsde­ckungs­quote (LCR) ver­gleich­bar.

Hinweis

Die Fest­le­gung und Ka­li­brie­rung der Ge­wich­tungs­fak­to­ren, bspw. auf­grund vor­lie­gen­der Asym­me­trien bei den Repo-Ge­schäften, stellte ein zen­tra­les Dis­kus­si­ons­thema bei der Ge­stal­tung der NSFR dar. Die EBA wurde in die­sem Zu­sam­men­hang be­auf­tragt, di­verse Un­ter­su­chun­gen bzgl. Aus­wir­kung der Ge­wich­tungs­fak­to­ren durch­zuführen und ggf. Vor­schläge für de­ren künf­ti­gen An­pas­sung zu er­ar­bei­ten.

Die neuen An­for­de­run­gen sind eben­falls ab dem 28.6.20121 an­zu­wen­den. In die­ser Zeit wird die EBA die je­wei­li­gen In­halte des ex­ter­nen Re­por­tings über­ar­bei­ten, neue tech­ni­sche Stan­dards im­ple­men­tie­ren und da­bei Win­dow-Dres­sing-As­pekte adres­sie­ren.

Kreditrisiko

Die wich­tigste Ände­rung bzgl. des Kre­dit­ri­si­kos be­zieht sich auf die In­vest­ment­fonds­an­teile im An­la­ge­buch. Für die Er­mitt­lung de­ren ri­si­ko­ge­wich­te­ten Po­si­ti­ons­werts (RWA) ste­hen künf­tig der bis­he­rige Trans­pa­renz-An­satz (Look-Th­rough-Ap­proach, LTA) und der mo­di­fi­zierte Stan­dard­an­satz (nur für IRBA-In­sti­tute) so­wie zwei neue Ansätze - der Man­dats-ba­sierte (MBA) und der Fall­back-An­satz (FBA) - zur Verfügung.

Die RWA-Er­mitt­lung im Falle des LTA hat sich im Grunde ge­nom­men nur un­we­sent­lich verändert. Im Kre­dit­ri­si­ko­stan­dard­an­satz ist der MBA dann an­zu­wen­den, wenn die Da­ten­grund­lage für die LTA-An­wen­dung nicht aus­rei­chend ist. Die­ser kann je­doch zu deut­lich höheren RWA führen, da für die Er­mitt­lung nicht die Fonds­zu­sam­men­set­zung, son­dern die im Fonds­pro­spekt fest­ge­leg­ten An­la­ge­be­schränkun­gen aus­schlag­ge­bend sind. Können die An­for­de­run­gen an den LTA und den MBA bzw. des mo­di­fi­zier­ten Stan­dard­an­sat­zes nicht erfüllt wer­den, kommt der sog. Fall­back-An­satz zur An­wen­dung, bei wel­chem stets ein Ri­si­ko­ge­wicht von 1.250 % an­zu­wen­den ist.

Die Rang­ord­nung für die An­wen­dung der Ansätze wird durch die Gra­nu­la­rität der Da­ten­lage be­stimmt - je gra­nu­la­rer die Da­ten, desto we­ni­ger kon­ser­va­tiv ist der An­satz - und gilt nur für In­vest­ment­fonds, die bzw. de­ren Ver­wal­tungs­ge­sell­schaft der Richt­li­nie zur Ko­or­di­nie­rung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten be­tref­fend be­stimmte Or­ga­nis­men für ge­mein­same An­la­gen in Wert­pa­pie­ren (OGAW) oder der Richt­li­nie über die Ver­wal­ter al­ter­na­ti­ver In­vest­ment­fonds (AIFM) un­ter­lie­gen. Für alle an­de­ren Fonds gilt nur der FBA.

Hinweis

Mit dem Weg­fall der bis­he­ri­gen Rück­fallmöglich­kei­ten (ex­ter­nes Ra­ting bzw. pau­scha­les Ri­si­ko­ge­wicht von 100 %) und der Einführung des FBA be­tont die Auf­sicht die Be­deu­tung gra­nu­la­rer Da­ten und de­ren Ein­bin­dung in die bank­in­ter­nen Pro­zesse und Sys­teme. Ein Rück­griff auf Be­rech­nun­gen Drit­ter lässt die Auf­sicht nach wie vor zu, al­ler­dings nur, wenn eine ex­terne Prüfer­bestäti­gung für de­ren Rich­tig­keit vor­liegt und nach Berück­sich­ti­gung ei­nes all­ge­mei­nen Zu­schlags­fak­tors von 1,2 auf die er­mit­telte RWA.

Po­si­tiv wir­ken sich die Ände­run­gen der RWA-Er­mitt­lung von Fi­nan­zie­run­gen klein- und mit­telständi­scher Un­ter­neh­men (KMU) und von In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen aus. Der KMU-Fak­tor ist künf­tig zwei­stu­fig ge­stal­tet - der Schwel­len­wert für den bis­he­ri­gen Fak­tor von 0,7619 wurde auf 2,5 Mio. Euro an­ge­ho­ben und der darüber­hin­aus­ge­hende Be­trag wird künf­tig mit einem Fak­tor von 0,85 berück­sich­tigt. Der In­fra­struk­tur­fak­tor-Un­terstützungs­fak­tor sich künf­tig auf 0,75.

Großkreditvorschriften

Bei den Großkre­dit­vor­schrif­ten las­sen sich die we­sent­li­chen Ände­run­gen wie folgt zu­sam­men­fas­sen:

  • Ka­pi­tal­messgröße - Grund­lage für die Be­rech­nung der Großkre­dit­gren­zen stellt künf­tig nur das Tier 1 - Ka­pi­tal dar.
  • Wie­der­ein­hal­tungs- bzw. Rückführungs­plan - die­ser ist künf­tig bei evtl. Über­schrei­tung der Großkre­di­to­ber­grenze vom je­wei­li­gen In­sti­tut vor­zu­le­gen und des­sen Ein­hal­ten von der Auf­sicht zu über­wa­chen. Zur Kon­kre­ti­sie­rung von Be­grif­fen, Zeit­rah­men und Maßnah­men wer­den noch ent­spre­chende EBA-Leit­li­nien ent­wi­ckelt.
  • Kre­dit­ri­si­kom­in­de­rungs­tech­ni­ken (KRMT) - die im Rah­men der RWA-Er­mitt­lung ge­nutz­ten KRMT sind künf­tig für die Großkre­dit­vor­schrif­ten aus­schlag­ge­bend. Zu­dem ist künf­tig grds. der Sub­sti­tu­ti­ons­ef­fekt der her­ein­ge­nom­me­nen Si­cher­hei­ten und Ga­ran­tien zu berück­sich­ti­gen.
  • Gruppe ver­bun­de­ner Kun­den - es wurde eine Aus­nahme bzgl. zen­tra­len Kon­tra­hen­ten ein­gefügt und die Er­ar­bei­tung wei­te­rer EBA-Stan­dards an­gekündigt.

Hinweis

Die oben be­schrie­be­nen Ände­run­gen führen ge­ne­rell zur Ver­rin­ge­rung der Großkre­dit­gren­zen, de­ren Aus­wir­kun­gen recht­zei­tig in der stra­te­gi­schen und ope­ra­ti­ven Pla­nung des In­sti­tuts Berück­sich­ti­gung fin­den sol­len.

Kontrahentenrisiken

In­sti­tute mit De­ri­va­te­vo­lu­men (bi­lan­zi­ell und außer­bi­lan­zi­ell) von max. 100 Mio. Euro und 5 % der Ge­samt­ak­tiva ha­ben künf­tig eine mo­di­fi­zierte Ur­sprungs­ri­si­ko­me­thode an­zu­wen­den, die z. T. mit der ak­tu­el­len Markt­be­wer­tungs­me­thode ver­gleich­bar ist. Alle an­de­ren In­sti­tute ha­ben in Abhängig­keit des De­ri­vate­buch­vo­lu­mens den neuen Stan­dard­an­satz bzw. einen sog. mo­di­fi­zier­ten Stan­dard­an­satz an­zu­wen­den. Beide sind weit­aus kom­ple­xer als die der­zeit ak­tu­elle Stan­dard­me­thode.

Die An­wen­dung der auf­sicht­lich ge­neh­mig­ten In­ter­nen Mo­delle-Me­thode (IMM) ist je­doch wei­ter­hin zulässig.

Hinweis

Die An­wen­dung der IMM ist im Großkre­dit­be­reich je­doch ein­ge­schränkt wor­den: sie ist künf­tig nur für Wert­pa­pier­pen­si­ons-, je­doch nicht für De­ri­va­te­ge­schäfte er­laubt.

Marktpreisrisiko

Zur Be­rech­nung des Markt­preis­ri­si­kos wer­den künf­tig gemäß dem Pro­por­tio­na­litätsprin­zip (siehe Ab­bil­dung 3) drei Al­ter­na­ti­ven zu­ge­las­sen:

  • In­sti­tute mit klei­nem Han­dels­buch - An­wen­dung der Re­geln für das An­la­ge­buch
  • In­sti­tute mit mit­tel­großem Han­dels­buch - An­wen­dung des bis­he­ri­gen Stan­dard­an­sat­zes
  • Übrige In­sti­tute - An­wen­dung des neuen sen­si­ti­vitäts­ba­sier­ten Stan­dard­an­sat­zes, für den eine vor­ge­zo­gene nach­richt­li­che Mel­de­pflicht frühes­tens ab Ende 2020 be­steht und des­sen Be­rech­nungs­de­tails über eine de­le­gierte Ver­ord­nung noch zu spe­zi­fi­zie­ren sind.

Hinweis

Der neue Stan­dard­an­satz zur Ei­gen­mit­tel­un­ter­le­gung von Markt­preis­ri­si­ken gilt erst vier Jahre nach In­kraft­tre­ten der CRR II. Gemäß den An­ga­ben der Deut­schen Bun­des­bank vom März 2019 sind da­von we­ni­ger als 2 % der deut­schen In­sti­tute be­trof­fen.

Meldewesen- und Offenlegungsvorschriften

Das Pro­por­tio­na­litätsprin­zip wurde auch in den neuen Mel­de­we­sen- und Of­fen­le­gungs­vor­schrif­ten stärker eta­bliert. Ne­ben di­ver­sen Er­leich­te­run­gen in der CRR II für kleine und nicht kom­plexe In­sti­tute (siehe Ab­bil­dung) sol­len künf­tig Größe, Kom­ple­xität und Ge­schäfts­ri­siko des je­wei­li­gen In­sti­tuts stärker in den noch zu über­ar­bei­ten­den Mel­de­we­sen-Stan­dards (Durchführungs­ver­ord­nung (EU) 680/2014) Berück­sich­ti­gung fin­den. Zu­dem soll der vor­han­dene Dop­pel­mel­de­auf­wand durch Ver­bes­se­rung des Da­ten­aus­tauschs un­ter den Auf­sichts­behörden re­du­ziert wer­den.

Um­fang und Fre­quenz der Of­fen­le­gungs­vor­schrif­ten rich­ten sich künf­tig da­nach, ob es sich um ein großes (Bi­lanz­summe > 30 Mrd. Euro), sog. „klei­nes und nicht-kom­ple­xes In­sti­tut“ oder ein an­de­res In­sti­tut han­delt. Maßgeb­lich ist zu­dem die Ka­pi­tal­markt­ori­en­tie­rung des In­sti­tuts. Gleich­zei­tig sol­len zur Ver­ein­heit­li­chung und Stei­ge­rung der Über­sicht­lich­keit der Of­fen­le­gung sog. „Key Me­trics“-Ta­bel­len ein­geführt wer­den, wel­che die wich­tigs­ten auf­sicht­li­chen Kenn­zah­len zu Ei­gen­mit­teln, Ver­schul­dungs­quote, LCR und NSFR ver­pflich­tend of­fen­le­gen.

Fazit

Das Ban­ken­pa­ket wurde am 7.6.2019 im EU-Amts­blatt veröff­ent­licht (Abl. L 150) und trat am 27.6.2019 in Kraft. Die CRR II gilt als EU-Ver­ord­nung un­mit­tel­bar in al­len EU-Mit­glieds­staa­ten. Die CRD V hin­gen be­darf als EU-Richt­li­nie eine Um­set­zung in deut­sches Recht, u. a. durch Ände­rung des KWG. Ge­ne­relle Um­set­zungs­fris­ten von 18 (für die CRD V) bzw. 24 Mo­na­ten (für die CRR II) so­wie wei­tere Überg­angs­re­ge­lun­gen ge­ben den be­trof­fe­nen In­sti­tu­ten die drin­gend not­wen­dige Zeit zur Durchführung von Er­st­ana­ly­sen, Er­ar­bei­tung von Fach­kon­zep­ten und Pla­nung der er­for­der­li­chen Um­set­zungsmaßnah­men.

Hinweis

In der Überg­angs­zeit wird die Veröff­ent­li­chung di­ver­ser Stan­dards und Leit­li­nien zur Kon­kre­ti­sie­rung ein­zel­ner Ba­sel III-Vor­ga­ben durch die EBA er­war­tet (ca. 70 EBA-Man­date), die von In­sti­tu­ten und Auf­sichts­behörden vor­aus­sicht­lich sehr kurz­fris­tig um­zu­set­zen wären.

Ausblick

Im Mai 2018 hatte die Eu­ropäische Kom­mis­sion die EBA im Rah­men ei­nes „Calls for ad­vice“ ge­be­ten, eine de­tail­lierte Ana­lyse zu den Aus­wir­kun­gen der Um­set­zung von „Ba­sel IV“ zu er­stel­len. Die EBA stellte ihre wich­tigs­ten quan­ti­ta­ti­ven Er­kennt­nisse und Um­set­zungs­vor­schläge am 2.7.2019 im Rah­men ei­ner öff­ent­li­chen Anhörung vor. Mit einem Le­gis­la­tiv­vor­schlag der Eu­ropäischen Kom­mis­sion wird nicht vor Ende 2019 ge­rech­net (siehe Ab­bil­dung 2).

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