de en
Nexia Ebner Stolz

Wirtschaftsprüfung

ESEF: EU-weit einheitliches elektronisches Format zur Finanzberichterstattung

Mit dem Anspruch, die Berichterstattung zu vereinfachen, die Transparenz zu erhöhen und die Zugänglichkeit und Analyse von Jahresfinanzberichten zu erleichtern, hat die EU-Kommission bereits Ende letzten Jahres eine delegierte Verordnung für ein einheitliches elektronisches Berichtsformat verabschiedet.

Mit der für 2019 geplan­ten Ver­öf­f­ent­li­chung im EU-Amts­blatt wirkt diese Ver­ord­nung unmit­tel­bar; sie muss nicht noch in natio­na­les Recht umge­setzt wer­den. Betrof­fen sind Jah­res­fi­nanz­be­richte von Unter­neh­men, die Wert­pa­piere inn­er­halb der EU emit­tiert haben. Sie müs­sen ab Anfang 2020 ihre Finanz­da­ten in einem neuen ein­heit­li­chen Berichts­for­mat ver­öf­f­ent­li­chen: dem soge­nann­ten Euro­pean Single Elec­tro­nic For­mat (ESEF).

ESEF: EU-weit einheitliches elektronisches Format zur Finanzberichterstattung © iStock

Ana­lys­ten, Ban­ken und Ratin­ga­gen­tu­ren kön­nen mit dem EU-ein­heit­li­chen Berichts­for­mat künf­tig eine Viel­zahl von Kon­zern­ab­schlüs­sen unter­schied­li­cher Emit­ten­ten ver­ar­bei­ten, ohne die Daten vor­her auf­wen­dig manu­ell auf­be­rei­ten zu müs­sen. Auch müs­sen sie noch nicht ein­mal die Spra­che beherr­schen, in der der Finanz­be­richt ers­tellt wurde.

XHTML-Pflicht für Jah­res­fi­nanz­be­richte

ESEF ist erst­mals auf Finanz­be­richte anzu­wen­den, deren Geschäfts­jahr nach dem 31.12.2019 beginnt. Ab die­sem Zeit­punkt müs­sen alle Jah­res­fi­nanz­be­richte - also Jah­res- wie auch Kon­zern­ab­schlüsse deut­scher am Kapi­tal­markt notier­ter Unter­neh­men - im Exten­si­ble Hyper­text Markup Lan­guage (XHTML) For­mat ver­öf­f­ent­licht wer­den.

XBRL-Eti­ket­tie­rungspf­licht für IFRS-Kon­zern­ab­schlüsse

Zusätz­lich müs­sen die betrof­fe­nen Unter­neh­men in den IFRS-Kon­zern­ab­schlüs­sen die Infor­ma­tio­nen aus Bilanz, Gesam­t­er­geb­nis­rech­nung, Eigen­ka­pi­tal­ve­r­än­de­rungs­rech­nung und Kapi­tal­fluss­rech­nung mit­tels des Inline-XBRL (Exten­si­ble Busi­ness Repor­ting Lan­guage) -Stan­dards direkt in der XHTML-Datei eti­ket­tie­ren. Auch einige wenige Anhan­gan­g­a­ben sol­len bereits ab 2020 ent­sp­re­chend zu eti­ket­tie­ren sein. Durch die­ses sog. „tag­ging“ wer­den die betref­fen­den Daten maschi­nell aus­les­bar und damit leich­ter zugäng­lich.

Für nach dem 1.1.2022 begin­nende Geschäfts­jahre beste­hen noch wei­ter­ge­hende Eti­ket­tie­rungspf­lich­ten für die in der inter­na­tio­na­len Rech­nungs­le­gung regel­mä­ßig äußerst umfang­rei­chen Notes, d. h. den Anhan­gan­g­a­ben. Dann ist zusätz­lich im Anhang der Text­b­lock mit Stan­dar­de­ti­ket­ten zu mar­kie­ren, in dem die betref­fende Angabe ent­hal­ten ist. Grund­sätz­lich soll die Eti­ket­tie­rung der Anhan­gan­g­a­ben aber weni­ger umfang­reich aus­fal­len als bei­spiels­weise in den USA. Dort ist jede Betrag­s­an­gabe mit einem eige­nen XBRL-Eti­kett zu ver­se­hen. Dem­ge­gen­über sol­len im Berichts­for­mat ESEF ganze Text­blö­cke mit nur einem XBRL-Eti­kett „getaggt“ wer­den kön­nen („block-tag­ging“).

Die Eti­ket­ten­samm­lung (ESEF-Basi­s­ta­xo­no­mie) ori­en­tiert sich an der von der IFRS Foun­da­tion ver­öf­f­ent­lich­ten IFRS-Taxo­no­mie mit ihren über 4.500 Ele­men­ten.

Aus­wir­kun­gen auf die Unter­neh­men

Ins­ge­s­amt wird die Finanz­be­rich­t­er­stat­tung für kapi­tal­markt­no­tierte Unter­neh­men durch das „tag­ging“ (noch) kom­ple­xer, auch wenn das offene XHTML-For­mat für alle Markt­teil­neh­mer leicht zugäng­lich und ein­setz­bar ist und es Unter­neh­men ermög­licht, ihre Jah­res­fi­nanz­be­richte nach eige­nen Vor­stel­lun­gen zu for­ma­tie­ren. Da die Pub­li­zi­tät wei­ter­hin über den elek­tro­ni­schen Bun­de­s­an­zei­ger erfol­gen soll, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­ser nur noch das XHTML-For­mat akzep­tie­ren wird.

Die nach natio­na­len Rech­nungs­le­gungsnor­men ers­tell­ten Ein­zel­ab­schlüsse, wie bei­spiel­weise die HGB-Jah­res­ab­schlüsse, wer­den nicht von der Eti­ket­tie­rungspf­licht erfasst. Wert­pa­pie­re­mit­ten­ten steht es aber frei, auch ihre HGB-Ein­zel­ab­schlüsse mit XBRL-Labels zu ver­se­hen, wenn sie dafür eine geeig­nete Taxo­no­mie zur Ver­fü­gung haben.

Für die Kapi­tal­markt­kom­mu­ni­ka­tion bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men brin­gen die neuen Vor­ga­ben zum digi­ta­len Berichts­for­mat einen erheb­li­chen Umset­zungs­auf­wand mit sich. Denn die nach IFRS kon­so­li­dier­ten Abschlüsse müs­sen für das XBRL-Tag­ging mit neuen tech­ni­schen Schnitt­s­tel­len ver­se­hen wer­den. Neben der Bestands­auf­nahme und Ana­lyse der bis­lang genutz­ten Sys­teme sowie vor­han­de­ner Daten­qu­el­len müs­sen Unter­neh­men eine neue Repor­ting-Stra­te­gie ent­wi­ckeln und eine XBRL-kom­pa­ti­ble Soft­wa­re­lö­sung imp­le­men­tie­ren. Bei der Ein­füh­rung bzw. dem Custo­mi­zing der Soft­wa­re­lö­sung sind im Vor­feld manu­elle Anpas­sun­gen von Berichts­po­si­tio­nen oder Aus­weis­än­de­run­gen im Kon­so­li­die­rungs­sys­tem nötig, damit die Eti­ket­tie­rung nach der IFRS-Taxo­no­mie funk­tio­niert. Auch die Imp­le­men­tie­rung der Eti­kette für die Anhan­gan­g­a­ben erfor­dert umfang­rei­che Ana­ly­sen, für die aus­rei­chend zeit­li­cher Vor­lauf ein­ge­plant wer­den sollte. Betrof­fene bör­sen­no­tierte Unter­neh­men müs­sen daher sch­nell han­deln, um ihre Berich­t­er­stat­tung für das neue Digi­tal­for­mat fit zu machen.

Auch eine Prü­fungspf­licht im Hin­blick auf die Ein­hal­tung der tech­ni­schen Vor­ga­ben und der rich­ti­gen Adap­tion der Taxo­no­mie auf den IFRS-Kon­zern­ab­schluss ist kei­nes­wegs aus­zu­sch­lie­ßen. Die Ein­rich­tung des Digi­tal­for­mats sollte daher unbe­dingt in enger Abstim­mung mit dem Abschluss­prü­fer in Angriff genom­men wer­den.

nach oben