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Einheitswerts bei mit sog. Staubdecken versehendem Flachdachgebäude

FG Hamburg 3.7.2018, 3 K 236/17

Der um­baute Raum zwi­schen ei­ner zum Zwecke des Sicht­schut­zes un­ter­halb des Da­ches ei­nes Flach­dach­gebäudes ein­ge­zo­ge­nen ab­gehäng­ten De­cke und dem Flach­dach ist nicht als "nicht aus­ge­bau­ter Dach­raum" i.S.d. Ab­schn. 37 Abs. 1 S. 3 Be­wRGr bzw. der DIN 277 (Stand No­vem­ber 1950) an­zu­se­hen. Er ist des­halb bei der Er­mitt­lung des Gebäude­wer­tes im Rah­men der Ein­heits­wert­fest­stel­lung voll und nicht le­dig­lich mit einem Drit­tel zu berück­sich­ti­gen.

Der Sach­ver­halt:

Im Streit stand ein im Jahr 2016 er­rich­te­tes La­den­gebäude zum Be­trieb ei­nes Su­per­mark­tes. Da­bei han­delte es sich um einen Flach­dach­bau mit Erd- und Ober­ge­schoss, das sich nur auf eine Teilfläche des Erd­ge­schos­ses er­streckte. Im ge­sam­ten Gebäude wa­ren un­ter­halb des Flach­dachs bzw. der Erd­ge­schoss­de­cke zum Zweck des Sicht­schut­zes ab­gehängte De­cken (sog. Staub­de­cken) ein­ge­zo­gen.

Die Kläge­rin be­gehrte im Rah­men der Ein­heits­wert­fest­stel­lung, den Raum zwi­schen den ab­gehäng­ten De­cken und den Flach­dach­de­cken nur mit einem Drit­tel des Raum­vo­lu­mens als "nicht aus­ge­bau­ter Dach­raum" i.S.d. Ab­schn. 37 Abs. 1 S. 3 Be­wRGr bzw. der DIN 277 (Stand No­vem­ber 1950) an­zu­se­hen. Das Fi­nanz­amt war der An­sicht, dass die Drit­tel-Be­rech­nung für nicht aus­ge­bau­ten Dach­raum nicht an­zu­wen­den sei, da es sich um ein Flach­dach­gebäude han­dele.

In ih­rer Klage ver­wies die Kläge­rin dar­auf, dass sich ein Flach­dach hin­sicht­lich der Kon­struk­tion und Funk­tion der Ab­hang­de­cke nicht von einem Pult­dach un­ter­scheide und in­so­weit nach der BFH-Recht­spre­chung und nach Ab­schn. 37 Abs. 1 S. 4 Be­wRGr nur ein Drit­tel der Ku­ba­tur ober­halb der Ab­hang­de­cke an­zu­set­zen sei. Diese Re­ge­lung ergänze die Vor­ga­ben der DIN 277 (Aus­gabe von No­vem­ber 1950; im Fol­gen­den: DIN 277), die sich nicht auf eine be­stimmte Dach­form bezögen. Das FG wies die Klage ab. Al­ler­dings wurde we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che die Re­vi­sion zu­ge­las­sen. Das Ver­fah­ren ist beim BFH un­ter dem Az.: II R 27/18 anhängig.

Die Gründe:

Das Fi­nanz­amt hat den um­bau­ten Raum ober­halb der ein­ge­zo­ge­nen Sicht­schutz­de­cke bei der Fest­stel­lung des Ein­heits­wer­tes zu Recht voll und nicht le­dig­lich zu einem Drit­tel in die Be­rech­nung des Gebäude­wer­tes ein­be­zo­gen.

Ein Flach­dach­gebäude fällt nicht un­ter die begüns­ti­gende Drit­tel-Re­ge­lung. Der um­baute Raum zwi­schen der ein­ge­zo­ge­nen De­cke und dem Flach­dach stellt kein aus­ge­bau­tes Dach­ge­schoss i.S.d. Be­wer­tungs­richt­li­nie dar. Nichts an­de­res er­gibt sich aus der DIN 277.

Auch aus § 85 BewG i.V.m. Ab­schn. 37 Be­wRGr kann die Ein­be­zie­hung von Flach­bau­ten in die Drit­tel­re­ge­lung nicht her­ge­lei­tet wer­den. Die ge­rin­gere Be­wer­tung nicht aus­ge­bau­ter Dach­ge­schosse ist nämlich we­gen der ver­min­der­ten Nutz­bar­keit ge­recht­fer­tigt. Dem­ge­genüber min­dert die Ein­zie­hung ei­ner ab­gehäng­ten De­cke nicht den Wert und die Nutz­bar­keit ei­nes Voll­ge­schos­ses und schafft auch kein se­pa­rat zu be­wer­ten­des Dach­ge­schoss.

Weil die Frage, in wel­chem Um­fang der Raumin­halt von Flach­dach­bau­ten ober­halb auf­gehäng­ter De­cken in die Gebäude­wert­er­mitt­lung ein­be­zo­gen wird, un­geklärt ist und er­heb­li­che prak­ti­sche Be­deu­tung hat, wurde die Re­vi­sion zu­ge­las­sen.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Ur­teils ist erhält­lich auf dem Jus­tiz­por­tal Ham­burg.
  • Um di­rekt zu dem Voll­text zu kom­men, kli­cken Sie bitte hier (pdf).
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