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#Donald Trump: Lohnt sich für den Mittelstand ein Standbein in den USA?

Interview mit Sven Gerzer, Vizepräsident der Chamber of Commerce in Charlotte, USA

Für deut­sche Un­ter­neh­men und ins­be­son­dere auch den deut­schen Mit­tel­stand sind die USA ei­ner der wich­tigs­ten Märkte. Dies spie­gelt sich in zahl­rei­chen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, Nie­der­las­sun­gen oder Ver­tre­tun­gen wie­der. Da­bei hat sich die Me­tro­pol­re­gion Char­lotte als Ma­gnet für mit­telständi­sche Un­ter­neh­men aus Deutsch­land ent­wi­ckelt. Be­reits rund 300 Un­ter­neh­men aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum ha­ben sich dort an­ge­sie­delt. Dem trägt auch die Cham­ber of Com­merce in Char­lotte Rech­nung.

Sven Ger­zer, Vi­zepräsi­dent der Kam­mer, ist dort Haupt­an­sprech­part­ner für deut­sche und eu­ropäische Un­ter­neh­men. Sein Haupt­fo­kus: Die Un­terstützung deut­scher Un­ter­neh­men beim Auf­bau ih­res US-Stand­orts. Wir fra­gen Herrn Ger­zer, wie sich die Rah­men­be­din­gun­gen und das Klima seit der Präsi­dent­schafts­wahl im No­vem­ber 2016 vor Ort in Char­lotte verändert ha­ben.

#Donald Trump: Lohnt sich für den Mittelstand ein Standbein in den USA?© Sven Gerzer, Vizepräsident der Chamber of Commerce in Charlotte, USA

Herr Ger­zer, die Char­lotte Cham­ber of Com­merce hilft deut­schen Un­ter­neh­men bei der An­sied­lung in den USA, kon­kret in der Me­tro­pol­re­gion Char­lotte. Wie können Sie un­terstützen?

Wir hel­fen bei al­len As­pek­ten der An­sie­de­lung und Wachs­tum in Char­lotte. Im ers­ten Schritt stel­len wir alle Da­ten zum Stand­ort Char­lotte zur Verfügung: Von Da­ten und Sta­tis­ti­ken zu Steu­ern, Kos­ten, Mit­ar­bei­ter­qua­li­fi­ka­tio­nen und Lohn­kos­ten über In­for­ma­tio­nen zu Ge­wer­beflächen bis hin zu Ver­zeich­nis­sen ver­schie­de­ner In­dus­trien ha­ben wir alle In­for­ma­tio­nen, die für eine Stand­ort­ana­lyse benötigt wer­den.  Im zwei­ten Schritt or­ga­ni­sie­ren wir einen Be­such vor Ort mit Ter­mi­nen bei Dienst­leis­tern, an­de­ren ansässi­gen deut­schen Fir­men, Ge­wer­beflächen und in­di­vi­du­el­len Wohnmöglich­kei­ten. Der dritte Schritt um­fasst dann einen Ser­vice zur An­sie­de­lung und Un­terstützung zum Wachs­tum mit Ein­bin­dung in vor­han­dene Netz­werke. Ver­trau­lich und kos­ten­los.

Wel­ches sind die ty­pi­schen The­men, die auf deut­sche In­ves­to­ren in den USA zu­kom­men?

Die ers­ten Fra­gen sind in der Re­gel, wie man in den USA in­ves­tiert und wie hoch sich die Kos­ten be­lau­fen. Als zweite Prio­rität kom­men dann The­men wie Pro­dukt­haf­tung, Vi­sa­fra­gen, Steu­ern, Lo­gis­tik und Mit­ar­bei­ter­ent­sen­dung. Da es aber in Char­lotte, so­wie in den rest­li­chen USA, ein sehr gu­tes Sup­port­net­work gibt, sind diese The­men re­la­tiv schnell ab­ge­ar­bei­tet und In­ves­to­ren können sich ih­rer Haupt­auf­gabe, der Kun­den­ak­qui­rie­rung, wid­men.

„Ame­rica first“, Wirt­schafts­pro­tek­tio­nis­mus, Grenz­kon­trol­len und Steu­er­re­form - um nur ein paar der ak­tu­el­len po­li­ti­schen The­men in den USA zu nen­nen. Wie wir­ken sich diese aus Ih­rer Sicht auf das In­ves­ti­ti­ons­klima in Char­lotte aus? Ist seit­her die An­zahl der Neu­an­sied­lun­gen zurück­ge­gan­gen oder eher an­ge­stie­gen?

So­weit hat sich die neue US Re­gie­rung noch nicht auf die deut­sche Ge­mein­schaft so­wie Neu­an­sie­de­lun­gen aus­ge­wirkt. Viele der The­men, die US-Präsi­dent Trump an­ge­spro­chen hat, sind ent­we­der durch die Ge­richte oder den US-Kon­gress ge­stoppt wor­den - oder Präsi­dent Trump hat zwi­schen­zeit­lich seine Mei­nung geändert. Bei­spiele hierzu sind: die Ge­sund­heits­re­form – ge­stoppt vom Kon­greß und Neu­ver­hand­lun­gen;  das Vi­sums­ver­bot für sie­ben mus­li­mi­sche Länder – von den Ge­rich­ten ge­stoppt; die Mauer an der Grenze zu Me­xico – vom Kon­gress kein Bud­get er­hal­ten; die Auflösung von NAFTA – auf Neu­ver­hand­lung von Präsi­dent Trump ab­ge­mil­dert; die Auflösung von NATO – 180-Grad-Wende von Präsi­dent Trump. Hierzu gibt es noch viele Bei­spiele. Bis­her ist aber al­les nur Rhe­to­rik und hat keine großen Aus­wir­kun­gen auf deut­sche Fir­men in den USA. Eine Steu­er­re­form wird kom­men, al­ler­dings wird diese wohl nicht so groß aus­fal­len, wie von den Me­dien be­rich­tet. Diese ist al­ler­dings po­si­tiv für deut­sches In­vest­ment in den USA, da die Steu­er­last sin­ken wird.

In wel­chen Be­rei­chen ste­hen ausländi­sche und insb. deut­sche Un­ter­neh­men vor größeren Her­aus­for­de­run­gen als bis­her?

Die größte Her­aus­for­de­rung wird die größere Un­vor­her­seh­bar­keit sein. Wie wird sich die Po­li­tik in der Zu­kunft auf Un­ter­neh­men aus­wir­ken und was wird noch al­les kom­men, sind die großen Fra­gen, die mo­men­tan nie­mand be­ant­wor­ten kann.

Wie können sich Un­ter­neh­men hier­auf ein­stel­len?

Pla­nung und seine Haus­auf­ga­ben er­le­di­gen sind hier das A und O. Wenn man gut vor­be­rei­tet ist, alle nöti­gen In­for­ma­tio­nen ge­sam­melt hat und ein gu­tes Team aus Dienst­leis­tern zu­sam­men­ge­stellt hat, sollte man ei­gent­lich be­reit sein, die zusätz­li­chen Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern.

An­ge­sichts die­ser eher un­ru­hi­gen Zei­ten, was ra­ten Sie deut­schen Un­ter­neh­men? Jetzt in­ves­tie­ren oder eher ab­war­ten?

Der ame­ri­ka­ni­sche Markt war, ist und wird auch künf­tig ein sehr großer Markt für deut­sche Un­ter­neh­men blei­ben. Das ame­ri­ka­ni­sche Sys­tem der Ge­wal­ten­tei­lung funk­tio­niert und Me­di­en­be­rich­ten sollte nicht zu viel Auf­merk­sam­keit ge­schenkt wer­den. Es ist zwar wich­tig, in­for­miert zu blei­ben, aber der Me­di­en­hype sollte keine Aus­wir­kun­gen auf ge­schäft­li­che In­ter­es­sen ha­ben. Wer in den USA in­ves­tiert, in­ves­tiert dort, weil der Markt, bzw. der po­ten­ti­elle Markt dort vor­han­den ist und nicht aus po­li­ti­schen Gründen. Ich würde mich je­den­falls nicht von ein­zel­nen Po­li­ti­kern ab­schre­cken las­sen, son­dern nach dem Leit­satz han­deln: Busi­ness is Busi­ness und die exis­tie­ren­den Hil­fen von Dienst­leis­tern und Wirt­schaftsförde­rungs­ge­sell­schaf­ten an­neh­men.

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