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Doing Business in den Vereinigten Staaten - unter Präsident Biden

Be­reits nach den ers­ten 100 Ta­gen der Präsi­dent­schaft von Joe Bi­den zei­gen sich deut­li­che Verände­run­gen in der na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik der USA. Wel­che Aus­wir­kun­gen für ausländi­sche Un­ter­neh­men und In­ves­to­ren zu er­war­ten sind, die sich wirt­schaft­lich in den USA en­ga­gie­ren wol­len, darüber ha­ben wir mit Kirthi Mani, Prin­ci­pal-In-Charge, und Mi­chael Smith, Prin­ci­pal, von un­se­rem Ne­xia-Part­ner Clif­ton­Lar­so­nAl­len LLP (CLA) ge­spro­chen.

Rund 100 Tage nach der Präsidentschaftswahl in den USA, was sind die wichtigsten Veränderungen in der Politik, soweit sie die US-Wirtschaft betreffen?

Wie er­war­tet, ver­folgt die Bi­den-Ad­mi­nis­tra­tion einen ag­gres­si­ve­ren An­satz bei der Be­steue­rung von Un­ter­neh­men. Am 31.03.2021 veröff­ent­lichte Präsi­dent Bi­den ein In­for­ma­ti­ons­blatt über den Ame­ri­can Jobs Plan ("AJP"), bei dem es sich um ein Ge­setz über In­fra­struk­tur­aus­ga­ben in Höhe von 2 Bil­lio­nen Dol­lar han­delt, mit dem Au­to­bah­nen, Strom­netze, Breit­band­netze, Schu­len und Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen, die Fer­ti­gung so­wie In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung re­pa­riert und ver­bes­sert wer­den sol­len. Die vor­ge­schla­ge­nen In­fra­struk­tur­aus­ga­ben sol­len durch eine Erhöhung des Körper­schafts­steu­er­sat­zes von 21 % auf 28 %, eine Erhöhung des Steu­er­sat­zes auf glo­bale im­ma­te­ri­elle nied­rig be­steu­erte Einkünfte von 13 % auf 21 %, die Auf­he­bung be­stimm­ter Ex­port­steu­er­an­reize, die Ab­schaf­fung be­stimm­ter Abzüge und Gut­schrif­ten für Un­ter­neh­men der fos­si­len Brenn­stoff­in­dus­trie und die Einführung ei­ner Min­dest­steuer von 15 % auf das "Buch­ein­kom­men" von Un­ter­neh­men mit einem Jah­resüber­schuss von 100 Mio. Dol­lar oder mehr fi­nan­ziert wer­den.

© unsplash

Es ist sehr un­wahr­schein­lich, dass das AJP von den Re­pu­bli­ka­nern im Repräsen­tan­ten­haus oder Se­nat un­terstützt wird. Ebenso könnte Präsi­dent Bi­den auf den Wi­der­stand der weit links ste­hen­den De­mo­kra­ten im Repräsen­tan­ten­haus stoßen, die der Mei­nung sind, dass der Ge­set­zes­ent­wurf bei den In­fra­struk­tur­aus­ga­ben nicht weit ge­nug geht, und auf den Wi­der­stand der zen­tris­ti­schen De­mo­kra­ten im Se­nat, die glau­ben, dass eine An­he­bung des Körper­schafts­steu­er­sat­zes "Ar­beitsplätze ver­nich­ten" würde.

Das AJP wird wahr­schein­lich im späten Frühjahr oder im Som­mer zur De­batte im Kon­gress kom­men. Da Präsi­dent Bi­den nur zwei Jahre Zeit hat, um das Ge­setz vor den Zwi­schen­wah­len zu ver­ab­schie­den, ge­hen wir da­von aus, dass die De­mo­kra­ten im Repräsen­tan­ten­haus und im Se­nat dar­auf hin­ar­bei­ten wer­den, eine Ver­sion des AJP im Rah­men ei­nes Haus­halts­aus­gleichs zu ver­ab­schie­den, bei dem die Ab­stim­mung ent­lang der Par­tei­gren­zen er­fol­gen wird.

Der US-amerikanische Markt ist einer der wichtigsten Märkte für europäische und damit auch für deutsche Unternehmen. Viele deutsche Unternehmen sind bereits über eine Tochtergesellschaft oder eine Niederlassung in den USA vertreten. Erwarten Sie unter Präsident Biden eine Zunahme der US-Aktivitäten deutscher Unternehmen und Aktionäre?

Wir ge­hen da­von aus, dass deut­sche und an­dere eu­ropäische Un­ter­neh­men ihre Präsenz in den USA wei­ter aus­bauen wer­den, so­fern die Kun­den­nach­frage nach ih­ren Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen stark bleibt. Die wirt­schaft­li­chen Aus­sich­ten für 2021 er­schei­nen güns­tig, wenn auch mit Ri­si­ken. Viele Bun­des­staa­ten er­lau­ben den Ein­woh­nern und Un­ter­neh­men die Wie­dereröff­nung mit we­ni­ger Ein­schränkun­gen durch das Coro­na­vi­rus; die Bun­des­re­gie­rung hat den Steu­er­zah­lern er­heb­li­che Li­qui­dität in Form von CO­VID-19-Ent­las­tungs­zah­lun­gen zur Verfügung ge­stellt; und die Zinssätze sind im his­to­ri­schen Ver­gleich wei­ter­hin nied­rig. Es wird er­war­tet, dass diese Fak­to­ren den Ka­ta­ly­sa­tor für eine ro­buste US-Wirt­schaft im Jahr 2021 bil­den wer­den.

Es gibt Ri­si­ken für die­sen Aus­blick. Ein neuer Stamm des Coro­na­vi­rus bahnt sich sei­nen Weg über den Glo­bus und könnte die US-Wirt­schaft be­einträch­ti­gen, wenn es im Som­mer zu einem si­gni­fi­kan­ten Aus­bruch kommt und die Aus­gangs­sperre wie­der ein­geführt wird. In ähn­li­cher Weise ha­ben Un­ter­bre­chun­gen der Ver­sor­gungs­kette und erhöhte Tre­asury-Ren­di­ten In­fla­ti­onsängste ge­weckt, die die Ver­brau­cher von Käufen ab­hal­ten könn­ten, wenn ihre Kauf­kraft für Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen ver­min­dert wird. Schließlich könn­ten auch Han­dels­strei­tig­kei­ten zwi­schen den USA und ver­schie­de­nen Ländern so­wie mögli­che geo­po­li­ti­sche Kon­flikte (z. B. Iran) die Ver­brau­cher­nach­frage dämp­fen.

Was sind die wichtigsten Punkte, die ein ausländischer Investor berücksichtigen sollte, wenn er plant, eine Niederlassung in den USA zu gründen?

In der Re­gel er­mu­ti­gen wir Man­dan­ten, die pla­nen, eine Nie­der­las­sung in den USA zu gründen, bei ih­rer Ent­schei­dung einen "peo­ple first"-An­satz zu ver­fol­gen. Das heißt, be­vor Sie sich mit steu­er­li­chen und buch­hal­te­ri­schen Fra­gen auf­hal­ten, soll­ten Sie zu­erst über­le­gen, ob eine Ex­pan­sion in die USA das Be­ste für Ihre Kun­den, Mit­ar­bei­ter und Ak­tionäre ist.

Die USA be­ste­hen aus der Bun­des­re­gie­rung und 50 Bun­des­staa­ten, von de­nen je­der sei­nen ei­ge­nen, ein­zig­ar­ti­gen re­gu­la­to­ri­schen Rah­men, Ta­lent­pools und Ein­schränkun­gen bei den Ar­beitskräften so­wie Le­bens­stilmöglich­kei­ten und Le­bens­hal­tungs­kos­ten hat. Bei der Be­wer­tung von US-Ex­pan­si­onsplänen sollte ein Un­ter­neh­men da­her einen "Score­card"-An­satz in Be­tracht zie­hen, bei dem die fol­gen­den Fra­gen berück­sich­tigt wer­den:

  • Wie wer­den die US-Kun­den von Ih­rer lo­ka­len Präsenz pro­fi­tie­ren?
  • Wel­che Qua­li­fi­ka­tio­nen wer­den für die Be­set­zung Ih­rer US-Nie­der­las­sung benötigt, und verfügt der lo­kale Markt über ein adäqua­tes Uni­ver­sitäts­sys­tem, Han­dels­or­ga­ni­sa­tio­nen und ein pro­fes­sio­nel­les Netz­werk, das qua­li­fi­zierte Kan­di­da­ten für die Be­set­zung of­fe­ner Stel­len her­vor­bringt?
  • In Fällen, in de­nen Sie Mit­ar­bei­ter in die USA ver­le­gen, bie­tet der lo­kale Markt eine ähn­li­che Le­bens­qua­lität (z. B. sai­so­nale Tem­pe­ra­tur, Woh­nungs­preise, Schu­len/Kin­der­ta­gesstätten usw.) wie das Hei­mat­land Ih­rer Mit­ar­bei­ter?
  • Bie­tet die Stadt- und/oder Lan­des­re­gie­rung An­reize für neue Un­ter­neh­men?
  • Wel­che re­gu­la­to­ri­schen oder li­zenz­recht­li­chen Her­aus­for­de­run­gen gibt es am je­wei­li­gen Stand­ort?
  • Ist das po­li­ti­sche Um­feld sta­bil?

So­bald die anfäng­li­che Be­wer­tung ab­ge­schlos­sen ist, emp­feh­len wir Un­ter­neh­men, mit der Überprüfung der steu­er­li­chen und buch­hal­te­ri­schen Un­terstützungs­bedürf­nisse und Pla­nungsmöglich­kei­ten zu be­gin­nen, um die Liste der ge­eig­ne­ten Ge­richts­bar­kei­ten zu ver­fei­nern und den Ex­pan­si­ons­plan ab­zu­schließen.

Die Auf­ga­ben, die mit der Pla­nung, Gründung und Führung Ih­res Un­ter­neh­mens in den USA ver­bun­den sind, können zeit­auf­wen­dig und kom­plex sein. Das glo­bale Be­ra­tungs­team von CLA ver­ein­facht Ih­ren Ein­tritt in die USA mit einem ein­zi­gen An­sprech­part­ner für alle Ihre glo­ba­len Bedürf­nisse, die in Zu­sam­men­ar­beit mit un­se­ren Ne­xia-Part­nern be­dient wer­den können; während Sie Ihre Zeit, En­er­gie und Ih­ren Fo­kus auf In­no­va­tion, Führung und Wachs­tum rich­ten. Wir hel­fen Ih­nen da­bei, das rich­tige Team von stra­te­gi­schen Be­ra­tern und sorgfältig ku­ra­tier­ten tech­ni­schen Lösun­gen zu­sam­men­zu­stel­len, um Ihre glo­bale Vi­sion Wirk­lich­keit wer­den zu las­sen.

Nach unserem Verständnis plant Joe Biden im Gegensatz zu Donald Trump, der die Steuersätze insb. für Unternehmen und Privatpersonen mit höherem Einkommen gesenkt hat, die Steuersätze zu erhöhen. Könnten Sie uns mehr Details nennen?

Das po­li­ti­sche Klima in Wa­shing­ton, D.C. hat sich mit der Über­nahme des Weißen Hau­ses und bei­der Häuser im Kon­gress durch die De­mo­kra­ten verändert. Die­ser Wan­del hat Präsi­dent Bi­den in die we­nig be­nei­dens­werte Lage ver­setzt, so­wohl den Mitte-Links- als auch den pro­gres­si­ven Flügel sei­ner Par­tei zu be­schwich­ti­gen. His­to­ri­sch ge­se­hen wurde Präsi­dent Bi­den als gemäßig­ter Li­be­ra­ler an­ge­se­hen, was ein Blick­win­kel ist, durch den man seine Steu­er­vor­schläge be­trach­ten kann.

Ab­wei­chend von den Steu­er­sen­kun­gen der Trump-Ära schlägt Präsi­dent Bi­den vor, den Körper­schafts­steu­er­satz auf Bun­des­ebene von 21 % auf 28 % und den Spit­zen­steu­er­satz auf Bun­des­ebene für natürli­che Per­so­nen von 37 % auf 39,6 % zu erhöhen. Darüber hin­aus hat Präsi­dent Bi­den vor­ge­schla­gen, lang­fris­tige Ka­pi­tal­ge­winne mit dem re­gulären Ein­kom­mens­steu­er­satz zu be­steu­ern, die So­zi­al­ver­si­che­rungs-Lohn­steuer von 12,4 % auf Löhne und Gehälter über 400.000 Dol­lar zu er­he­ben (der­zeit liegt die Ober­grenze bei etwa 143.000 Dol­lar) und den Frei­be­trag für die Bun­des­nach­lass­steuer von 11,7 Mio. Dol­lar auf 3,5 Mio. Dol­lar zu sen­ken.

Ein ra­di­ka­le­rer An­satz zur Re­form der Steu­ersätze wäre die Rück­nahme der Trump-Steu­er­re­form von 2017, die den Körper­schaft­steu­er­satz von 35 % wie­der einführen würde. In ähn­li­cher Weise wünschen sich die links­ex­tre­men Ele­mente der De­mo­kra­ti­schen Par­tei (z. B. "AOC") in­di­vi­du­elle Steu­ersätze im Stil der 1950er Jahre, die 91 % für Spit­zen­ver­die­ner be­tra­gen. Es gab auch Vor­schläge für eine Vermögens­steuer für "Mil­lionäre und Mil­li­ardäre" von Ber­nie San­ders während der de­mo­kra­ti­schen Präsi­dent­schafts­vor­wah­len 2020. Der Punkt ist, dass die Steu­er­re­form­vor­schläge von Präsi­dent Bi­den die Eröff­nungs­salve des­sen dar­stel­len könn­ten, was sich als deut­lich pro­gres­sive Steu­er­re­form her­aus­stel­len könnte. An­de­rer­seits kann es auch viel Lärm um nichts sein, wenn die Par­tei kei­nen Kon­sens über eine Steu­er­re­form-Agenda er­rei­chen kann.

Sind mit dem neuen Präsidenten die Zeiten des "America first" und damit des wirtschaftlichen Protektionismus vorbei? Erwarten Sie eine Verbesserung der Handelsbestimmungen zwischen den USA und Europa?

Ei­ner der wich­tigs­ten Han­dels­strei­tig­kei­ten zwi­schen den USA und eu­ropäischen Ländern be­trifft die Steu­ern auf di­gi­tale Dienst­leis­tun­gen (DST). Viele eu­ropäische Länder ha­ben eine DST auf die Brut­to­ein­nah­men von nicht ansässi­gen Un­ter­neh­men aus di­gi­ta­len Wer­be­dienst­leis­tun­gen, Platt­form­diens­ten, dem Ver­kauf von In­hal­ten, Soft­ware-as-a-Ser­vice und ähn­li­chen di­gi­ta­len Dienst­leis­tun­gen ein­geführt. Die Trump-Ad­mi­nis­tra­tion be­gann mit ei­ner Un­ter­su­chung, ob die von ver­schie­de­nen Ländern er­las­sene DST US-Di­gi­tal­un­ter­neh­men un­rechtmäßig dis­kri­mi­niert, und der US-Han­dels­be­auf­tragte hat diese Ar­beit un­ter der Bi­den-Ad­mi­nis­tra­tion fort­ge­setzt.

Am 26.03.2021 stellte der US-Han­dels­be­auf­tragte fest, dass die von fünf eu­ropäischen Ländern (d. h. Öster­reich, Ita­lien, Spa­nien, der Türkei und dem Ver­ei­nig­ten König­reich) auf be­stimmte Wa­ren ein­geführte DTS US-Un­ter­neh­men dis­kri­mi­niert und schlug einen Ver­gel­tungs­zoll von 25 % vor. In An­be­tracht des po­li­ti­schen Ein­flus­ses, den US-Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men in Wa­shing­ton D.C. ha­ben, ist es un­wahr­schein­lich, dass die US-Re­gie­rung den Vor­schlag ei­nes 25 %-igen Zolls ohne si­gni­fi­kante Zu­geständ­nisse die­ser eu­ropäischen Länder fal­len las­sen wird.

Un­ge­ach­tet des DST-Streits hat die Bi­den-Ad­mi­nis­tra­tion in Wirt­schafts­fra­gen einen versöhn­li­che­ren Ton an­ge­schla­gen als die Trump-Ad­mi­nis­tra­tion, wie ihre Be­reit­schaft zur Teil­nahme an den OECD-Dis­kus­sio­nen über die glo­bale Min­dest­steuer für mul­ti­na­tio­nale Kon­zerne zeigt. Wir er­war­ten, dass sich die­ser Geist der Zu­sam­men­ar­beit fort­set­zen wird.

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