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BGH zur Unwirksamkeit von Klauseln in Lebens- und Rentenversicherungsverträgen

Urteil des BGH vom 25.7.2012 - IV ZR 201/10

Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, nach wel­chen die Ab­schluss­kos­ten (über­wie­gend Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen) mit den ers­ten Beiträgen ver­rech­net wer­den, stel­len eine un­an­ge­mes­sene Be­nach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers dar und sind des­halb un­wirk­sam. Die Zill­me­rung führt nämlich dazu, dass Ver­si­che­rungs­neh­mer, die ih­ren Ver­trag be­reits nach we­ni­gen Jah­ren und vor Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit kündi­gen, nur einen ge­rin­gen oder ggf. gar kei­nen Rück­kaufs­wert er­hal­ten.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger ist ein ge­meinnützi­ger Ver­brau­cher­schutz­ver­ein. Die Be­klagte ist eine deut­sche Le­bens­ver­si­che­rungs-AG. Die Par­teien strei­ten über die Wirk­sam­keit von Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen u.a. be­tref­fend die Rück­kaufs­werte, den Stor­no­ab­zug so­wie die Ver­rech­nung von Ab­schluss­kos­ten (sog. Zill­me­rung), die die Be­klagte je­den­falls zeit­weise im Zeit­raum 2001 bis Ende 2006 ver­wen­dete. Be­trof­fen sind Klau­seln in All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen für eine ka­pi­tal­bil­dende Le­bens­ver­si­che­rung, eine auf­ge­scho­bene und eine fonds­ge­bun­dene Ren­ten­ver­si­che­rung für den Fall der Kündi­gung so­wie der Um­wand­lung in eine bei­trags­freie Ver­si­che­rung.

Der Kläger nimmt die Be­klagte auf Un­ter­las­sung der Ver­wen­dung der an­ge­grif­fe­nen Klau­seln so­wohl beim Ab­schluss neuer Ver­si­che­rungs­verträge als auch bei der Ab­wick­lung be­reits ge­schlos­se­ner Verträge in An­spruch. Er hält sie un­ter Be­zug­nahme auf die Ur­teile des Se­nats vom 9.5.2001 (IV ZR 121/00 und 138/99) und vom 12.10.2005 (IV ZR 162/03 und 177/03) so­wie den Be­schluss des BVerfG vom 15.2.2006 (1 BvR 1317/96) so­wohl we­gen feh­len­der Trans­pa­renz als auch we­gen in­halt­li­cher Un­an­ge­mes­sen­heit für un­wirk­sam.

LG und OLG ga­ben der Klage über­wie­gend statt. Das OLG wies die Klage al­ler­dings in­so­weit ab, so­weit der Kläger sich ge­gen die Ver­ur­tei­lung bzgl. der Ver­wen­dung der Klau­seln für Neu­ab­schlüsse ab 1.1.2008 wen­det. Die Re­vi­sion der Be­klag­ten hatte vor dem BGH im We­sent­li­chen kei­nen Er­folg. Auf die Re­vi­sion des Klägers hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil in dem Um­fang auf, als das OLG die Klage hin­sicht­lich der Neu­ab­schlüsse ab­ge­wie­sen hat, und gab der Klage auch in­so­weit statt.

Die Gründe:
Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen, nach wel­chen die Ab­schluss­kos­ten, bei de­nen es sich zu einem er­heb­li­chen Teil um Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen han­delt, mit den ers­ten Beiträgen ver­rech­net wer­den, stel­len eine un­an­ge­mes­sene Be­nach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers dar und sind des­halb un­wirk­sam.

Die Zill­me­rung führt dazu, dass Ver­si­che­rungs­neh­mer, die ih­ren Ver­trag be­reits nach we­ni­gen Jah­ren und vor Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit kündi­gen, nur einen ge­rin­gen oder ggf. gar kei­nen Rück­kaufs­wert er­hal­ten. Der Se­nat hat in­so­weit seine bis­he­rige Recht­spre­chung in den Ur­tei­len vom 9.5.2001 (IV ZR 121/00 und 138/99) und vom 12.10.2005 (IV ZR 162/03 und 177/03) un­ter Berück­sich­ti­gung der Recht­spre­chung des BVerfG im Be­schluss vom 15.2.2006 (1 BvR 1317/96) wei­ter­ent­wi­ckelt.

Zu­dem wa­ren vor­lie­gend we­gen Ver­stoßes ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot Klau­seln für un­wirk­sam zu erklären, die nicht hin­rei­chend deut­lich zwi­schen dem im Fall ei­ner vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung nach den an­er­kann­ten Re­geln der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tik zu be­rech­nen­den Rück­kaufs­wert (§ 176 Abs. 3 VVG a.F.) ei­ner­seits und an­de­rer­seits dem sog. Stor­no­ab­zug, der ver­ein­bart und an­ge­mes­sen sein muss (§ 176 Abs. 4 VVG a.F.) dif­fe­ren­zie­ren.

We­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­nach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers sind fer­ner Be­stim­mun­gen un­wirk­sam, die vor­se­hen, dass dem Ver­si­che­rungs­neh­mer nach al­len Abzügen ver­blei­bende Beträge un­ter 10 € nicht er­stat­tet wer­den. Der BGH hat außer­dem klar­ge­stellt, dass der be­klagte Ver­si­che­rer sich nicht nur bei der Ab­wick­lung be­ste­hen­der Verträge, son­dern auch bei de­ren Neu­ab­schluss nicht auf die für un­wirk­sam erklärten Klau­seln be­ru­fen darf.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung wird demnächst auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
  • Für die Pres­se­mit­tei­lung des BGH kli­cken Sie bitte hier.
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