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BGH zur Unwirksamkeit von Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Textilreinigungsbetriebe

Urteil des BGH vom 4. Juli 2013 - VII ZR 249/12
Der u.a. für das Werk­ver­trags­recht zuständige VII. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat ent­schie­den, dass be­stimmte im Tex­til­rei­ni­gungs­ge­werbe gebräuch­li­che Haf­tungs­be­schränkungs­klau­seln un­wirk­sam sind.
Der be­klagte Tex­til­rei­ni­gungs­ver­band ver­fasste sog. "Lie­fe­rungs­be­din­gun­gen des deut­schen Tex­til­rei­ni­gungs­ge­wer­bes" (im Fol­gen­den: Be­din­gun­gen), die eine Emp­feh­lung an Tex­til­rei­ni­gungs­be­triebe für die For­mu­lie­rung bzw. Ver­wen­dung von All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) dar­stel­len. Diese Be­din­gun­gen mel­dete der Be­klagte als sog. "Kon­di­tio­nen­emp­feh­lung" beim Bun­des­kar­tell­amt an, sie wur­den im Amts­blatt veröff­ent­licht. In Nr. 5 der Be­din­gun­gen sind fol­gende Re­ge­lun­gen zur Haf­tungs­grenze ent­hal­ten:
"Der Tex­til­rei­ni­ger haf­tet für den Ver­lust des Rei­ni­gungs­gu­tes un­be­grenzt in Höhe des Zeit­wer­tes.
Für Be­ar­bei­tungs­schäden haf­tet der Tex­til­rei­ni­ger nur bei Vor­satz oder gro­ber Fahrlässig­keit un­be­grenzt in Höhe des Zeit­wer­tes.
An­sons­ten ist die Haf­tung auf das 15fa­che des Be­ar­bei­tungs­prei­ses be­grenzt.
Ach­tung: Un­sere Haf­tung kann auf das 15fa­che des Be­ar­bei­tungs­prei­ses be­grenzt sein (siehe Nr. 5 AGB). Sie können aber un­be­grenzte Haf­tung in Höhe des Zeit­wer­tes, z.B. durch Ab­schluss ei­ner Ver­si­che­rung, ver­ein­ba­ren." Der kla­gende Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­verbände hält diese Re­ge­lun­gen gemäß §§ 307 ff. BGB für un­wirk­sam und nimmt den Be­klag­ten des­halb gemäß § 1 Un­ter­las­sungs­kla­gen­ge­setz (UKlaG)* auf Un­ter­las­sung der Emp­feh­lung die­ser Be­din­gun­gen für die Ein­be­zie­hung in Verträge über die Rei­ni­gung von Tex­ti­lien mit Ver­brau­chern in An­spruch. Land­ge­richt und Be­ru­fungs­ge­richt ha­ben der Klage statt­ge­ge­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Re­vi­sion des Tex­til­rei­ni­gungs­ver­bands zurück­ge­wie­sen. Zur Begründung hat er aus­geführt, dass die ers­ten bei­den Sätze der Klau­sel we­gen Ver­stoßes ge­gen § 309 Nr. 7b BGB un­wirk­sam seien, weil sie die Haf­tung des Rei­ni­gungs­be­trie­bes für vorsätz­lich oder grob fahrlässig ver­ur­sachte Schäden am Rei­ni­gungs­gut auf den Zeit­wert be­schränken. Die­sem Be­griff kann die Be­deu­tung bei­ge­mes­sen wer­den, dass der Scha­den, ab­wei­chend von der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, nicht in vol­ler Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes er­setzt wird. Die Klau­sel, die bei leicht fahrlässi­ger Be­schädi­gung des Rei­ni­gungs­gu­tes die Höhe der Haf­tung auf das 15fa­che des Rei­ni­gungs­prei­ses be­schränkt, be­nach­tei­lige den Kun­den ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen und sei nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam. Der Rei­ni­gungs­preis stelle kei­nen taug­li­chen Maßstab für die Be­gren­zung der Haf­tung dar, weil er zu der mögli­chen Scha­denshöhe in kei­ner­lei Re­la­tion stehe. Die Möglich­keit des Ab­schlus­ses ei­ner vom Kun­den zu be­zah­len­den Ver­si­che­rung stelle keine aus­rei­chende Kom­pen­sa­tion dar, weil die Klau­sel nicht si­cher­zu­stel­len vermöge, dass der Rei­ni­ger den Kun­den hier­auf in je­dem er­for­der­li­chen Fall ausdrück­lich münd­lich hin­weist.  *§ 1 UKlaG Un­ter­las­sungs- und Wi­der­rufs­an­spruch bei All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen Wer in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen Be­stim­mun­gen, die nach den §§ 307 bis 309 des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs un­wirk­sam sind, ver­wen­det oder für den rechts­ge­schäft­li­chen Ver­kehr emp­fiehlt, kann auf Un­ter­las­sung und im Fall des Emp­feh­lens auch auf Wi­der­ruf in An­spruch ge­nom­men wer­den. ** § 309 Nr. 7b BGB Klau­sel­ver­bote ohne Wer­tungsmöglich­keit Auch so­weit eine Ab­wei­chung von den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten zulässig ist, ist in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam Nr. 7 (Haf­tungs­aus­schluss bei Ver­let­zung von Le­ben, Körper, Ge­sund­heit und bei gro­bem Ver­schul­den) a) … b)(Gro­bes Ver­schul­den) ein Aus­schluss oder eine Be­gren­zung der Haf­tung für sons­tige Schäden, die auf ei­ner grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung des Ver­wen­ders oder auf ei­ner vorsätz­li­chen oder grob fahrlässi­gen Pflicht­ver­let­zung ei­nes ge­setz­li­chen Ver­tre­ters oder Erfüllungs­ge­hil­fen des Ver­wen­ders be­ru­hen; *** § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB In­halts­kon­trolle (1) Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen sind un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Eine un­an­ge­mes­sene Be­nach­tei­li­gung kann sich auch dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist.   Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 113/2013 vom 04.07.2013 
05.07.2013 nach oben

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