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BGH zur Geltendmachung und zur Verjährung von Schadensersatzansprüchen gegen englischen Lebensversicherer

Urteil des BGH vom 15. Februar 2012 - IV ZR 194/09
Der un­ter an­de­rem für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zuständige IV. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat am 15.02.2012 eine Ent­schei­dung zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung und Verjährung von Scha­dens­er­satz­an­sprüchen we­gen un­zu­rei­chen­der Aufklärung vor Ab­schluss ei­ner eng­li­schen Le­bens­ver­si­che­rung ge­trof­fen.
Der Kläger schloss zu Be­ginn des Jah­res 1999 bei dem be­klag­ten eng­li­schen Le­bens­ver­si­che­rer eine "In­vest­ment-Le­bens­ver­si­che­rung" ab, nach­dem die­ser mit jähr­li­chen Über­schüssen deut­lich über de­nen sei­ner deut­schen Mit­be­wer­ber ge­wor­ben hatte. Seit 2003 sta­gniert der Ver­trags­wert. Bei der Be­klag­ten war es zu Pro­ble­men mit der fi­nan­zi­el­len Be­las­tung aus den An­sprüchen bri­ti­scher Be­stands­kun­den ge­kom­men, die 2002 in der Ge­neh­mi­gung ei­nes Ver­gleichs­plans nach eng­li­schem Ge­sell­schafts­recht ("Scheme of Ar­ran­ge­ment") durch das dort zuständige Ge­richt münde­ten. Die­ser führte zur Ab­fin­dung ein­zel­ner An­sprüche der Ver­si­che­rungs­neh­mer ge­gen ein­ma­lige Erhöhung des Ver­si­che­rungs­wer­tes. Der Kläger hat gel­tend ge­macht, dass er über die aus sei­ner Sicht nicht ord­nungs­gemäße Ge­schäfts­po­li­tik der Be­klag­ten u.a. durch überhöhte Zu­tei­lung von Über­schüssen, un­zu­rei­chende Bil­dung von De­ckungs­ka­pi­tal und Ver­wen­dung ver­al­te­ter Ster­be­ta­feln nicht auf­geklärt wor­den sei und den Ver­trag bei zu­tref­fen­der In­for­ma­tion nicht ab­ge­schlos­sen hätte. Die Be­klagte hat sich auf die Sperr­wir­kung ih­res eng­li­schen Ver­gleichs­plans, die Verjährung der gel­tend ge­mach­ten An­sprüche und das Feh­len von Aufklärungs­pflich­ten be­ru­fen. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Klage we­gen Verjährung ab­ge­wie­sen.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­ner Ent­schei­dung aus­geführt, dass der An­er­ken­nung ei­nes ge­richt­lich ge­neh­mig­ten Ver­gleichs­plans nach eng­li­schem Ge­sell­schafts­recht ("Scheme of Ar­ran­ge­ment"), der eine Le­bens­ver­si­che­rung be­trifft, je­den­falls die Vor­schrif­ten über die Zuständig­keit in Ver­si­che­rungs­sa­chen gemäß Art. 8, 12 Abs. 1, 35 Eu­GVVO* ent­ge­gen­ste­hen. Mit­hin hin­dert der Ver­gleichs­plan Ver­si­che­rungs­neh­mer in Deutsch­land nicht, An­sprüche gel­tend zu ma­chen.
Wei­ter­hin hat der Bun­des­ge­richts­hof seine Recht­spre­chung bestätigt, wo­nach für die Verjährung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus vor­ver­trag­li­chem Ver­schul­den, mit dem der Ver­si­che­rungs­neh­mer so ge­stellt wer­den will, wie wenn er den Ver­trag nicht ge­schlos­sen hätte, nicht § 12 Abs. 1 VVG a.F.** ein­schlägig ist, son­dern die all­ge­mei­nen Be­stim­mun­gen der §§ 195, 199 BGB*** gel­ten. Da­nach sind nur ei­nige der vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­sprüche verjährt.
Die Sa­che wurde zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Be­ru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, das noch Fest­stel­lun­gen zu den nicht verjähr­ten Scha­dens­er­satz­an­sprüchen zu tref­fen hat.
*Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/2001 des Ra­tes vom 22. De­zem­ber 2000 über die ge­richt­li­che Zuständig­keit und die An­er­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zi­vil- und Han­dels­sa­chen (Eu­GVVO) Ar­ti­kel 12 (1) Vor­be­halt­lich der Be­stim­mun­gen des Ar­ti­kels 11 Ab­satz 3 kann der Ver­si­che­rer nur vor den Ge­rich­ten des Mit­glied­staats kla­gen, in des­sen Ho­heits­ge­biet der Be­klagte sei­nen Wohn­sitz hat, ohne Rück­sicht dar­auf, ob die­ser Ver­si­che­rungs­neh­mer, Ver­si­cher­ter oder Begüns­tig­ter ist. … **Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz (VVG) in der bis zum 31. De­zem­ber 2007 gülti­gen Fas­sung § 12 (1) An­sprüche aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag verjähren in zwei Jah­ren, bei der Le­bens­ver­si­che­rung in fünf Jah­ren. Die Verjährung be­ginnt mit dem Schluss des Jah­res, in wel­chem die Leis­tung ver­langt wer­den kann. … ***Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) § 195 Re­gelmäßige Verjährungs­frist Die re­gelmäßige Verjährungs­frist beträgt drei Jahre. § 199 Be­ginn der re­gelmäßigen Verjährungs­frist und Verjährungshöchst­fris­ten (1) Die re­gelmäßige Verjährungs­frist be­ginnt, so­weit nicht ein an­de­rer Verjährungs­be­ginn be­stimmt ist, mit dem Schluss des Jah­res, in dem 1. der An­spruch ent­stan­den ist und 2. der Gläubi­ger von den den An­spruch begründen­den Umständen und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis er­langt oder ohne grobe Fahrlässig­keit er­lan­gen müsste. ... Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 24/2012 vom 15.02.2012
16.02.2012 nach oben

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