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BGH zum Vorliegen des Schutzhindernisses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG

Beschluss des BGH vom 17.8.2011 - I ZB 70/10

Für das Vor­lie­gen des Schutz­hin­der­nis­ses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG kommt es nicht dar­auf an, ob der An­mel­der be­reits über ein Na­mens- oder Kenn­zei­chen­recht verfügt, mit dem er Dritte von der Ver­wen­dung ei­ner der Marke ent­spre­chen­den An­gabe im Zu­sam­men­hang mit den be­an­spruch­ten Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen aus­schließen kann. Die Be­zeich­nung "In­sti­tut der Nord­deut­schen Wirt­schaft e.V." ist u.a. für die Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen "Dru­cke­rei­er­zeug­nisse, be­triebs­wirt­schaft­li­che Be­ra­tung, Mar­ke­ting und fi­nan­zi­elle Be­ra­tung" frei­hal­te­bedürf­tig.

Der Sach­ver­halt:
Der An­mel­der - das In­sti­tut der Nord­deut­schen Wirt­schaft e.V. - hat beim Deut­schen Pa­tent- und Mar­ken­amt die Ein­tra­gung der Wort­folge "In­sti­tut der Nord­deut­schen Wirt­schaft e.V." als Marke für fol­gende Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen be­an­tragt: Klasse 16
Dru­cke­rei­er­zeug­nisse jed­we­der Art, ins­bes. Zeit­schrif­ten, Zei­tun­gen, Ma­ga­zine, Ka­ta­loge; Bücher;Klasse 35
u.a. Be­triebs­wirt­schaft­li­che Be­ra­tung, Per­so­nal­ma­nage­ment­be­ra­tung, Mar­ke­ting; Er­stel­len von Wirt­schafts­pro­gno­sen; Öff­ent­lich­keits­ar­beit (Pu­blic Re­la­ti­ons); Per­so­nal/Stel­len­ver­mitt­lung; Her­aus­gabe von Wer­be­tex­ten;Klasse 36
Fi­nan­zi­elle Be­ra­tung, In­ves­ti­ti­ons­be­ra­tung, Fi­nanz­ana­ly­sen, In­vest­ment­ge­schäfte, Vermögens­ma­nage­ment für Dritte.

Die Mar­ken­stelle des Deut­schen Pa­tent- und Mar­ken­amts wies die An­mel­dung we­gen feh­len­der Un­ter­schei­dungs­kraft zurück. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Be­schwerde des An­mel­ders blieb vor dem BPatG ebenso ohne Er­folg wie seine Rechts­be­schwerde vor dem BGH.

Die Gründe:
Das BPatG hat rechts­feh­ler­frei das Ein­tra­gungs­hin­der­nis nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG be­jaht.

Die Wort­folge "In­sti­tut der Nord­deut­schen Wirt­schaft e.V." weist im Zu­sam­men­hang mit den frag­li­chen Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen kei­nen mehr­deu­ti­gen Be­griff­sin­halt auf. Der Rechts­be­schwerde ver­hilft auch die Rüge nicht zum Er­folg, die an­ge­mel­dete Wort­folge sei in ih­rer Ge­samt­heit nicht be­schrei­bend, weil sie als Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung von Haus aus un­ter­schei­dungskräftig sei und eine Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung mit­tel­bar auch die Her­kunft der aus dem Be­trieb stam­men­den Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen kenn­zeichne.

Un­ter­stellt, die Wort­folge genügt den An­for­de­run­gen, die an einen ori­ginär un­ter­schei­dungskräfti­gen Ver­eins­na­men zu stel­len sind, lässt dies kei­nen Rück­schluss dar­auf zu, dass sie für die be­an­spruch­ten Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen nicht i.S.v. § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG be­schrei­bend ist. Diese Frage rich­tet sich nach all­ge­mei­nen mar­ken­recht­li­chen Grundsätzen und nicht nach den Maßstäben des Schut­zes von Ver­eins­na­men, bei de­nen eine Kom­bi­na­tion ei­ner geo­gra­phi­schen An­gabe ver­bun­den mit ei­ner schlag­wort­ar­ti­gen Be­zeich­nung des Tätig­keits­ge­biets für eine ori­ginäre Kenn­zeich­nungs­kraft genügen kann.

Ohne Er­folg macht die Rechts­be­schwerde gel­tend, der An­nahme des Ein­tra­gungs­hin­der­nis­ses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG stehe der Um­stand ent­ge­gen, dass Dritte an der freien Ver­wen­dung der Wort­folge kein In­ter­esse ha­ben könn­ten, weil der An­mel­der diese Ver­wen­dung auf­grund sei­nes gleich­lau­ten­den Ver­eins­na­mens un­ter­sa­gen könnte. Al­ler­dings ver­folgt das Schutz­hin­der­nis des § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG das im All­ge­mein­in­ter­esse lie­gende Ziel, dass Zei­chen oder An­ga­ben, die Merk­male der Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen be­schrei­ben, für die die Ein­tra­gung be­an­tragt wird, von al­len frei ver­wen­det wer­den können.

Das be­deu­tet aber nicht, dass es für das Vor­lie­gen die­ses Schutz­hin­der­nis­ses von maßgeb­li­cher Be­deu­tung wäre, ob der An­mel­der be­reits über Na­mens- oder Kenn­zei­chen­schutz verfügt, der es ihm ge­stat­tet, Dritte an der Ver­wen­dung ei­ner ent­spre­chen­den An­gabe im Zu­sam­men­hang mit den be­an­spruch­ten Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen zu hin­dern. Die Vor­aus­set­zun­gen des Schutz­hin­der­nis­ses nach § 8 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG sind los­gelöst von der Per­son des An­mel­ders zu prüfen, weil die­ser mit der Ein­tra­gung des an­ge­mel­de­ten Zei­chens ein (wei­te­res) Recht er­wirbt, das vom Fort­be­ste­hen sei­nes Na­mens- oder Kenn­zei­chen­rechts un­abhängig ist und das er auf einen Drit­ten über­tra­gen kann.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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