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BGH zu den Folgen unwirksamer Preisanpassungsklauseln in Erdgas-Sonderkundenverträgen

Entscheidungen des BGH vom 14.3.2012 - VIII ZR 113/11 und VIII ZR 93/11

Der BGH hat zwei Ent­schei­dung zu der Frage ge­trof­fen, wel­chen Preis der Kunde in einem Son­der­kun­den­verhält­nis für das ent­nom­mene Gas zu ent­rich­ten hat, wenn die im Ver­trag ent­hal­tene Preis­an­pas­sungs­klau­sel un­wirk­sam ist und der Kunde den Preis­erhöhun­gen über einen länge­ren Zeit­raum nicht wi­der­spro­chen hat. Da­nach kann der Kunde die Un­wirk­sam­keit der Preis­erhöhung nicht gel­tend ma­chen, wenn er sie nicht in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von drei Jah­ren nach Zu­gang der be­tref­fen­den Jah­res­ab­rech­nung be­an­stan­det hat.

Der Sach­ver­halt:

+++ VIII ZR 113/11 +++
In die­sem Ver­fah­ren macht der Kläger ge­gen die Be­klagte, ein re­gio­na­les Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, Rück­zah­lungs­an­sprüche gel­tend. Der Kläger be­zog auf­grund ei­nes im Jahr 1981 ge­schlos­se­nen Son­der­kun­den­ver­tra­ges Gas von der Be­klag­ten. Die Be­klagte erhöhte in der Ver­gan­gen­heit wie­der­holt die Ar­beits­preise, mit wel­chen der Gas­ver­brauch ab­ge­rech­net wird, auf der Grund­lage ei­ner un­wirk­sa­men Preis­an­pas­sungs­klau­sel. Der Kläger zahlte die ge­for­der­ten erhöhten Ent­gelte, ohne den Preis­erhöhun­gen zu wi­der­spre­chen.

Im Ok­to­ber 2008 wech­selte er zu einem an­de­ren Gas­an­bie­ter. Erst­mals im Fe­bruar 2009 wandte er sich ge­gen die von der Be­klag­ten während der Ver­trags­lauf­zeit vor­ge­nom­me­nen Preis­erhöhun­gen und be­gehrte die Rück­zah­lung der von Ja­nuar 2006 bis Sep­tem­ber 2008 ge­zahl­ten Erhöhungs­beträge auf der Ba­sis des bei Ver­trags­schluss im Jahre 1981 gel­ten­den Ar­beits­prei­ses.

Das AG wies die Klage ab; das LG gab ihr über­wie­gend statt. Auf die Re­vi­sion der Be­klag­ten hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil auf und ver­wies die Sa­che zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LG zurück.

+++ VIII ZR 93/11 +++
In die­sem Ver­fah­ren ver­langt die Kläge­rin, ein Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, von dem Be­klag­ten, ein ehe­ma­li­ger Son­der­kunde, die Zah­lung rest­li­chen Ent­gelts für Gas­lie­fe­run­gen im Zeit­raum Ja­nuar 2004 bis Fe­bruar 2008. Die Kläge­rin erhöhte seit Ver­trags­be­ginn im Jahre 1998 mehr­fach den Ar­beits­preis auf der Grund­lage ei­ner eben­falls un­wirk­sa­men Preis­an­pas­sungs­klau­sel.

Der Be­klagte leis­tete bis Mitte 2005 die ge­for­der­ten Ab­schlags­zah­lun­gen und wandte sich bis da­hin auch nicht ge­gen die Jah­res­ab­rech­nun­gen. Im Juli 2005 er­hob er erst­ma­lig Wi­der­spruch und be­rief sich auf die Un­wirk­sam­keit von Preis­erhöhun­gen. Da­nach be­hielt er er­heb­li­che Rech­nungs­beträge ein.

Das AG gab der Klage teil­weise statt, das LG wies sie ab. Auf die Re­vi­sion der Kläge­rin hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil auf und ver­wies die Sa­che zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LG zurück.

Die Gründe:
In bei­den Ver­fah­ren können den je­wei­li­gen An­sprüchen nicht, wie von den Be­ru­fungs­ge­rich­ten an­ge­nom­men, die bei dem je­weils viele Jahre zurück­lie­gen­den Ver­trags­schluss ver­ein­bar­ten Ar­beits­preise zu­grunde ge­legt wer­den.

Viel­mehr ist die durch die Un­wirk­sam­keit der Preis­an­pas­sungs­klau­sel in den Verträgen ent­stan­dene Re­ge­lungslücke im Wege ei­ner ergänzen­den Ver­trags­aus­le­gung gem. §§ 133, 157 BGB in der Weise zu schließen, dass der Kunde die Un­wirk­sam­keit der­je­ni­gen Preis­erhöhung, die zu einem den ver­ein­bar­ten An­fangs­preis über­stei­gen­den Preis führen, nicht gel­tend ma­chen kann, wenn er sie nicht in­ner­halb ei­nes Zeit­raums von drei Jah­ren nach Zu­gang der Jah­res­ab­rech­nung, in der die Preis­erhöhung erst­mals berück­sich­tigt wor­den ist, be­an­stan­det hat. Denn eine der­ar­tige Re­ge­lung hätten die Par­teien bei ei­ner Abwägung ih­rer In­ter­es­sen red­li­cher­weise ver­ein­bart, wenn sie bei Ver­trags­schluss be­dacht hätten, dass die Wirk­sam­keit der ver­wen­de­ten Preisände­rungs­klau­sel je­den­falls un­si­cher war.

Die Ver­fah­ren wa­ren an die Be­ru­fungs­ge­richte zurück­zu­ver­wei­sen, da­mit die er­for­der­li­chen Fest­stel­lun­gen dazu ge­trof­fen wer­den können, wann den Kun­den die ein­zel­nen Jah­res­ab­rech­nun­gen zu­ge­gan­gen sind und ge­gen wel­che Preis­erhöhun­gen die je­wei­li­gen Wi­der­sprüche da­her noch recht­zei­tig vor Ab­lauf von drei Jah­ren er­ho­ben wor­den sind.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung wird demnächst auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
  • Für die Pres­se­mit­tei­lung des BGH kli­cken Sie bitte hier.
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