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BGH präzisiert Rechtsprechung zum Keyword-Advertising

Urteil des BGH vom 13. Dezember 2012 - I ZR 217/10
Der un­ter an­de­rem für das Mar­ken­recht zuständige I. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat mit Ur­teil vom 13.12.2012 seine Recht­spre­chung zur Zulässig­keit des Key­word-Ad­ver­ti­sing, bei dem In­ter­net­nut­zern an­hand ei­nes mit der Marke iden­ti­schen oder ver­wech­sel­ba­ren Schlüssel­worts die Wer­bung ei­nes Drit­ten an­ge­zeigt wird, bestätigt und präzi­siert.
Die Kläge­rin ist In­ha­be­rin der aus­schließli­chen Li­zenz an der un­ter an­de­rem für Pra­li­nen und Scho­ko­lade ein­ge­tra­ge­nen deut­schen Marke "MOST". Sie be­treibt un­ter der In­ter­net­adresse "www.most-shop.com" einen "MOST-Shop", über den sie hoch­wer­tige Kon­fi­se­rie- und Scho­ko­la­den­pro­dukte ver­treibt. Die Be­klagte un­terhält un­ter den In­ter­net­adres­sen "www.fein­kost-ge­schenke.de" und "www.selec­tion-ex­qui­sit.de" einen On­line­shop für Ge­schenke, Pra­li­nen und Scho­ko­lade. Sie schal­tete im Ja­nuar 2007 bei der Such­ma­schine Google eine Ad­words-An­zeige für ih­ren In­ter­net­shop. Als Schlüssel­wort ("Key­word"), des­sen Ein­gabe in die Such­maske das Er­schei­nen der An­zeige auslösen sollte, hatte die Be­klagte den Be­griff "Pra­li­nen" mit der Op­tion "weit­ge­hend pas­sende Key­words" gewählt. In der Liste der "weit­ge­hend pas­sen­den Key­words" stand auch das Schlüssel­wort "most pra­li­nen". Gab ein Nut­zer den Such­be­griff "MOST Pra­li­nen" ein, er­schien rechts ne­ben den Su­ch­er­geb­nis­sen (auf vier Zei­len ver­teilt) fol­gende An­zeige der Be­klag­ten: "Pra­li­nen/Weine, Pra­li­nen, Fein­kost, Präsente/Ge­nießen und schen­ken!/www.fein­kost-ge­schenke.de." Über den in der An­zeige an­ge­ge­be­nen Link "www.fein­kost-ge­schenke.de" ge­langte der Such­ma­schi­nen­nut­zer auf die Home­page der Be­klag­ten un­ter der In­ter­net­adresse "www.selec­tion-ex­qui­sit.de". In dem On­line­shop der Be­klag­ten wur­den keine Pro­dukte mit dem Zei­chen "MOST" ver­trie­ben.
Die Kläge­rin ist der An­sicht, die Be­klagte habe durch die Schal­tung der An­zeige das Recht an der Marke "MOST" ver­letzt. Sie hat die Be­klagte un­ter an­de­rem auf Un­ter­las­sung in An­spruch ge­nom­men. Das Land­ge­richt hat der Klage statt­ge­ge­ben. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist ohne Er­folg ge­blie­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Be­ru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Klage ab­ge­wie­sen.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat seine Recht­spre­chung (BGH, Ur­teil vom 13. Ja­nuar 2011 - I ZR 125/07, GRUR 2011, 828 - Ban­ana­bay II; Ur­teil vom 13. Ja­nuar 2011 - I ZR 46/08, MMR 2011, 608) bestätigt, nach der beim "Key­word-Ad­ver­ti­sing" eine Mar­ken­ver­let­zung un­ter dem Ge­sichts­punkt der Be­einträch­ti­gung der Her­kunfts­funk­tion der Marke grundsätz­lich aus­ge­schlos­sen ist, wenn die Wer­bung - wie im Streit­fall - in einem von der Tref­fer­liste ein­deu­tig ge­trenn­ten und ent­spre­chend ge­kenn­zeich­ne­ten Wer­be­block er­scheint und selbst we­der die Marke noch sonst einen Hin­weis auf den Mar­ken­in­ha­ber oder die un­ter der Marke an­ge­bo­te­nen Pro­dukte enthält. Der BGH hat klar­ge­stellt, dass dies auch dann gilt, wenn die An­zeige nicht auf das Feh­len ei­ner wirt­schaft­li­chen Ver­bin­dung zwi­schen dem Wer­ben­den und dem Mar­ken­in­ha­ber hin­weist und dass al­lein der Um­stand, dass in der An­zeige Pro­dukte der un­ter der Marke an­ge­bo­te­nen Art mit Gat­tungs­be­grif­fen be­zeich­net wer­den (im Streit­fall "Pra­li­nen" usw.), nicht zu ei­ner Be­einträch­ti­gung der Her­kunfts­funk­tion der Marke führt. Diese Be­ur­tei­lung steht - so der BGH - in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des EuGH (zu­letzt EuGH, Ur­teil vom 22. Sep­tem­ber 2011 - C-323/09, GRUR 2011, 1124 - In­ter­flora/M&S In­ter­flora Inc.). Da­nach ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­richts, die Frage der Be­einträch­ti­gung der Her­kunfts­funk­tion an­hand der vom Ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Maßstäbe un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Fak­to­ren, die es für re­le­vant er­ach­tet, zu prüfen. Der BGH hat des­halb auch im Blick auf die Recht­spre­chung des öster­rei­chi­schen Obers­ten Ge­richts­hofs (GRUR Int. 2011, 173, 175 - Berg­Spechte II) und der französi­schen Cour de cas­sa­tion (GRUR Int. 2011, 625 - CN­RRH), die bei der Be­ur­tei­lung von Ad­words-An­zei­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der von ih­nen als re­le­vant er­ach­te­ten Fak­to­ren zu an­de­ren Er­geb­nis­sen ge­langt sind, keine Vor­lage an den EuGH für ge­bo­ten er­ach­tet.
Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 211/2012 vom 14.12.2012
17.12.2012 nach oben

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