de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

BGH legt Europäischen Gerichthof Frage zum Schutz von Schutzmaßnahmen für Videospiele vor

Beschluss des BGH vom 6. Februar 2012 - I ZR 124/11 - Videospiel-Konsole
Der u.a. für das Ur­he­ber­recht zuständige I. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Union die Frage vor­ge­legt, nach wel­chen Re­geln sich der Schutz tech­ni­scher Maßnah­men zum Schutz ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Vi­deo­spiele rich­tet.
Die Kläge­rin pro­du­ziert und ver­treibt Vi­deo­spiele und Vi­deo­spiel-Kon­so­len, dar­un­ter die Kon­sole "Nin­tendo DS" und zahl­rei­che dafür pas­sende Spiele. Sie ist In­ha­be­rin der ur­he­ber­recht­li­chen Schutz­rechte an den Com­pu­ter­pro­gram­men, Sprach-, Mu­sik-, Licht­bild- und Film­wer­ken, die Be­stand­teil der Vi­deo­spiele sind. Die Vi­deo­spiele wer­den aus­schließlich auf be­son­de­ren, nur für die Nin­tendo-DS-Kon­sole pas­sen­den Spei­cher­kar­ten an­ge­bo­ten, die in den Kar­ten­schacht der Kon­sole ein­ge­steckt wer­den.
Die Be­klag­ten bo­ten im In­ter­net Ad­ap­ter für die Nin­tendo-DS-Kon­sole an. Diese Ad­ap­ter sind den ori­gi­na­len Spei­cher­kar­ten in Form und Größe ge­nau nach­ge­bil­det, da­mit sie in den Kar­ten­schacht der Kon­sole pas­sen. Sie verfügen über einen Ein­schub für eine Mi­cro-SD-Karte oder über einen ein­ge­bau­ten Spei­cher­bau­stein ("Flash-Spei­cher"). Nut­zer der Kon­sole können mit Hilfe die­ser Ad­ap­ter im In­ter­net an­ge­bo­tene Raub­ko­pien der Spiele auf der Kon­sole ver­wen­den. Dazu la­den sie sol­che Ko­pien der Spiele aus dem In­ter­net her­un­ter und über­tra­gen diese so­dann ent­we­der auf eine Mi­cro-SD-Karte, die an­schließend in den Ad­ap­ter ein­ge­steckt wird, oder un­mit­tel­bar auf den ein­ge­bau­ten Spei­cher­bau­stein des Ad­ap­ters.
Die Kläge­rin sieht in dem Ver­trieb der Ad­ap­ter einen Ver­stoß ge­gen die Vor­schrift des § 95a Abs. 3 UrhG; diese Be­stim­mung re­gelt den Schutz wirk­sa­mer tech­ni­scher Maßnah­men, die ih­rer­seits dem Schutz ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Werke die­nen. Die Kläge­rin hat die Be­klag­ten auf Un­ter­las­sung, Aus­kunft, Scha­dens­er­satz und Ver­nich­tung der Kar­ten in An­spruch ge­nom­men.
Das Land­ge­richt hat der Klage statt­ge­ge­ben. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist er­folg­los ge­blie­ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat an­ge­nom­men, der Ver­trieb der Ad­ap­ter ver­stoße ge­gen § 95a Abs. 3 UrhG. Das auf­ein­an­der ab­ge­stimmte For­mat der von den Kläge­rin­nen her­ge­stell­ten Kar­ten und Kon­so­len stelle eine wirk­same tech­ni­sche Maßnahme zum Schutz der in den Vi­deo­spie­len ent­hal­te­nen Sprach-, Mu­sik-, Licht­bild- und Film­werke dar. Mit der vom Bun­des­ge­richts­hof zu­ge­las­se­nen Re­vi­sion ver­fol­gen die Be­klag­ten ih­ren An­trag auf Ab­wei­sung der Klage wei­ter.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Union vor­ge­legt. § 95a Abs. 3 UrhG setzt Art. 6 Abs. 2 der Richt­li­nie 2001/29/EG na­hezu wört­lich ins deut­sche Recht um. Beide Be­stim­mun­gen re­geln den Schutz von Maßnah­men zum Schutz ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Werke. Für den Schutz von Maßnah­men zum Schutz von Com­pu­ter­pro­gram­men se­hen al­ler­dings die Vor­schrift des Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 2009/24/EG und die zu ih­rer Um­set­zung er­gan­gene Be­stim­mung des § 69f Abs. 2 UrhG eine be­son­dere - we­ni­ger weit­rei­chende - Re­ge­lung vor. Zu­dem be­stimmt Art. 1 Abs. 2 Buchst. a der Richt­li­nie 2001/29/EG, dass die Richt­li­nie 2001/29/EG - und da­mit auch de­ren Art. 6 Abs. 2 - die be­ste­hen­den ge­mein­schafts­recht­li­chen Be­stim­mun­gen über den recht­li­chen Schutz von Com­pu­ter­pro­gram­men un­berührt lässt. Die zur Um­set­zung die­ser Vor­schrift die­nende Re­ge­lung des § 69a Abs. 5 UrhG be­stimmt un­ter an­de­rem, dass die Re­ge­lung des § 95a Abs. 3 UrhG nicht auf Com­pu­ter­pro­gramme an­wend­bar ist. Die von den Kläge­rin­nen ver­trie­be­nen Vi­deo­spiele be­ste­hen nicht nur aus Sprach-, Mu­sik-, Licht­bild- und Film­wer­ken; viel­mehr lie­gen ih­nen auch Com­pu­ter­pro­gramme zu­grunde. Des­halb stellt sich die Frage, ob sich der Schutz von Maßnah­men zum Schutz sol­cher "hy­bri­den Pro­dukte" wie ins­be­son­dere Vi­deo­spiele nach den spe­zi­ell für Com­pu­ter­pro­gramme oder nach den all­ge­mein für Werke gel­ten­den Be­stim­mun­gen rich­tet oder ob so­wohl die einen wie auch die an­de­ren Be­stim­mun­gen an­wend­bar sind. Da diese Frage die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts be­trifft, hat der BGH sie dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. § 95a UrhG (1) Wirk­same tech­ni­sche Maßnah­men zum Schutz ei­nes nach die­sem Ge­setz ge­schütz­ten Wer­kes oder ei­nes an­de­ren nach die­sem Ge­setz ge­schütz­ten Schutz­ge­gen­stan­des dürfen ohne Zu­stim­mung des Rechts­in­ha­bers nicht um­gan­gen wer­den, so­weit dem Han­deln­den be­kannt ist oder den Umständen nach be­kannt sein muss, dass die Um­ge­hung er­folgt, um den Zu­gang zu einem sol­chen Werk oder Schutz­ge­gen­stand oder de­ren Nut­zung zu ermögli­chen. (2) Tech­ni­sche Maßnah­men im Sinne die­ses Ge­set­zes sind Tech­no­lo­gien, Vor­rich­tun­gen und Be­stand­teile, die im nor­ma­len Be­trieb dazu be­stimmt sind, ge­schützte Werke oder an­dere nach die­sem Ge­setz ge­schützte Schutz­ge­genstände be­tref­fende Hand­lun­gen, die vom Rechts­in­ha­ber nicht ge­neh­migt sind, zu ver­hin­dern oder ein­zu­schränken. Tech­ni­sche Maßnah­men sind wirk­sam, so­weit durch sie die Nut­zung ei­nes ge­schütz­ten Wer­kes oder ei­nes an­de­ren nach die­sem Ge­setz ge­schütz­ten Schutz­ge­gen­stan­des von dem Rechts­in­ha­ber durch eine Zu­gangs­kon­trolle, einen Schutz­me­cha­nis­mus wie Ver­schlüsse­lung, Ver­zer­rung oder sons­tige Um­wand­lung oder einen Me­cha­nis­mus zur Kon­trolle der Ver­vielfälti­gung, die die Er­rei­chung des Schutz­ziels si­cher­stel­len, un­ter Kon­trolle ge­hal­ten wird. (3) Ver­bo­ten sind die Her­stel­lung, die Ein­fuhr, die Ver­brei­tung, der Ver­kauf, die Ver­mie­tung, die Wer­bung im Hin­blick auf Ver­kauf oder Ver­mie­tung und der ge­werb­li­chen Zwecken die­nende Be­sitz von Vor­rich­tun­gen, Er­zeug­nis­sen oder Be­stand­tei­len so­wie die Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen, die 1.Ge­gen­stand ei­ner Ver­kaufsförde­rung, Wer­bung oder Ver­mark­tung mit dem Ziel der Um­ge­hung wirk­sa­mer tech­ni­scher Maßnah­men sind oder 2.ab­ge­se­hen von der Um­ge­hung wirk­sa­mer tech­ni­scher Maßnah­men nur einen be­grenz­ten wirt­schaft­li­chen Zweck oder Nut­zen ha­ben oder 3.hauptsäch­lich ent­wor­fen, her­ge­stellt, an­ge­passt oder er­bracht wer­den, um die Um­ge­hung wirk­sa­mer tech­ni­scher Maßnah­men zu ermögli­chen oder zu er­leich­tern. … Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 25/2013 vom 07.01.2013 
08.02.2013 nach oben

Das könnte Sie auch interessieren

Albrecht von Bismarck: Anpassung von Lizenzverträgen erforderlich?

Was ändert sich durch den Brexit im ge­werb­li­chen Rechts­schutz?

Un­ter­neh­men soll­ten sich recht­zei­tig vor Ende des Überg­angs­zeit­raums am 31.12.2020 in­for­mie­ren, wie ihre eu­ropäischen Mar­ken, Ge­schmacks­mus­ter oder Pa­tente nach dem Brexit zu be­ur­tei­len sind. Das gilt ins­be­son­dere im Hin­blick auf Li­zenz­verträge über Uni­ons­mar­ken oder Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ter.  ...lesen Sie mehr


Be­klei­dung: Ur­he­ber­recht­li­cher Schutz für Mo­delle?

Mo­del­len kann nicht al­lein auf­grund des Um­stands, dass sie über ih­ren Ge­brauchs­zweck hin­aus eine spe­zi­elle ästhe­ti­sche Wir­kung ha­ben, ur­he­ber­recht­li­cher Schutz zu­kom­men. Um ur­he­ber­recht­lich ge­schützt zu wer­den, muss es sich bei die­sen Mo­del­len um ori­gi­nale Werke han­deln.  ...lesen Sie mehr


Neues Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen

Neues Ge­setz zum Schutz von Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen

Durch das am 26.4.2019 in Kraft ge­tre­tene Ge­setz zum Schutz von Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen (Ge­schGehG) stellt der Ge­setz­ge­ber den Schutz von Ge­schäfts­ge­heim­nis­sen auf eine neue ge­setz­li­che Grund­lage. Um in den Schutz­be­reich des Ge­set­zes zu ge­lan­gen, muss der Ge­heim­nis­in­ha­ber nun­mehr von sich aus ge­eig­nete Ge­heim­hal­tungsmaßnah­men er­grei­fen.  ...lesen Sie mehr


EuGH-Vor­lage: Ur­he­ber­rechts­ver­let­zung durch Framing?

Der BGH hat dem EuGH Fra­gen zur Ur­he­ber­rechts­ver­let­zung durch Framing vor­ge­legt. Der BGH möchte wis­sen, ob eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft den Ab­schluss ei­nes Ver­tra­ges über die Nut­zung von Di­gi­ta­li­sa­ten ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­ter Werke im In­ter­net da­von abhängig ma­chen darf, dass der Nut­zer wirk­same tech­ni­sche Maßnah­men ge­gen so­ge­nann­tes "Framing" er­greift, also ge­gen das Ein­bet­ten der auf dem Ser­ver die­ses Nut­zers ge­spei­cher­ten und auf sei­ner In­ter­net­seite ein­ge­stell­ten In­halte auf der In­ter­net­seite ei­nes Drit­ten.  ...lesen Sie mehr


Nationale Industriestrategie 2030

Na­tio­nale In­dus­trie­stra­te­gie 2030

Die In­dus­trie­po­li­tik in Deutsch­land schließt mit dem vor­ge­stell­ten Stra­te­gie­pa­pier ihre Flan­ken und geht in die Of­fen­sive.  ...lesen Sie mehr