de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

BGH: Keine Briefvorlagepflicht bei berichtigenden Eintragungen im Bestandsverzeichnis des Grundbuchs

Beschluss des BGH vom 7.2.2013 - V ZB 160/12

Eine Flurbereinigungsbehörde ist in einem Grundbuchberichtigungsverfahren aufgrund eines Ersuchens gem. § 79 FlurbG zur Vorlage von Hypotheken- und Grundschuldbriefen verpflichtet, wenn Eintragungen bei den verbrieften Rechten in Abteilung III des Grundbuchs notwendig sind. Erfolgen die berichtigenden Eintragungen allerdings nur im Bestandsverzeichnis des Grundbuchs, besteht keine Pflicht zur Briefvorlage.

Der Sach­ver­halt:
Der A. ist als Eigen­tü­mer der im Grund­buch unter der lau­fen­den Nr. 49 des Bestand­ver­zeich­nis­ses auf­ge­führ­ten Flur­stü­cke 48/1 und 48/2 der Flur 2 ein­ge­tra­gen. In Abtei­lung III des Grund­buchs sind unter den Nr. 6 und 7 zwei auf dem Grund­stück Nr. 49 las­tende Brief­grund­schul­den ein­ge­tra­gen. Er tauschte das Flur­stück 48/2 in einem frei­wil­li­gen Land­tau­sch­ver­fah­ren, das von der Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde gelei­tet wurde, gegen das im Grund­buch unter der lau­fen­den Nr. 10 des Bestand­ver­zeich­nis­ses ein­ge­tra­gene Flur­stück 10 der Flur 28. Als Eigen­tü­mer die­ses nach dem Grund­buch­in­halt unbe­las­te­ten Flur­stücks ist der B. ein­ge­tra­gen.

Die zu Las­ten des getausch­ten Flur­stücks 48/2 ein­ge­tra­ge­nen Grund­schul­den belas­ten nach dem Tausch­plan die­ses Flur­stück nicht mehr, son­dern das Flur­stück 10. Der Tausch­plan ist unan­fecht­bar. Die Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde ord­nete seine Aus­füh­rung an. Als es aller­dings das Grund­buch­amt um die Berich­ti­gung der Grund­bücher ent­sp­re­chend den in dem Tausch­plan getrof­fe­nen Rege­lun­gen ersuchte, machte die­ses die bean­trag­ten Ein­tra­gun­gen von der Vor­lage der für die in Abtei­lung III des Grund­buchs, Blatt 382, unter den Nr. 6 und 7 ein­ge­tra­ge­nen Grund­schul­den erteil­ten Briefe abhän­gig.

Das Grund­buch­amt hat der hier­ge­gen gerich­te­ten Beschwerde der Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde ohne Angabe von Grün­den nicht abge­hol­fen. Das OLG wies das Rechts­mit­tel zurück. Auf die Rechts­be­schwerde der Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde hob der BGH die Beschlüsse auf und wies das Grund­buch­amt an, die Erle­di­gung des Ersu­chens der Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde nicht wegen der feh­len­den Vor­lage der für die im Grund­buch in Abtei­lung III unter den Nr. 6 und 7 ein­ge­tra­ge­nen Rechte erteil­ten Grund­schuld­briefe zu ver­wei­gern.

Die Gründe:
Zwar kann auch im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren auf­grund eines Ersu­chens nach § 79 FlurbG die Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde zur Vor­lage von Grundp­fand­rechts­brie­fen verpf­lich­tet sein. Aller­dings stand hier der Erle­di­gung des Ein­tra­gung­s­er­su­chens die feh­lende Vor­lage der Grund­schuld­briefe nicht ent­ge­gen.

Zu Unrecht hat das Beschwer­de­ge­richt ange­nom­men, dass es sich bei den für die Erle­di­gung des Ein­tra­gung­s­er­su­chens not­wen­di­gen Ein­tra­gun­gen um Ein­tra­gun­gen bei den Grund­schul­den han­delte. In dem Ver­fah­ren des frei­wil­li­gen Land­tau­sches tritt mit dem in der Anord­nung der Aus­füh­rung des unan­fecht­ba­ren Tausch­plans durch die Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde genann­ten Zeit­punkt der neue Rechts­zu­stand ent­sp­re­chend den Fest­le­gun­gen in dem Tausch­plan ein. Die Rechts­än­de­run­gen voll­zie­hen sich außer­halb des Grund­buchs. Das Ersu­chen der Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde um Ein­tra­gung der Rechts­än­de­run­gen in das Grund­buch dient somit der Grund­buch­be­rich­ti­gung. Zusam­men mit den sons­ti­gen Unter­la­gen ersetzt es den Ein­tra­gung­s­an­trag (§ 13 Abs. 1 GBO), Ein­tra­gungs­be­wil-ligun­gen (§ 19 GBO), even­tu­ell not­wen­dige Zustim­mun­gen Drit­ter und den Nach­weis der Unrich­tig­keit des Grund­buchs nach § 22 Abs. 1 GBO.

Infol­ge­des­sen hat das Grund­buch­amt nur zu prü­fen, ob die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen des Ein­tra­gung­s­er­su­chens erfüllt sind, ob es alle für die bean­tragte Ein­tra­gung not­wen­di­gen Anga­ben ent­hält und ob die erfor­der­li­chen Unter­la­gen vor­lie­gen; eine inhalt­li­che Prü­fung des Berich­ti­gung­s­er­su­chens hat es nicht vor­zu­neh­men. Somit war die Folge der Rechts­än­de­rung im vor­lie­gen­den Fall, dass an die Stelle des einen Tausch­flur­stücks 48/2 das andere Tausch­flur­stück 10 trat und umge­kehrt. Das bedeu­tete, dass die Rechts­ver­hält­nisse, die an dem jewei­li­gen Tausch­grund­stück bestan­den, sich ohne wei­te­res an dem ande­ren Tausch­grund­stück fort­setz­ten. Dies galt sowohl für das Eigen­tum als auch für ding­li­che Belas­tun­gen der Tausch­grund­stü­cke.

Somit darf im vor­lie­gen­den Fall die Berich­ti­gung ohne die Vor­lage der Grund­schuld­briefe erfol­gen, da keine Ein­tra­gun­gen bei den Grund­schul­den vor­zu­neh­men sind. Die Brief­vor­lage ist auch nicht des­halb erfor­der­lich, weil das Grund­buch­amt ohne die Briefe die Ver­fü­g­ungs­be­fug­nis der Grund­schuld­gläu­bi­ger nicht prü­fen kann. Die­ser Gesichts­punkt spielt nur bei einer auf einer Wil­len­s­er­klär­ung beru­hen­den Pfan­d­ent­las­sung und der dadurch not­wen­di­gen Löschung des Rechts eine Rolle, nicht jedoch dann, wenn die Flur­be­r­ei­ni­gungs­be­hörde das Grund­buch­amt um die Berich­ti­gung des Grund­buchs ent­sp­re­chend den Fest­le­gun­gen in einem Tausch­plan ersucht. Nach alle­dem ist die Brief­vor­lage jeden­falls dann ent­behr­lich, wenn - wie hier - ein Bestand­teil des haf­ten­den Grund­stücks durch ding­li­che Sur­ro­ga­tion aus­ge­wech­selt wurde, ohne dass sich dar­über hin­aus an den Grund­schul­den etwas geän­dert hat.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH ver­öf­f­ent­licht.
  • Um direkt zum Voll­text zu kom­men, kli­cken Sie bitte hier.
nach oben