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BGH: Firmen mit dem Namensbestandteil "Stadtwerke" müssen zumindest mehrheitlich in kommunaler Hand sein

Urteil des BGH vom 13.6.2012 - I ZR 288/10

Der durch­schnitt­lich in­for­mierte Ver­brau­cher wird re­gelmäßig an­neh­men, dass ein Un­ter­neh­men, in des­sen Firma der Be­stand­teil "Stadt­werke" ent­hal­ten ist, zu­min­dest mehr­heit­lich in kom­mu­na­ler Hand ist, so­fern ent­ge­gen­ste­hende Hin­weise in der Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung feh­len. Als aufklärende Hin­weise rei­chen in die­sem Zu­sam­men­hang Be­stand­teile der ge­schäft­li­chen Be­zeich­nung des Un­ter­neh­mens nicht aus, die der Ver­kehr als Phan­ta­sie­be­zeich­nun­gen auf­fasst und de­nen er kei­nen Hin­weis auf einen wei­te­ren Ge­sell­schaf­ter ent­nimmt.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin, die un­ter "LSW LandE-Stadt­werke Wolfs­burg GmbH & Co. KG" fir­miert, er­bringt im Großraum Wolfs­burg-Gif­horn Dienst­leis­tun­gen im Be­reich Strom, Erd­gas, Fernwärme und Was­ser. Sie ist ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men der LandE GmbH und der Stadt­werke Wolfs­burg AG, de­ren An­teile vollständig von der Stadt Wolfs­burg ge­hal­ten wer­den. Letz­tere ist zu 43 Pro­zent an der Kläge­rin be­tei­ligt. Die übri­gen An­teile hält die LandE GmbH, an der die E-AG mit 69,57 Pro­zent be­tei­ligt ist. An der E-AG wie­derum sind mehr als 100 Kom­mu­nen be­tei­ligt, die ins­ge­samt 34,7 Pro­zent der Ak­tien hal­ten.

Die Be­klagte ist die Stadt Barms­tedt, de­ren kom­mu­na­ler Ei­gen­be­trieb, die "Stadt­werke Barms­tedt", die Ver­sor­gung mit En­er­gie und Was­ser an­bie­tet. Sie sieht in der Ver­wen­dung der Be­zeich­nung "Stadt­werke" in der Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung "LSW LandE - Stadt­werke Wolfs­burg GmbH & Co. KG" eine Ir­reführung der Ver­brau­cher über die ge­schäft­li­chen Verhält­nisse der Kläge­rin. Die Be­klagte mahnte die Kläge­rin im De­zem­ber 2009 ab.

Dar­auf­hin er­hob die Kläge­rin eine ne­ga­tive Fest­stel­lungs­klage. Da­bei be­an­tragt sie, fest­zu­stel­len, dass sie recht­lich nicht ge­hin­dert ist, die Firma LSW LandE-Stadt­werke Wolfs­burg GmbH & Co. KG zu führen. Die Be­klagte ist der Klage ent­ge­gen­ge­tre­ten. Sie ist der An­sicht, der Be­griff "Stadt­werke" dürfe in der Firma ei­nes Un­ter­neh­mens nur dann geführt wer­den, wenn die An­teils­mehr­heit an dem Un­ter­neh­men zu­min­dest über­wie­gend in kom­mu­na­ler Hand sei.

Das LG gab der Klage statt; das OLG wies sie ab. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Re­vi­sion der Kläge­rin blieb vor dem BGH ohne Er­folg.

Die Gründe:
Der Be­klag­ten steht der ge­genüber der Kläge­rin gel­tend ge­machte Un­ter­las­sungs­an­spruch nach §§ 3, 5 Abs. 1 S. 2 Nr. 3, § 8 Abs. 1 S. 1 UWG zu. Die Kläge­rin führt die be­an­stan­dete Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung un­ter Ver­stoß ge­gen das Ir­reführungs­ver­bot; die ne­ga­tive Fest­stel­lungs­klage ist da­her un­begründet.

Das OLG hat rechts­feh­ler­frei an­ge­nom­men, dass die an­ge­spro­che­nen Ver­kehrs­kreise der Firma der Kläge­rin "LSW LandE-Stadt­werke Wolfs­burg GmbH & Co. KG" die Aus­sage ent­neh­men, die öff­ent­li­che Hand halte die An­teils­mehr­heit an dem Un­ter­neh­men, und dass diese Aus­sage un­wahr ist. Der durch­schnitt­lich in­for­mierte Ver­brau­cher ver­steht un­ter einem mit "Stadt­werke" be­zeich­ne­ten Un­ter­neh­men einen kom­mu­na­len oder ge­mein­de­na­hen Ver­sor­gungs­be­trieb, bei dem die Kom­mune einen be­stim­men­den Ein­fluss auf die Un­ter­neh­mens­po­li­tik hat. Die­ser setzt in der Re­gel eine un­mit­tel­bare oder mit­tel­bare Mehr­heits­be­tei­li­gung der Ge­meinde vor­aus.

Von ei­ner der­ar­ti­gen Mehr­heits­be­tei­li­gung - im Streit­fall der Stadt Wolfs­burg - geht das all­ge­meine Pu­bli­kum auch un­ter Berück­sich­ti­gung der vollständi­gen Fir­mie­rung der Kläge­rin aus. Das OLG hat rechts­feh­ler­frei an­ge­nom­men, der Ver­kehr werde we­der dem Be­stand­teil "LSW", der aus den An­fangs­buch­sta­ben der Wörter "LandE", "Stadt­werke" und "Wolfs­burg" ge­bil­det sei, noch der Be­zeich­nung "LandE" einen Hin­weis auf einen wei­te­ren Ge­sell­schaf­ter - hier auf die LandE GmbH - ent­neh­men. Die über­wie­gen­den Teile der Ver­kehrs­kreise könn­ten mit der aus sich her­aus nicht verständ­li­chen Be­zeich­nung "LandE" nichts an­fan­gen.

Die Be­haup­tung ei­ner Mehr­heits­be­tei­li­gung der öff­ent­li­chen Hand, die der Ver­kehr der Un­ter­neh­mens­be­zeich­nung der Kläge­rin ent­nimmt, ist darüber hin­aus sach­lich un­rich­tig. An der Kläge­rin ist die Stadt Wolfs­burg über die Stadt­werke Wolfs­burg AG nur mit 43 Pro­zent be­tei­ligt, während die LandE GmbH Mehr­heits­ge­sell­schaf­te­rin ist. Die öff­ent­li­che Hand hat auch kei­nen be­stim­men­den Ein­fluss auf die LandE GmbH. An die­ser ist die E-AG mehr­heit­lich be­tei­ligt, an der öff­ent­lich-recht­li­che Körper­schaf­ten wie­derum nur eine Min­der­heits­be­tei­li­gung hal­ten.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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