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BGH: Der gegen einen Treugeber gerichtete Anspruch auf Leistung der Einlage kann unmittelbar der Gesellschaft zustehen

Urteil des BGH vom 18.9.2012 - II ZR 201/10

Der gegen einen Treugeber gerichtete Anspruch auf Leistung der Einlage steht unmittelbar der Gesellschaft zu, wenn der in den Treuhandvertrag einbezogene Gesellschaftsvertrag eine unmittelbare Verpflichtung der Treugeber vorsieht und ihnen im Innenverhältnis die Stellung eines unmittelbaren Gesellschafters einräumt.

Der Sach­ver­halt:
Der Beklagte trat im Juli 1999 über die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin P-GmbH der Klä­ge­rin bei, einem Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft. Er über­nahm eine Gesamt­ein­lage von 20.000 DM zzgl. 5 Pro­zent Agio; dar­auf waren ab dem 1.9.1999 190 Monats­ra­ten zu 105 DM (53,69 €) zu leis­ten. Der Beklagte zahlte ledig­lich die Raten bis ein­sch­ließ­lich August 2006.

Der Gesell­schafts­ver­trag (Anlage BK 2 künf­tig: GV) der Klä­ge­rin, der in den Treu­hand­ver­trag zwi­schen der Beklag­ten und der P-GmbH als des­sen Bestand­teil ein­be­zo­gen wurde, ent­hält u.a. fol­gende Rege­lun­gen:

§ 5 Haft-/Fest­ka­pi­tal, varia­b­les Kapi­tal

2. Die Treu­ge­ber der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin sind zur Bar­leis­tung ihrer Gesamt­ein­lage verpf­lich­tet. Die Bar­leis­tung hat inn­er­halb von zehn Tagen ab Annahme des Treu­hand­ver­trag­s­an­ge­bo­tes auf das Gesell­schafts­konto zu erfol­gen, soweit nicht die Erbrin­gung der Gesamt­ein­lage nach einem Ein­zah­lungs­plan ver­ein­bart wurde.

§ 6 Rechts­stel­lung der treu­hän­de­risch betei­lig­ten Gesell­schaf­ter

2. Im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unte­r­ein­an­der wer­den die Treu­ge­ber, für die die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin die Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen treu­hän­de­risch hält, wie unmit­tel­bar betei­ligte Gesell­schaf­ter behan­delt.

§ 17 Betei­li­gung am Ver­mö­gen und am Ergeb­nis, Aus­schüt­tun­gen

3. Für Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber, die ihre Ein­lage nach einem mit der Gesell­schaft ver­ein­bar­ten Ein­zah­lungs­plan (min­des­tens 60 Monats­ra­ten) leis­ten, gilt statt Abs. 2 fol­gende Rege­lung: Mit wirk­sa­mem Bei­tritt ist der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber ent­sp­re­chend den Ein­zah­lun­gen auf die bedun­gene Gesamt­ein­lage mit je vol­len DM 1.000 gem. Abs. 1 am Ver­mö­gen der Gesell­schaft betei­ligt.Wird der Ein­zah­lungs­plan nicht nach den ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen bedi­ent (§ 22 Abs. 1 e), ohne dass der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber aus der Gesell­schaft aus­schei­det, so wird seine Gesamt­ein­lage her­ab­ge­setzt.§ 22 Aus­schei­den von Gesell­schaf­tern 1. Ein Kom­man­di­tist oder Treu­ge­ber schei­det aus der Gesell­schaft aus, wenne) der ver­ein­barte Ein­zah­lungs­plan nicht ver­trags­ge­recht erfüllt wird und die Summe der Ein­zah­lun­gen auf die Gesamt­ein­lage gerin­ger ist als die Summe der auf dem Kapi­tal­konto III belas­te­ten Auf­wen­dun­gen und Kos­ten zzgl. DM 2.500.

Die Klä­ge­rin bean­sprucht die von Sep­tem­ber 2006 bis Dezem­ber 2008 ange­fal­le­nen Raten i.H.v. ins­ge­s­amt rd. 1.500 € zzgl. Zin­sen und Rück­last­schrift­kos­ten. Der Beklagte beruft sich ins­bes. dar­auf, dass die Ein­stel­lung der Raten­zah­lung nach § 17 Nr. 3 GV zur Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage auf die bis­her geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen geführt habe, so dass keine wei­tere Zah­lungspf­licht bestehe.

Das LG gab der Klage statt; das OLG wies sie ab und stellte fest, dass die Betei­li­gung des Beklag­ten an der Klä­ge­rin auf 2.250 € her­ab­ge­setzt sei und keine Zah­lungspf­lich­ten des Beklag­ten mehr bestün­den. Die hier­ge­gen gerich­tete Revi­sion der Klä­ge­rin hatte vor dem BGH kei­nen Erfolg.

Die Gründe:
Die Klä­ge­rin kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung des OLG aus­ste­hende Ein­la­ge­zah­lun­gen aus eige­nem Recht ein­for­dern.

Nach dem Gesell­schafts­ver­trag wer­den die Treu­ge­ber im Innen­ver­hält­nis wie unmit­tel­bar betei­ligte Gesell­schaf­ter behan­delt (§ 6 Nr. 2 GV). Dem­zu­folge haben sie im Innen­ver­hält­nis zur Klä­ge­rin die Stel­lung eines unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters (Quasi-Gesell­schaf­ter) erlangt. Dar­aus erge­ben sich einer­seits unmit­tel­bar gegen die Gesell­schaft beste­hende Rechte der Treu­ge­ber; ande­rer­seits kön­nen gesell­schafts­recht­li­che Verpf­lich­tun­gen im Innen­ver­hält­nis die Treu­ge­ber unmit­tel­bar tref­fen. Vor die­sem Hin­ter­grund ist den ein­schlä­g­i­gen Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges (§ 5 Nr. 2, § 22a GV) zu ent­neh­men, dass der gegen einen Treu­ge­ber gerich­tete Anspruch auf Leis­tung der Gesamt­ein­lage der Gesell­schaft aus eige­nem Recht zusteht.

Die Abwei­sung der Klage und die Fest­stel­lung des OLG, es bestün­den keine wei­te­ren Zah­lungspf­lich­ten des Beklag­ten, stellt sich aber aus ande­ren Grün­den als rich­tig dar (§ 561 ZPO). Der Klä­ge­rin steht gegen den Beklag­ten kein Anspruch auf wei­tere Ein­la­ge­zah­lun­gen ab dem 1.9.2006 zu. Wie das OLG in ande­rem Zusam­men­hang rechts­feh­ler­f­rei ange­nom­men hat, ist die Gesamt­ein­lage des Beklag­ten gem. § 17 Nr. 3 GV auf einen Betrag her­ab­ge­setzt, der der Summe der auf die Ein­lage geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen, ver­min­dert um die in § 17 Nr. 3 GV auf­ge­führ­ten Abzugs­po­si­tio­nen, ent­spricht. Die dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage sind erfüllt. Erfor­der­lich ist nach die­ser Ver­trags­be­stim­mung, dass der Ein­zah­lungs­plan nicht nach den ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen bedi­ent wurde (§ 22 Abs. 1 Buchst. e GV), ohne dass der Treu­ge­ber (des­halb) aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist. Bei­des ist vor­lie­gend der Fall.

Die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage ist auch nicht von einer Ent­schei­dung der Klä­ge­rin abhän­gig, wie die Revi­sion meint. Denn schon nach §§ 133, 157 BGB ist dem Gesell­schafts­ver­trag unab­hän­gig von der Anwend­bar­keit des § 5 AGBG (§ 305c Abs. 2 BGB nF) aus der Sicht eines durch­schnitt­li­chen Anle­gers zu ent­neh­men, dass die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage nicht der Zustim­mung der Klä­ge­rin bedarf. Das OLG hat rechts­feh­ler­f­rei ange­nom­men, dass die Her­ab­set­zung der Ein­lage bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen ohne wei­te­res ein­tritt.

Die Her­ab­set­zung der Gesamt­ein­lage nach § 17 Nr. 3 GV hat zur Folge, dass der Gesell­schaf­ter oder Treu­ge­ber keine wei­te­ren Raten zu leis­ten hat, da der Betrag der Gesamt­ein­lage für die in § 5 Nr. 2 GV begrün­dete Zah­lungspf­licht maß­ge­bend ist. Der Gesell­schaf­ter ist auch nicht (mehr) verpf­lich­tet, die bis zum Abbruch des Ein­zah­lungs­plans fäl­lig gewor­de­nen Raten nach­zu­en­trich­ten. Denn die ver­trag­li­che Rege­lung legt unmiss­ver­ständ­lich fest, dass die her­ab­ge­setzte Gesamt­ein­lage im Aus­gangs­be­trag, von dem sodann noch die in § 17 Nr. 3 GV im Ein­zel­nen gere­gel­ten Abzüge vor­zu­neh­men sind, der Summe der auf die Ein­lage geleis­te­ten Ein­zah­lun­gen ent­spricht.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH ver­öf­f­ent­licht.
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