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BGH: Beweiserleichterungen nach dem Transfusionsgesetz finden bei homöopathischen Eigenblutprodukten keine Anwendung

Urteil des BGH vom 17.1.2012 - VI ZR 336/10

Die nach Trans­fu­si­ons­ge­setz gel­ten­den Be­wei­ser­leich­te­run­gen für ge­schädigte Pa­ti­en­ten fin­den bei In­jek­tio­nen von homöopa­thi­schen Ei­gen­blut­pro­duk­ten keine An­wen­dung. Auch der enge zeit­li­che Zu­sam­men­hang ei­ner In­fek­tion mit ei­ner In­jek­tion stellt noch kei­nen ty­pi­schen Ge­sche­hens­ab­lauf dar, der einen An­scheins­be­weis für die In­fek­tion durch die In­jek­tion recht­fer­ti­gen könnte.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin be­fand sich zwi­schen Mai und Juli 2005 bei der be­klag­ten Heil­prak­ti­ke­rin in Be­hand­lung. Bei der Erst­be­hand­lung wurde ihr Blut zur Durchführung ei­ner sog. Ei­gen­blutthe­ra­pie ent­nom­men. Die Be­klagte hat das der Kläge­rin ent­nom­mene Blut so­fort zen­tri­fu­giert, das so ge­won­nene Se­rum mit Koch­salz und No­so­den auf­be­rei­tet, in 20 gleich große Sprit­zen gefüllt und diese in ei­ner mit dem Na­men der Kläge­rin be­schrif­te­ten Dose ein­ge­fro­ren.

Die Kläge­rin machte später gel­tend, die Be­klagte habe ihr im Juni 2005 zwei Sprit­zen ver­ab­reicht, von de­nen eine nicht mit dem Ei­gen­blut der Kläge­rin, son­dern mit in­fi­zier­tem Fremd­blut gefüllt ge­we­sen sei. Hier­durch habe sie sich eine In­fek­tion mit He­pa­ti­tis-C-Vi­ren zu­ge­zo­gen, an de­ren Fol­gen sie noch heute leide. Dar­auf­hin nahm sie die Be­klagte auf Er­satz ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Scha­dens so­wie Fest­stel­lung in An­spruch.

Die Klage hatte in den Vor­in­stan­zen kei­nen Er­folg. Das OLG hat al­ler­dings die Re­vi­sion zu­ge­las­sen, weil höchstrich­ter­lich noch nicht ent­schie­den wor­den sei, aber der Klärung bedürfe, ob die Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten des Trans­fu­si­ons­ge­set­zes (TFG) auf Ei­gen­blutthe­ra­pien von Heil­prak­ti­kern An­wen­dung fin­den und ob bei An­wen­dung des TFG un­ter den ge­ge­be­nen Umständen der Kläge­rin Be­wei­ser­leich­te­run­gen zu Gute kom­men. Die Re­vi­sion blieb je­doch vor dem BGH er­folg­los.

Die Gründe:
Die Auf­fas­sung des Be­ru­fungs­ge­richts, dass die Kläge­rin für eine In­fek­tion mit He­pa­ti­tis-C-Vi­ren auf­grund ei­ner im Juni 2005 er­folg­ten Fremd­blu­tin­jek­tion be­weisfällig ge­blie­ben war, war aus Rechtsgründen nicht zu be­an­stan­den.

Ins­be­son­dere ließen sich zu­guns­ten der Kläge­rin keine Be­wei­ser­leich­te­run­gen aus einem et­wai­gen Ver­stoß der Be­klag­ten ge­gen die in § 14 TFG (in der zum Be­hand­lungs­zeit­punkt gel­ten­den Fas­sung) ge­re­gel­ten Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten her­lei­ten. Für den Streit­fall kam es da­bei nicht dar­auf an, ob das TFG im Re­gel­fall auf Heil­prak­ti­ker An­wen­dung fin­det, ob­wohl nach dem Wort­laut des § 4 TFG a.F. Nor­madres­sat die "be­han­delnde ärzt­li­che Per­son" ist. Die Be­stim­mun­gen des Trans­fu­si­ons­ge­set­zes fand viel­mehr nach § 28 Fall 2 TFG a.F. keine An­wen­dung, weil die Be­klagte der Kläge­rin ein homöopa­thi­sches Ei­gen­blut­pro­dukt in­ji­ziert hatte.

Die­ses Er­geb­nis ent­sprach auch der vom Ge­setz­ge­ber mit § 28 TFG ver­folg­ten In­ten­tion, we­gen we­sent­li­cher Un­ter­schiede im Ent­nah­me­vor­gang, in der ent­nom­me­nen Menge, Her­stel­lung und An­wen­dung von homöopa­thi­schen Ei­gen­blut­pro­duk­ten im Ver­gleich zu herkömm­li­chen Ei­gen­blut­spen­den eine Aus­nah­me­re­ge­lung von den im TFG nor­mier­ten Pflich­ten zu­zu­las­sen. War mit­hin eine un­zu­rei­chende Do­ku­men­ta­tion durch die Be­klagte man­gels ei­ner Pflicht zu ei­ner um­fang­rei­che­ren Do­ku­men­ta­tion im Streit­fall nicht ge­ge­ben, konn­ten schon des­halb nicht die vom er­ken­nen­den Se­nat ent­wi­ckel­ten Be­weis­grundsätze bei Ver­let­zung der ärzt­li­chen Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht ent­spre­chend her­an­ge­zo­gen wer­den.

Auch im Übri­gen ka­men der Kläge­rin aber keine Be­wei­ser­leich­te­run­gen zu Gute. Zwar hat der er­ken­nende Se­nat einen An­scheins­be­weis für die In­fek­tion durch eine kon­ta­mi­nierte Blut­kon­serve an­ge­nom­men, wenn bei dem Empfänger von Blut­pro­duk­ten nach der Trans­fu­sion eine HIV-In­fek­tion auf­trat, ohne dass er ei­ner HIV-gefähr­de­ten Ri­si­ko­gruppe an­gehörte, und die Kon­ta­mi­nie­rung der ver­wen­de­ten Blut­kon­serve mit dem HIV-Er­re­ger fest­stand. Al­lein der enge zeit­li­che Zu­sam­men­hang ei­ner In­fek­tion mit ei­ner In­jek­tion - wie hier - stellt je­doch noch kei­nen ty­pi­schen Ge­sche­hens­ab­lauf dar, der einen An­scheins­be­weis für die In­fek­tion durch die In­jek­tion recht­fer­ti­gen könnte.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH veröff­ent­licht.
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