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BGH bejaht Zulässigkeit der Angabe eines Postfachs als Widerrufsadresse bei Fernabsatzverträgen

Urteil des BGH vom 25. Januar 2012 - VIII ZR 95/11
Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat am 25.01.2012 eine Ent­schei­dung zu der Frage ge­trof­fen, ob für eine ord­nungs­gemäße Wi­der­rufs­be­leh­rung bei einem Fern­ab­satz­ge­schäft die An­gabe ei­ner Post­fachadresse des Wi­der­rufs­adres­sa­ten aus­reicht.
Der Kläger schloss mit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, einem En­er­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, im Jahre 2008 im Wege des Fern­ab­sat­zes einen Son­der­ver­trag über den lei­tungs­ge­bun­de­nen Be­zug von Erd­gas. Der Ver­trag sah für die Dauer der bis zum 31. Au­gust 2010 ver­ein­bar­ten Lauf­zeit einen Fest­preis vor und räumte dem Kläger ein Wi­der­rufs­recht ein. Die Wi­der­rufs­be­leh­rung ent­hielt als An­schrift des­je­ni­gen, ge­genüber dem der Wi­der­ruf zu erklären ist, die Post­fachadresse der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten.
Am 1. Ok­to­ber 2009 erklärte der Kläger den Wi­der­ruf sei­ner Ver­trags­erklärung. Die Be­klagte ak­zep­tierte den Wi­der­ruf nicht. Mit der Klage be­gehrt der Kläger die Fest­stel­lung, dass das Ver­trags­verhält­nis durch den Wi­der­ruf wirk­sam be­en­det wor­den sei. Die Klage hat in den Vor­in­stan­zen kei­nen Er­folg ge­habt.
Die da­ge­gen ge­rich­tete Re­vi­sion des Klägers ist ohne Er­folg ge­blie­ben. Der un­ter an­de­rem für das Kauf­recht zuständige VIII. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die An­gabe ei­nes Post­fachs als Wi­der­rufs­adresse im Fern­ab­satz den zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen genügte (§ 312d Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Satz 1**, § 312c Abs. 2*, § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB aF***).
Bei Fern­ab­satz­ge­schäften ist gemäß § 312c Abs. 2, § 312d Abs. 2 Satz 1, Art. 245 EGBGB****, § 1 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1, Abs. 1 Nr. 10 BGB-In­foV aF***** der Un­ter­neh­mer ver­pflich­tet, dem Ver­brau­cher das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Wi­der­rufs- oder Rück­ga­be­rechts so­wie die Be­din­gun­gen und die Ein­zel­hei­ten der Ausübung, ins­be­son­dere Na­men und An­schrift des­je­ni­gen, ge­genüber dem der Wi­der­ruf zu erklären ist, mit­zu­tei­len. Die An­gabe ei­ner Post­fachadresse als Wi­der­rufs­adresse genügt, wie der Bun­des­ge­richts­hof vor In­kraft­tre­ten der BGB-In­foV (BGH, Ur­teil vom 11. April 2002 – I ZR 306/99, NJW 2002, 2391 un­ter II – Post­fach­an­schrift) be­reits ent­schie­den hat, den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen. Daran ist auch nach dem In­kraft­tre­ten der BGB-In­foV fest­zu­hal­ten. Der Ver­brau­cher wird durch die An­gabe ei­ner Post­fachadresse in glei­cher Weise wie durch die An­gabe ei­ner Haus­an­schrift in die Lage ver­setzt, seine Wi­der­rufs­erklärung auf den Post­weg zu brin­gen. Seine "la­dungsfähige" An­schrift mus­ste der Un­ter­neh­mer bei einem Fern­ab­satz­ver­trag oh­ne­hin an­ge­ben (§ 1 Abs. 1 Nr. 3 BGB-In­foV aF*), was im zu ent­schei­den­den Fall auch un­strei­tig ge­sche­hen war.
*§ 312c Un­ter­rich­tung des Ver­brau­chers bei Fern­ab­satz­verträgen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung) (2) Der Un­ter­neh­mer hat dem Ver­brau­cher fer­ner die Ver­trags­be­stim­mun­gen ein­schließlich der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen so­wie die in der Rechts­ver­ord­nung nach Ar­ti­kel 240 des Einführungs­ge­set­zes zum Bürger­li­chen Ge­setz­bu­che be­stimm­ten In­for­ma­tio­nen in dem dort be­stimm­ten Um­fang und der dort be­stimm­ten Art und Weise in Text­form mit­zu­tei­len … **§ 312d BGB: Wi­der­rufs- und Rück­ga­be­recht bei Fern­ab­satz­verträgen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung) (1) Dem Ver­brau­cher steht bei einem Fern­ab­satz­ver­trag ein Wi­der­rufs­recht nach § 355 zu. An­stelle des Wi­der­rufs­rechts kann dem Ver­brau­cher bei Verträgen über die Lie­fe­rung von Wa­ren ein Rück­ga­be­recht nach § 356 ein­geräumt wer­den. (2) Die Wi­der­rufs­frist be­ginnt ab­wei­chend von § 355 Abs. 2 Satz 1 nicht vor Erfüllung der In­for­ma­ti­ons­pflich­ten gemäß § 312c Abs. 2 … ***§ 355 BGB: Wi­der­rufs­recht bei Ver­brau­cher­verträgen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung) (1) Wird einem Ver­brau­cher durch Ge­setz ein Wi­der­rufs­recht nach die­ser Vor­schrift ein­geräumt, so ist er an seine auf den Ab­schluss des Ver­trags ge­rich­tete Wil­lens­erklärung nicht mehr ge­bun­den, wenn er sie frist­ge­recht wi­der­ru­fen hat. Der Wi­der­ruf muss keine Begründung ent­hal­ten und ist in Text­form oder durch Rück­sen­dung der Sa­che in­ner­halb von zwei Wo­chen ge­genüber dem Un­ter­neh­mer zu erklären; zur Frist­wah­rung genügt die recht­zei­tige Ab­sen­dung. (2) Die Frist be­ginnt mit dem Zeit­punkt, zu dem dem Ver­brau­cher eine deut­lich ge­stal­tete Be­leh­rung über sein Wi­der­rufs­recht, die ihm ent­spre­chend den Er­for­der­nis­sen des ein­ge­setz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tels seine Rechte deut­lich macht, in Text­form mit­ge­teilt wor­den ist, die auch Na­men und An­schrift des­je­ni­gen, ge­genüber dem der Wi­der­ruf zu erklären ist, und einen Hin­weis auf den Frist­be­ginn und die Re­ge­lung des Ab­sat­zes 1 Satz 2 enthält. … ****Art. 245 EGBGB Das Bun­des­mi­nis­te­rium der Jus­tiz wird ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung, die der Zu­stim­mung des Bun­des­ra­tes nicht be­darf, 1.In­halt und Ge­stal­tung der dem Ver­brau­cher gemäß § 355 Abs. 2 Satz 1, § 356 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und den diese ergänzen­den Vor­schrif­ten des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs mit­zu­tei­len­den Be­leh­rung über das Wi­der­rufs- und Rück­ga­be­recht fest­zu­le­gen … *****§ 1 In­for­ma­ti­ons­pflich­ten bei Fern­ab­satz­verträgen (in der bis zum 10. Juni 2011 gel­ten­den Fas­sung, vgl. nun Art. 246 § 1 EG-BGB) (1) Der Un­ter­neh­mer muss dem Ver­brau­cher gemäß § 312c Abs. 1 des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs fol­gende In­for­ma­tio­nen zur Verfügung stel­len: … 3. die la­dungsfähige An­schrift des Un­ter­neh­mers … 10. das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Wi­der­rufs- oder Rück­ga­be­rechts so­wie die Be­din­gun­gen, Ein­zel­hei­ten der Ausübung, ins­be­son­dere Na­men und An­schrift des­je­ni­gen, ge­genüber dem der Wi­der­ruf zu erklären ist, und die Rechts­fol­gen des Wi­der­rufs oder der Rück­gabe, ein­schließlich In­for­ma­tio­nen über den Be­trag, den der Ver­brau­cher im Fall des Wi­der­rufs oder der Rück­gabe gemäß § 357 Abs. 1 des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs für die er­brachte Dienst­leis­tung zu zah­len hat, (4) Der Un­ter­neh­mer hat dem Ver­brau­cher gemäß § 312c Abs. 2 des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs fol­gende In­for­ma­tio­nen in Text­form mit­zu­tei­len: 1. die in Ab­satz 1 ge­nann­ten In­for­ma­tio­nen Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 14/2012 vom 25.01.2012
26.01.2012 nach oben

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