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BGH: Bei Zahlungsansprüchen infolge von Nachbarrechtsstreitigkeiten ist keine vorherige Streitschlichtung nötig

Urteil des BGH vom 2.3.2012 - V ZR 169/11

Zah­lungs­an­sprüche in­folge von Nach­bar­rechts­strei­tig­kei­ten un­ter­lie­gen in NRW nicht der ob­li­ga­to­ri­schen Streit­schlich­tung nach § 15a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EG­ZPO und § 10 Abs. 1 Nr. 1a GüSchlG NRW (= § 53 Abs. 1 Nr. 1a JustG NRW). Ein Schlich­tungs­ver­such vor der Er­he­bung der Klage zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten ist viel­mehr für an­dere Strei­tig­kei­ten über An­sprüche aus den in § 906 BGB ge­re­gel­ten Ein­wir­kun­gen vor­ge­schrie­ben.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläger ver­lang­ten von der Be­klag­ten in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 906 Abs. 2 S. 2 BGB Geld­aus­gleich für einen durch Haus­schwamm ent­stan­de­nen Scha­den an ih­rem an der Grundstücks­grenze ste­hen­den Fach­werk­haus. Die Be­klagte soll auf ih­rem Grundstück Erd­reich so ab­ge­la­gert ha­ben, dass es an der mit Schie­fer ver­klei­de­ten Wand des Fach­werk­hau­ses an­liegt und Feuch­tig­keit in diese Wand lei­tet. Die Kläger hat­ten nach dem Schei­tern ei­ner außer­ge­richt­li­chen Ei­ni­gung ein selbständi­ges Be­weis­ver­fah­ren durch­geführt und an­schließend ohne vor­he­ri­ges Güte­ver­fah­ren nach der da­mals gel­ten­den Vor­schrift des § 10 Abs. 1 Nr. 1 GüSchl NRW (heute: § 53 JustG NRW) Klage er­ho­ben.

Das LG ver­ur­teilte die Be­klagte un­ter Zurück­wei­sung der wei­ter­ge­hen­den Klage zur Zah­lung von rund 49.208 €; das OLG wies die Klage als un­zulässig ab. Es war der An­sicht, in NRW seien Kla­gen aus § 906 BGB gem. § 10 Abs. 1 Nr. 1a GüSchlG NRW (heute: § 53 Abs. 1 Nr. 1a JustG NRW) nur nach einem vor­aus­ge­gan­ge­nen Schlich­tungs­ver­fah­ren zulässig. Auf die Re­vi­sion der Kläger hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil auf und wies die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das OLG zurück.

Die Gründe:
Ent­ge­gen der An­sicht des OLG ist eine Klage auf Zah­lung ei­nes an­ge­mes­se­nen Aus­gleichs in Geld in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 906 Abs. 2 S. 2 BGB, um die es hier ging, keine Strei­tig­keit we­gen der in § 906 BGB ge­re­gel­ten Ein­wir­kun­gen nach § 10 Abs. 1 Nr. 1a GüSchlG NRW.

Das konnte sich schon dar­aus er­ge­ben, dass die bun­des­recht­li­che Ermäch­ti­gung in § 15a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EG­ZPO, de­ren Tat­be­stand der nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber wört­lich in das Lan­des­recht über­nom­men hatte, nur Be­sei­ti­gungs- und Un­ter­las­sungs­an­sprüche, aber keine Zah­lungs­an­sprüche er­fasst. Ob das der Fall ist, ist um­strit­ten, mus­ste im vor­lie­gen­den Fall al­ler­dings nicht ent­schie­den wer­den.

Mit § 10 Abs. 1 Nr. 1a GüSchlG NRW (heute: § 53 Abs. 1 Nr. 1a JustG NRW) wird ein Schlich­tungs­ver­such vor der Er­he­bung der Klage zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten nicht für Zah­lungs­kla­gen, son­dern nur für an­dere Strei­tig­kei­ten über An­sprüche aus den in § 906 BGB ge­re­gel­ten Ein­wir­kun­gen vor­ge­schrie­ben. Diese Ein­schränkung fin­det al­ler­dings im Wort­laut so­wohl des hier noch maßgeb­li­chen § 10 Abs. 1 GüSchlG NRW als auch des heute gel­ten­den § 53 Abs. 1 JustG NRW kei­nen ausdrück­li­chen Nie­der­schlag. Sie er­gibt sich aber zwin­gend aus der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Norm. Der Se­nat hat das für die wort­glei­che Vor­schrift des hes­si­schen Lan­des­rechts ent­schie­den (Az.: V ZR 69/08). Der BGH ist, ohne das näher aus­zuführen, für das Land NRW von ei­ner übe­rein­stim­men­den Rechts­lage aus­ge­gan­gen (Az.: VI ZR 221/07).

Die Erwägung des OLG, der Ge­setz­ge­ber des Lan­des NRW ver­stehe seine mit der hes­si­schen Re­ge­lung in § 1 Abs. 1 Nr. 1a hess. SchlichtG wört­lich übe­rein­stim­mende Re­ge­lung an­ders als jene, traf nicht zu. Die Rechts­lage in NRW ist bei den Zah­lungs­kla­gen nicht an­ders als die in Hes­sen. Un­er­heb­lich war, dass der Ge­setz­ge­ber in NRW, an­ders als der des Lan­des Hes­sen, bei die­ser Ge­le­gen­heit eine ob­li­ga­to­ri­sche Streit­schlich­tung auch für Strei­tig­kei­ten über An­sprüche nach Ab­schnitt 3 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes ein­geführt hatte. In­fol­ge­des­sen setzte die Er­he­bung der Klage nicht die Durchführung ei­nes Schlich­tungs­ver­suchs vor­aus. Die Klage durfte nicht als un­zulässig ab­ge­wie­sen wer­den.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH veröff­ent­licht.
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