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BGH: Auch nur 2 Millimeter große Grundpreisangaben für in Supermärkten angebotene Waren können noch als lesbar anzusehen sein

Urteil des BGH 7.3.2013 - I ZR 30/12

Eine Grund­preis­an­gabe für in Su­permärk­ten an­ge­bo­tene Wa­ren kann auch dann noch als deut­lich les­bar i.S.v. § 1 Abs. 6 S. 2 PAngV an­zu­se­hen sein, wenn die da­bei ver­wen­dete Schriftgröße nur 2 Mil­li­me­ter beträgt. Maßgeb­lich sind ne­ben der Schriftgröße u.a. auch das Druck­bild, das heißt u.a. die Wort- und Zah­len­an­ord­nung, die Glie­de­rung, das Pa­pier, die Farbe, der Hin­ter­grund so­wie der Ab­stand, aus dem der Ver­brau­cher die An­gabe liest.

Der Sach­ver­halt:
Die Be­klagte be­treibt Su­permärkte, in de­nen sie ihre Wa­ren u.a. in Ver­kaufs­gon­deln und -re­ga­len an­bie­tet. Die dort an­ge­brach­ten Preis­schil­der sind so ge­stal­tet, dass ne­ben dem groß auf­ge­druck­ten Preis, den et­was klei­ne­ren An­ga­ben zum Pro­dukt­na­men, des Ge­samt­ge­wichts und dem Bar­code der Grund­preis nur in deut­lich klei­ne­rer Schrift zu le­sen ist.

Der Kläger ist ein in die Liste qua­li­fi­zier­ter Ein­rich­tun­gen nach § 4 UKlaG ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein. Er be­an­stan­det, dass die Grund­preise auf den Preis­schil­dern der Be­klag­ten in ei­ner Schrift an­ge­ge­ben sind, de­ren Höhe nur zwei Mil­li­me­ter beträgt; da­mit sei die Grund­preis­an­gabe ent­ge­gen den An­for­de­run­gen der PAngV nicht deut­lich zu le­sen. Der Kläger be­gehrt Un­ter­las­sung und Er­satz von Ab­mahn­kos­ten.

Das LG gab der Klage statt; das OLG wies sie ab. Die Re­vi­sion des Klägers hatte vor dem BGH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Das OLG hat zu Recht an­ge­nom­men, dass die vom Kläger be­an­stan­de­ten Grund­preis­an­ga­ben gem. § 2 Abs. 1 S. 1 PAngV noch deut­lich les­bar i.S.v. § 1 Abs. 6 S. 2 PAngV sind.

Die PAngV dient dem Zweck, durch zu­tref­fende und vollständige Ver­brau­cher­in­for­ma­tio­nen Preis­wahr­heit und -klar­heit zu gewähr­leis­ten, durch op­ti­male Preis­ver­gleichsmöglich­kei­ten die Stel­lung der Ver­brau­cher ge­genüber Han­del und Ge­werbe zu stärken und den Wett­be­werb zu fördern. Nach § 1 Abs. 6 S. 2 PAngV müssen die in der PAngV vor­ge­se­he­nen An­ga­ben ein­deu­tig zu­ge­ord­net, leicht er­kenn­bar und deut­lich les­bar oder sonst gut wahr­nehm­bar sein.

Eine Preis­an­gabe ent­spricht dann dem in § 1 Abs. 6 S. 2 PAngV auf­ge­stell­ten Ge­bot der deut­li­chen Les­bar­keit, wenn sie von einem Ver­brau­cher mit nor­ma­ler Seh­kraft aus an­ge­mes­se­ner Ent­fer­nung ohne Hilfs­mit­tel und ohne Mühe ge­le­sen wer­den kann. Die Frage, ob eine An­gabe diese Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, ist je nach Ein­zel­fall zu be­ur­tei­len, wo­bei ne­ben der Schriftgröße auch das Druck­bild, das heißt u.a. die Wort- und Zah­len­an­ord­nung, die Glie­de­rung, das Pa­pier, die Farbe so­wie der Hin­ter­grund von Be­deu­tung sind; zu­dem ist der Ab­stand zu berück­sich­ti­gen, aus dem der Ver­brau­cher die An­gabe liest. Ex­akte Min­dest­schriftgrößen wer­den in der PAngV nicht vor­ge­ge­ben.

Das OLG hat zu Recht an­ge­nom­men, dass ein Ver­brau­cher, der beim Ein­kauf Preise ver­glei­chen will, die be­an­stan­de­ten Grund­preis­an­ga­ben der Be­klag­ten aus ei­ner Ent­fer­nung von 50 cm ohne wei­te­res le­sen kann. Hierzu trägt der Um­stand bei, dass die Grund­preise kon­trast­reich und in einem um­ran­de­ten Kästchen über­sicht­lich zu­sam­men­ge­fasst dar­ge­stellt sind. Da­mit ist ins­ge­samt gewähr­leis­tet, dass der Ver­brau­cher, der vor den Re­ga­len steht, die Grund­preise je­den­falls bei Wa­ren ohne Mühe zur Kennt­nis neh­men kann, die in den Su­permärk­ten der Be­klag­ten in den mitt­le­ren und oberen Fächern der Ver­kaufs­re­gale an­ge­bo­ten wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für die Grund­preise der in den Su­permärk­ten der Be­klag­ten in Ver­kaufs­gon­deln an­ge­bo­te­nen Wa­ren.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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