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BFH zur Frage eines Steuererlasses bei sanierungsbedingtem Forderungsverzicht

Beschluss des BFH vom 28.2.2012 - VIII R 2/08

Die weit­hin mit Span­nung er­war­tete BFH-Ent­schei­dung, ob die Steu­er­bar­keit ei­nes Sa­nie­rungs­ge­winns eine sach­lich un­bil­lige Härte i.S.d. §§ 163, 227 AO dar­stel­len kann, ob­wohl der Ge­setz­ge­ber die Steu­er­be­frei­ung von Sa­nie­rungs­ge­win­nen (§ 3 Nr. 66 EStG a.F.) mit dem Ge­setz zur Fort­set­zung der Un­ter­neh­mens­steu­er­re­form vom 29.10.1997 auf­ge­ho­ben hat, bleibt wei­ter­hin of­fen. Das dies­bezügli­che Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ist ohne Sa­ch­ent­schei­dung er­le­digt.

Der Sach­ver­halt:
Nach­dem das Fi­nanz­amt den Ge­winn­fest­stel­lungs­be­scheid 2000 für die Pra­xis des Klägers un­ter An­satz ei­nes höheren Ge­winns im Zu­sam­men­hang mit dem For­de­rungs­ver­zicht ei­nes Gläubi­gers - we­gen feh­len­der Vor­aus­set­zun­gen für die An­nahme ei­nes steu­er­begüns­tig­ten Sa­nie­rungs­ge­winns - geändert hatte, be­an­trag­ten die Kläger un­ter Be­ru­fung auf das BMF-Schrei­ben vom 27.3.2003 (IV A6-S 2140-8/03), die auf die er­las­sene For­de­rung ent­fal­lende Ein­kom­men­steuer aus Bil­lig­keitsgründen zu er­las­sen. Die Steu­er­behörde lehnte dies mit der Begründung ab, die Vor­aus­set­zun­gen für einen Sa­nie­rungs­ge­winn nach Maßgabe des BMF-Schrei­bens lägen nicht vor.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Zur Begründung führte es im We­sent­li­chen aus, dass schon we­gen der Ab­schaf­fung der Steu­er­begüns­ti­gung des Sa­nie­rungs­ge­winns in § 3 Nr. 66 EStG a.F. durch den Ge­setz­ge­ber der be­gehrte Er­lass man­gels Rechts­grund­lage nicht in Be­tracht komme. Auf das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen für die An­er­ken­nung ei­nes steu­er­freien Sa­nie­rungs­ge­winns nach dem BMF-Schrei­ben vom 27.3.2003 komme es so­mit nicht an.

Die Be­tei­lig­ten ha­ben den Rechts­streit nun­mehr in der Haupt­sa­che für er­le­digt erklärt, nach­dem dem Kläger im Rah­men ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens Rest­schuld­be­frei­ung gewährt wor­den war. In­fol­ge­des­sen hat der BFH nur noch über die Kos­ten des Ver­fah­rens ent­schie­den.

Die Gründe:
Da die Er­folgs­aus­sich­ten der Re­vi­sion of­fen wa­ren, hielt der Se­nat es für sach­ge­recht, die Ver­fah­rens­kos­ten hälf­tig zu tei­len.

Im Rah­men der im ge­genwärti­gen Ver­fah­rens­sta­dium ge­bo­te­nen sum­ma­ri­schen Prüfung war es zwei­fel­haft, ob die Kläger An­spruch auf die be­gehrte Bil­lig­keitsmaßnahme auf der Grund­lage des BMF-Schrei­bens vom 27.3.2003 ge­habt hätten, weil der Er­lass den Ge­winn aus der Sa­nie­rung von Un­ter­neh­men im Er­geb­nis wei­ter­hin un­ter den ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Nr. 66 EStG a.F. nach Maßgabe der dazu er­gan­ge­nen Recht­spre­chung steu­er­frei stellt. Dies, ob­wohl der Ge­setz­ge­ber diese Steu­er­be­frei­ung mit dem Ge­setz zur Fort­set­zung der Un­ter­neh­mens­steu­er­re­form vom 29.10.1997 auf­ge­ho­ben hatte und diese Be­frei­ung nach § 52 Abs. 2i EStG i.d.F. die­ses Ge­set­zes "letzt­mals auf Erhöhung des Be­triebs­vermögens an­zu­wen­den war, die in dem Wirt­schafts­jahr ent­ste­hen, das vor dem 1.1.1997 en­det". Diese Frist wurde durch das Ge­setz zur Fi­nan­zie­rung ei­nes Bun­des­zu­schus­ses zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vom 19.12.1997 bis zum 31.12.1997 verlängert.

Ob der Wort­laut des Ge­set­zes und die Ge­set­zes­begründung es aus­schließen, die Be­steue­rung ei­nes Sa­nie­rungs­ge­winns im Sinne der auf­ge­ho­be­nen Vor­schrift al­lein auf­grund der §§ 163, 227 AO als sach­lich un­bil­lig an­zu­se­hen und von der Be­steue­rung aus­zu­neh­men, wenn wie im Streit­fall außer der Tat­sa­che des sa­nie­rungs­be­ding­ten Ver­zichts ei­nes Gläubi­gers nach den tatsäch­li­chen Fest­stel­lun­gen des FG we­der be­son­dere sach­li­che oder persönli­che Bil­lig­keitsgründe er­sicht­lich sind, ist strei­tig. Je­den­falls ist die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz, ein ent­spre­chen­der Wille des Ge­setz­ge­bers zur ge­ne­rel­len Steu­er­frei­heit von Sa­nie­rungs­ge­win­nen könne an­ge­sichts der Ab­schaf­fung des § 3 Nr. 66 EStG a.F. nicht an­ge­nom­men wer­den, bei der im Rah­men der Kos­ten­ent­schei­dung vor­zu­neh­men­den sum­ma­ri­schen Prüfung nicht von vorn­her­ein ab­zu­leh­nen. Schließlich hat der Ge­setz­ge­ber bis­lang keine ge­ne­relle Er­satz­re­ge­lung für § 3 Nr. 66 EStG a.F. ge­schaf­fen, son­dern le­dig­lich be­grenzt auf Teil­be­rei­che des Steu­er­rechts eine par­ti­elle Sa­nie­rungs­ge­winn­begüns­ti­gung ein­geführt.

In­fol­ge­des­sen bleibt die weit­hin mit Span­nung er­war­tete BFH-Ent­schei­dung, ob die Steu­er­bar­keit ei­nes Sa­nie­rungs­ge­winns eine sach­lich un­bil­lige Härte i.S.d. §§ 163, 227 AO dar­stel­len kann, ob­wohl der Ge­setz­ge­ber die Steu­er­be­frei­ung von Sa­nie­rungs­ge­win­nen auf­ge­ho­ben hat, wei­ter­hin of­fen (vgl. dazu BFH-Ur­teil vom 14.7.2010, Az.: X R 34/08).

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
  • Um di­rekt zum Voll­text zu ge­lan­gen, kli­cken Sie bitte hier.
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