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BFH zur Anerkennung einer Berufsausbildung bei Au-Pair-Aufenthalt im Ausland - Kindergeld

Urteil des BFH vom 15.03.12 - III R 58/08

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Ur­teil vom 15. März 2012 III R 58/08 seine Recht­spre­chung bestätigt, dass Sprach­auf­ent­halte im Rah­men ei­nes Au-pair-Verhält­nis­ses im Aus­land grundsätz­lich nur dann als Be­rufs­aus­bil­dung an­zu­se­hen sind, wenn sie von einem durch­schnitt­lich min­des­tens zehn Wo­chen­stun­den um­fas­sen­den theo­re­ti­sch-sys­te­ma­ti­schen Sprach­un­ter­richt be­glei­tet wer­den.

Für volljährige Kin­der wird Kin­der­geld u.a. dann ge­zahlt, wenn sie für einen Be­ruf aus­ge­bil­det wer­den. Eine Be­rufs­aus­bil­dung dient dem Er­werb von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Er­fah­run­gen, die als Grund­lage für die Ausübung des an­ge­streb­ten Be­rufs ge­eig­net sind. Sie braucht we­der in ei­ner Aus­bil­dungs- oder Stu­di­en­ord­nung ge­re­gelt noch zur Er­rei­chung ei­nes be­stimm­ten Be­rufs­ziels un­erläss­lich zu sein. Der Sprach­un­ter­richt von Au-pairs wird aber vom BFH für er­for­der­lich ge­hal­ten, weil auch Aus­lands­auf­ent­halte, die nicht Aus­bil­dungs­zwe­cken die­nen, re­gelmäßig zu ei­ner Ver­bes­se­rung der Kennt­nisse in der je­wei­li­gen Lan­des­spra­che führen.

Die Toch­ter des Klägers hielt sich nach dem Ab­itur von Au­gust 2006 bis Juni 2007 als Au-pair in Eng­land auf. Die Klage auf Kin­der­geld hatte in bei­den In­stan­zen kei­nen Er­folg, denn der BFH ging in Übe­rein­stim­mung mit dem Fi­nanz­ge­richt da­von aus, dass die Toch­ter we­ni­ger als zehn Un­ter­richts­stun­den wöchent­lich er­hal­ten hatte, weil der Zeit­auf­wand für Haus­ar­bei­ten nicht ein­be­zo­gen wer­den durfte und der Kläger keine näheren An­ga­ben zu ei­ner be­haup­te­ten sprach­li­chen Un­ter­wei­sung durch die Gast­mut­ter ge­macht hatte.

Aus­lands­auf­ent­halte können al­ler­dings un­abhängig vom Um­fang des Fremd­spra­chen­un­ter­richts als Be­rufs­aus­bil­dung zu qua­li­fi­zie­ren sein, wenn sie von ei­ner Aus­bil­dungs- oder Prüfungs­ord­nung zwin­gend vor­aus­ge­setzt wer­den oder der Vor­be­rei­tung auf einen für die Zu­las­sung zum Stu­dium oder zu ei­ner an­de­ren Aus­bil­dung er­for­der­li­chen Fremd­spra­chen­test die­nen (z.B. TOEFL oder IELTS). Die Toch­ter des Klägers hatte aber le­dig­lich eine Sprachprüfung ab­ge­legt, die für die In­te­gra­tion von Ein­wan­de­rern kon­zi­piert wurde und für die Zu­las­sung zu einem Aus­bil­dungs­gang oder Be­ruf nicht un­mit­tel­bar nütz­lich war.

Quelle: Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 41/2012 vom 06.06.2012

Das Ur­teil des BFH im Voll­text fin­den Sie hier.

 

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