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BFH zur Änderung im Gesellschafterbestand einer grundbesitzenden Personengesellschaft

Urteil des BFH vom 29.2.2012 - II R 57/09

Die Über­tra­gung von min­des­tens 95 % der An­teile an ei­ner grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft ist auch dann nach § 1 Abs. 2a GrEStG steu­er­bar, wenn der (Alt-)Ge­sell­schaf­ter nach der Über­tra­gung der An­teile wei­ter mit­tel­bar im vollen Um­fang an der grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft be­tei­ligt bleibt. Die da­nach ent­stan­dene Grund­er­werb­steuer wird al­ler­dings nach § 6 Abs. 3 S. 1 i.V.m. Abs. 1 S. 1 GrEStG ins­ge­samt nicht er­ho­ben, wenn der teils un­mit­tel­bar, teils mit­tel­bar über eine Ka­pi­tal­ge­sell­schaft be­tei­ligte Ge­sell­schaf­ter seine An­teile auf eine an­dere Per­so­nen­ge­sell­schaft überträgt und er an die­ser Per­so­nen­ge­sell­schaft un­mit­tel­bar al­lein be­tei­ligt ist.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin war nach er­folg­ter An­wachs­ung Rechts­nach­fol­ge­rin der S-KG ge­wor­den. An die­ser grundstücks­be­sit­zen­den Ge­sell­schaft war die H-AG be­tei­ligt. Den ver­blei­ben­den An­teil hielt die S-GmbH, an der wie­derum die H-AG zu 100 % be­tei­ligt war. Später über­trug die H-AG so­wohl ih­ren un­mit­tel­ba­ren An­teil an der S-KG i.H.v. 99 % als auch ih­ren An­teil von 100 % an der S-GmbH auf die H-KG. Am Ka­pi­tal der H-KG war die H-AG zu 100 % be­tei­ligt. Die Vorgänge wur­den Mitte No­vem­ber 2001 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.

Das Fi­nanz­amt sah durch die Aus­glie­de­rung der un­mit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Be­tei­li­gung der H-AG an der S-KG den Tat­be­stand des § 1 Abs. 2a GrEStG in der nach des­sen § 23 Abs. 6 S. 2 u. Abs. 7 auf nach dem 31.12.1999 und vor dem 1.1.2002 ver­wirk­lichte Er­werbs­vorgänge an­wend­ba­ren Fas­sung des StEntlG 1999/2000/2002 als erfüllt an. Nach­dem der Grund­be­sitz­wert der zum Vermögen der S-KG gehören­den Grundstücke fest­ge­stellt wor­den war, setzte die Behörde ge­gen die S-KG Grund­er­werb­steuer für die Über­tra­gung des 1 % be­tra­gen­den An­teils der H-AG an der S-GmbH auf die H-KG fest. Für die Über­tra­gung des 99 % be­tra­gen­den An­teils der H-AG wurde die Steuer nach § 6 Abs. 3 S. 1 i.V.m. Abs. 1 S. 1 GrEStG nicht er­ho­ben.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Das Fi­nanz­amt war der An­sicht, eine ent­spre­chende An­wen­dung des § 6 Abs. 3 S. 1 GrEStG auf Fälle ei­ner mit­tel­ba­ren Verände­rung des Ge­sell­schaf­ter­be­stan­des gehe zu weit und laufe auf eine auf wirt­schaft­li­chen Erwägun­gen be­ru­hende Durch­griffs­be­trach­tung hin­aus. Die Re­vi­sion der Behörde blieb vor dem BFH al­ler­dings er­folg­los.

Die Gründe:
Das FG war zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass für die An­teilsüber­tra­gun­gen auf die H-KG ins­ge­samt keine Grund­er­werb­steuer zu er­he­ben war.

Zwar un­ter­fie­len die An­teilsüber­tra­gun­gen der H-AG auf die H-KG dem § 1 Abs. 2a S. 1 GrEStG. Schließlich ist die Über­tra­gung von min­des­tens 95 % der An­teile an ei­ner grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft auch dann nach § 1 Abs. 2a GrEStG steu­er­bar, wenn der (Alt-)Ge­sell­schaf­ter nach der Über­tra­gung der An­teile wei­ter mit­tel­bar im vollen Um­fang an der grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft be­tei­ligt bleibt. Diese am Wort­laut des § 1 Abs. 2a GrEStG ori­en­tierte Auf­fas­sung steht auch im Ein­klang mit den zu § 1 Abs. 3 GrEStG ent­wi­ckel­ten Grundsätzen.

Im vor­lie­gen­den Fall war die ur­sprüng­lich nicht am Vermögen der S-KG be­tei­ligte H-KG durch die Über­tra­gung der An­teile der H-AG - neu - zu 99 % an dem Ge­samt­hands­vermögen der S-KG be­tei­ligt wor­den. Darin lag ein zi­vil­recht­lich wirk­sa­mer Überg­ang der Mit­glied­schafts­rechte ein­schließlich der an­tei­li­gen sa­chen­recht­li­chen Mit­be­rech­ti­gung am Ge­sell­schafts­vermögen der S-KG auf ein neues Mit­glied der Per­so­nen­ge­sell­schaft. Der An­wen­dung des § 1 Abs. 2a S. 1 GrEStG stand nicht ent­ge­gen, dass die H-AG auch nach der Über­tra­gung der un­mit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Be­tei­li­gung an der S-KG auf die H-KG wei­ter­hin, nun­mehr al­ler­dings mit­tel­bar, ins­ge­samt zu 100 % am Ge­sell­schafts­vermögen der S-KG be­tei­ligt blieb und die Über­tra­gung der An­teile auf die H-KG sich im Er­geb­nis als bloße Verlänge­rung der Be­tei­li­gungs­kette dar­stellte.

Al­ler­dings war die Steuer für die Über­tra­gungs­vorgänge in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 6 Abs. 3 S. 1 i.V.m. Abs. 1 S. 1 GrEStG ins­ge­samt nicht zu er­he­ben. Die nach § 1 Abs. 2a GrEStG ent­stan­dene Grund­er­werb­steuer wird dem­nach ins­ge­samt nicht er­ho­ben, wenn der teils un­mit­tel­bar, teils mit­tel­bar über eine Ka­pi­tal­ge­sell­schaft be­tei­ligte Ge­sell­schaf­ter der grund­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft seine An­teile auf eine an­dere Per­so­nen­ge­sell­schaft überträgt und er an die­ser - zwi­schen­ge­schal­te­ten - Per­so­nen­ge­sell­schaft un­mit­tel­bar al­lein be­tei­ligt ist. Die Norm will den Grundstück­ser­werb von ei­ner Ge­samt­hand in­so­weit von der Grund­er­werb­steuer be­freien, als auf­grund der ge­samthände­ri­schen Ver­bun­den­heit der Ge­sell­schaf­ter das Grundstück trotz des Recht­sträger­wech­sels in dem durch die §§ 5 und 6 GrEStG ab­ge­steck­ten Zu­rech­nungs­be­reich ver­bleibt.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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