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BFH zum Wegfall der Unternehmeridentität bei kurzfristigem Ausscheiden aus einer Personengesellschaft

Urteil des BFH vom 11.10.2012 - IV R 3/09

Für eine In­an­spruch­nahme des ge­wer­be­steu­er­li­chen Ver­lust­ab­zugs muss un­be­dingt eine un­un­ter­bro­chene Un­ter­neh­me­ri­den­tität vor­lie­gen. In­fol­ge­des­sen führen auch kurz­fris­tige Un­ter­bre­chun­gen - selbst für eine lo­gi­sche Se­kunde - zum Weg­fall des Ver­lust­ab­zugs.

Der Sach­ver­halt:
Die K-KG be­stand bis Ende 1997 aus R. als al­lei­ni­gem Kom­man­di­tis­ten und der K-GmbH als Kom­ple­mentärin, die nicht am Vermögen der KG be­tei­ligt war. R. war fer­ner als al­lei­ni­ger Kom­man­di­tist an der A-KG be­tei­ligt. Kom­ple­mentärin der A-KG war die X-GmbH, die am Vermögen der A-KG nicht be­tei­ligt war. Am 22.12.1997 schlos­sen der R., die K-GmbH und die A-KG einen Ein­brin­gungs- und Aus­schei­dens­ver­trag. Darin wur­den die Über­tra­gung des Kom­man­dit­an­teils des R. an der K-KG auf die A-KG als auch das Aus­schei­den der K-GmbH noch im Jahr 1997 ver­ein­bart.

Die An­mel­dung zur Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter wurde von R. so­wohl als "bis­he­ri­ger Kom­man­di­tist" als auch als "neuer Kom­man­di­tist, Firma A-KG, ver­tre­ten durch die Firma X-GmbH, ver­tre­ten durch den Ge­schäftsführer, R" un­ter­zeich­net. Eine dem­ent­spre­chende Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter gab es auch für die K-KG. Mit Ver­schmel­zungs­ver­trag und Be­schlüssen der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen im Jahr 2001 wurde die A-KG auf die P-GmbH & Co. KG zur Kläge­rin ver­schmol­zen.

Das Fi­nanz­amt ging da­von aus, dass der bis zum 31.12.1997 bei der K-KG ent­stan­dene ge­wer­be­steu­er­li­che Ver­lust­vor­trag i.H.v. rund 4,3 Mio. DM durch die Rechts­vorgänge­rin der Kläge­rin, die A-KG, nicht ge­nutzt wer­den könne. Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Die Re­vi­sion vor dem BFH blieb er­folg­los.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hatte es zu Recht ab­ge­lehnt, bei der Fest­set­zung des Ge­wer­be­steu­er­mess­be­trags der A-KG für 1997 den bis zum 31.12.1997 bei der K-KG ent­stan­de­nen Ge­wer­be­ver­lust zu berück­sich­ti­gen.

Die A-KG, der R. sei­nen Kom­man­dit­an­teil an der K-KG mit Wir­kung zum Ab­lauf des 31.12.1997 über­tra­gen hatte, wurde durch diese An­teilsüber­tra­gung Kom­man­di­tis­tin der K-KG, so dass - je­den­falls für eine lo­gi­sche Se­kunde - eine dop­pelstöckige Per­so­nen­ge­sell­schaft (A-KG als Ober­per­so­nen­ge­sell­schaft, K-KG als Un­ter­per­so­nen­ge­sell­schaft) ent­stand. Auch wenn es im Ein­brin­gungs- und Aus­schei­dens­ver­trag hieß, die Ge­sell­schaf­ter der K-KG be­ab­sich­tig­ten de­ren Be­en­di­gung in der Weise, dass R. sei­nen Kom­man­dit­an­teil an der K-KG ge­gen Gewährung neuer Ge­sell­schafts­rechte in die A-KG ein­bringe und "gleich­zei­tig" die Kom­ple­mentärin aus der K-KG aus­scheide, die da­mit erlösche, so er­gab sich aus dem Ver­trag, dass zunächst der Kom­man­dit­an­teil des R. an der K-KG auf die A-KG über­tra­gen und erst zeit­lich nach­fol­gend die K-KG durch Aus­schei­den der K-GmbH erlöschen sollte. Dies trat auch ge­nauso ein.

Zwar lag hier die be­reits erwähnte Be­son­der­heit der dop­pelstöcki­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft für eine lo­gi­sche Se­kunde vor. Da­mit ging das Ge­sell­schafts­vermögen der K-KG im Wege der Ge­samt­rechts­nach­folge auf die A-KG als früheren (letz­ten) Ge­sell­schaf­ter der K-KG über. R. war da­mit (je­den­falls) bis zur Über­tra­gung sei­nes Kom­man­dit­an­teils an der K-KG auf die A-KG mit Ab­lauf des 31.12.1997 - und da­mit bei der Ent­ste­hung des Ge­wer­be­ver­lus­tes - Mit­un­ter­neh­mer des Be­trie­bes der K-KG, und als Kom­man­di­tist der A-KG im Streit­jahr 1997 auch Mit­un­ter­neh­mer des Be­trie­bes der A-KG. So­mit war - bei un­ter­stell­ter Un­ter­neh­mens­iden­tität - so­wohl zur Zeit der Ver­lus­tent­ste­hung als auch im Jahr der Ent­ste­hung des po­si­ti­ven Ge­wer­be­er­trags Un­ter­neh­mens­in­ha­ber.

Der für den Ver­lust­ab­zug er­for­der­li­chen un­un­ter­bro­che­nen Un­ter­neh­me­ri­den­tität stand al­ler­dings ent­ge­gen, dass während ei­ner lo­gi­schen Se­kunde, in der nach Über­tra­gung des Kom­man­dit­an­teils des R. an der K-KG auf die A-KG diese und nicht mehr R. als Kom­man­di­tist an der K-KG be­tei­ligt war, R. (auch) nicht mehr Mit­un­ter­neh­mer der K-KG war. Da­bei konnte da­hin­ste­hen, ob die A-KG während der lo­gi­schen Se­kunde ih­rer Be­tei­li­gung als Kom­man­di­tis­tin im Hin­blick auf die Kürze ih­rer Ge­sell­schaf­ter­stel­lung Mit­un­ter­neh­me­rin der K-KG wer­den konnte. Denn der Ver­lust­ab­zug hing nicht da­von ab, ob die A-KG als Er­wer­be­rin des Kom­man­dit­an­teils des R. auch Mit­un­ter­neh­me­rin der K-KG ge­wor­den war. Ent­schei­dungs­er­heb­lich war al­lein, ob R. wei­ter­hin Mit­un­ter­neh­mer der - je­den­falls für eine lo­gi­sche Se­kunde noch - fort­be­ste­hen­den K-KG ge­blie­ben war. Das war aber mit dem Aus­schei­den des R. als Kom­man­di­tist nicht mehr der Fall.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
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