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BFH: Rekultivierungskosten stellen keinen Bestandteil gewerbesteuerlich hinzuzurechnender Pachtzinsen dar

Urteil des BFH vom 21.6.2012 - IV R 54/09

In Fällen, in de­nen mit behörd­li­cher Ge­neh­mi­gung zum Ab­bau ei­nes Bo­den­schat­zes durch den Grundstückspächter eine Ver­pflich­tung zur Re­kul­ti­vie­rung ver­bun­den ist, stel­len die Re­kul­ti­vie­rungsrück­stel­lun­gen kei­nen wirt­schaft­li­chen Be­stand­teil der an den Grundstücks­ei­gentümer zu leis­ten­den Pacht­zin­sen dar. Sie erhöhen des­halb nicht den nach § 8 Nr. 7 GewStG a.F. hin­zu­zu­rech­nen­den Be­trag für ge­leis­tete Pacht­zin­sen.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin baute in den Streit­jah­ren 1999 bis 2003 ein Sand­vor­kom­men ab. Das Land­rats­amt hatte die der Kläge­rin für den Be­trieb der An­lage er­teilte im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Ge­neh­mi­gung mit ei­ner Re­kul­ti­vie­rungs­auf­lage ver­se­hen. Auch nach dem Ver­trag über das Sub­stanz­ge­win­nungs­recht war der Ei­gentümer des "herr­schen­den" Grundstücks ver­pflich­tet, das "die­nende" Grundstück nach dem vom Land­rats­amt ge­neh­mig­ten Plan auf seine Kos­ten zu re­kul­ti­vie­ren. In­fol­ge­des­sen bil­dete die Kläge­rin für die Re­kul­ti­vie­rungs­ver­pflich­tung eine Rück­stel­lung.

Das Fi­nanz­amt ver­trat die Auf­fas­sung, nach § 8 Nr. 7 GewStG sei nicht nur die Hälfte des lau­fen­den Ent­gelts für die Erd­ma­te­ri­al­ent­nahme, son­dern auch die Hälfte der Zuführung zur Re­kul­ti­vie­rungsrück­stel­lung dem Ge­winn hin­zu­zu­rech­nen. Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Auf Re­vi­sion des Fi­nanz­am­tes hob der BFH das Ur­teil auf und wies die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Die Gründe:
Zwar war dem FG da­hin­ge­hend zu­zu­stim­men, dass die Zuführun­gen der Kläge­rin zu ei­ner Re­kul­ti­vie­rungsrück­stel­lung un­ter den hier vor­lie­gen­den Umständen nicht zu den nach § 8 Nr. 7 GewStG hin­zu­zu­rech­nen­den Miet- und Pacht­zin­sen gehören. Denn ist mit der behörd­li­chen Ge­neh­mi­gung zum Ab­bau ei­nes Bo­den­schat­zes durch den Grundstückspächter eine Ver­pflich­tung zur Re­kul­ti­vie­rung ver­bun­den, sind die Zuführun­gen zur Re­kul­ti­vie­rungsrück­stel­lung nicht wirt­schaft­li­cher Be­stand­teil der an den Grundstücks­ei­gentümer zu leis­ten­den Pacht­zin­sen. Sie erhöhen des­halb nicht den nach § 8 Nr. 7 GewStG a.F. hin­zu­zu­rech­nen­den Be­trag für ge­leis­tete Pacht­zin­sen.

Im vor­lie­gen­den Fall war die Kläge­rin laut Ab­gra­bungs­ge­setz bzw. den Na­tur­schutz­ge­set­zen so­wie der Ge­neh­mi­gung durch das Land­rats­amt selbst zur Re­kul­ti­vie­rung ver­pflich­tet. Im Übri­gen ord­nete auch der Ver­trag über das Sub­stanz­ge­win­nungs­recht dem Ei­gentümer des "die­nen­den" Grundstücks keine Re­kul­ti­vie­rungs­ver­pflich­tung zu, ohne dass er­kenn­bar ge­we­sen wäre, dass dies der ty­pi­schen Las­ten­ver­tei­lung bei der­ar­ti­gen Rechts­ge­schäften nicht ent­sprach. Die an­ge­foch­te­nen Ge­wer­be­steu­er­mess­be­scheide wa­ren folg­lich in­so­weit rechts­wid­rig, als sie auf ei­ner Hin­zu­rech­nung der Zuführun­gen zu den Rück­stel­lun­gen in den Streit­jah­ren be­ruh­ten.

Die Sa­che ist al­ler­dings noch nicht ent­schei­dungs­reif. Denn, ob­wohl das FG in der Sa­che zu dem­sel­ben Er­geb­nis ge­kom­men war, mus­ste das Ur­teil gleich­wohl des­halb auf­ge­ho­ben wer­den, weil die Fest­stel­lun­gen zur Höhe der hin­zu­zu­rech­nen­den Pacht­zin­sen den Ur­teils­aus­spruch be­tragsmäßig nicht deck­ten.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH veröff­ent­licht.
  • Um di­rekt zum Voll­text zu ge­lan­gen, kli­cken Sie bitte hier.
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