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BFH: Körperschaftsteuerbescheid ist kein Grundlagenbescheid für den Einkommensteuerbescheid eines Gesellschafters hinsichtlich der Erfassung einer vGA

Urteil des BFH vom 18.9.2012 - VIII R 9/09

Wird der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ei­nes Ge­sell­schaf­ters ei­ner Ka­pi­tal­ge­sell­schaft nach § 32a KStG un­ter Hin­weis auf eine geänderte Er­fas­sung der vGA in einem Körper­schaft­steu­er­be­scheid der Ka­pi­tal­ge­sell­schaft geändert, be­steht kein An­spruch auf Pro­zess­zin­sen aus § 236 Abs. 2 Nr. 2a AO. Schließlich stellt der Körper­schaft­steu­er­be­scheid kei­nen Grund­la­gen­be­scheid für den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ei­nes Ge­sell­schaf­ters hin­sicht­lich der Er­fas­sung ei­ner vGA dar.

Der Sach­ver­halt:
Der Kläger war An­teils­eig­ner ei­ner AG. Für das Streit­jahr 1989 wurde ihm im Ok­to­ber 1997 eine ver­deckte Ge­winn­aus­schüttung (vGA) der Ge­sell­schaft zu­ge­rech­net. Sein da­ge­gen ein­ge­lei­te­tes Ein­spruchs­ver­fah­ren ruhte bis zur Ent­schei­dung über Ein­spruch und Klage der AG ge­gen ih­ren Körper­schaft­steu­er­be­scheid für das Streit­jahr. Nach Ände­rung die­ses Be­schei­des im Mai 2007 wies das Fi­nanz­amt zu­guns­ten des Klägers eine Er­stat­tung für das Streit­jahr i.H.v. rund 42.038 € aus. Zu­gleich min­derte es die bis da­hin fest­ge­setz­ten Nach­zah­lungs­zin­sen gem. § 233a AO um 10.608 €, setzte aber die Er­stat­tungs­zin­sen auf 0 € fest. Der Be­scheid wurde be­standskräftig.

Dar­auf­hin be­an­tragte der Kläger, für den Er­stat­tungs­be­trag nach Maßgabe des § 236 AO Pro­zess­zin­sen fest­zu­set­zen und da­bei den Zins­lauf ab dem Fol­ge­mo­nat nach Kla­ge­er­he­bung der AG ge­gen den Körper­schaft­steu­er­be­scheid für 1989 an­zu­set­zen. Dies lehnte das Fi­nanz­amt mit der Begründung ab, der Kläger sei nicht Pro­zess­par­tei je­nes Ver­fah­rens der AG ge­we­sen. Die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage blieb in al­len In­stan­zen er­folg­los.

Die Gründe:
Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Pro­zess­zin­sen nach § 236 AO.

Zum einen kam eine Er­stat­tung nach § 236 AO Abs. 1 nicht in Be­tracht, da die Her­ab­set­zung der Ein­kom­men­steuer für 1989 und die da­mit ver­bun­dene Er­stat­tung durch Ände­rungs­be­scheid aus Mai 2007 nicht auf ei­ner rechtskräfti­gen ge­richt­li­chen Ent­schei­dung zu die­sem Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zungs­ver­fah­ren be­ruhte.

Außer­dem konnte der Kläger, über des­sen An­spruch auf Er­stat­tungs­zin­sen nach § 233a AO in dem an­ge­foch­te­nen und in­so­weit un­an­ge­foch­ten ge­blie­be­nen Be­scheid ent­schie­den wurde, den al­lein strei­ti­gen An­spruch auf Pro­zess­zin­sen nicht aus § 236 Abs. 2 Nr. 2a AO her­lei­ten. Da­nach ent­steht ein sol­cher An­spruch ent­spre­chend der Re­ge­lung in Abs. 1, wenn eine rechtskräftige ge­richt­li­che Ent­schei­dung oder ein un­an­fecht­ba­rer Ver­wal­tungs­akt, durch den sich der Rechts­streit er­le­digt hat, zur Her­ab­set­zung der in einem Fol­ge­be­scheid fest­ge­setz­ten Steuer führt. Doch an einem sol­chen Fol­ge­be­scheid fehlte es hier, denn der auf­grund der Er­fas­sung ei­ner vGA er­gan­gene Körper­schaft­steu­er­be­scheid stellt für den die vGA er­fas­sen­den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ei­nes An­teils­eig­ners kei­nen Grund­la­gen­be­scheid dar. Dies gilt auch nach Schaf­fung der Kor­re­spon­denz­re­ge­lun­gen in §§ 32a, 8b Abs. 1 S. 2 bis 4 KStG, § 3 Nr. 40 S. 1d S. 2 u. 3 EStG, je­weils i.d.F. des JStG 2007.

Dem Ein­kom­men­steu­er­be­scheid konnte schließlich auch nicht des­halb die Funk­tion ei­nes Fol­ge­be­scheids zu­ge­spro­chen wer­den, weil das da­ge­gen ein­ge­lei­tete Ein­spruchs­ver­fah­ren bis zur Ent­schei­dung über das Rechts­schutz­ver­fah­ren ge­gen den Körper­schaft­steu­er­be­scheid der AG ruhte. Denn die Vor­greif­lich­keit ei­ner an­de­ren Ent­schei­dung kann zwar auf der Bin­dungs­wir­kung ei­nes Grund­la­gen­be­scheids be­ru­hen, begründet diese aber nicht selbst. Letzt­lich ist § 236 AO auf Er­stat­tungs­an­sprüche, die auf einem gem. § 363 Abs. 1 AO aus­ge­setz­ten Rechts­be­helfs­ver­fah­ren be­ru­hen, nicht ent­spre­chend an­zu­wen­den. Nach der Ent­ste­hungs­ge­schichte der Vor­schrift kann nämlich nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass eine ausdrück­li­che Re­ge­lung nur ver­se­hent­lich un­ter­blie­ben ist und da­mit eine für die ent­spre­chende An­wen­dung der Vor­schrift er­for­der­li­che Re­ge­lungslücke vor­han­den ist.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH veröff­ent­licht.
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