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Abzinsung einer Rückstellung für die Rekultivierung einer Deponie

FG Baden-Württemberg 14.11.2016, 10 K 2664/15

Eine Rück­stel­lung für die Re­kul­ti­vie­rung ei­ner De­po­nie können ab­zu­zin­sen sein. Für die Frage, ab wann mit der Re­kul­ti­vie­rung ei­ner De­po­nie vor­aus­sicht­lich ge­rech­net wer­den muss, ist grundsätz­lich auf die Dauer der Be­triebs­ge­neh­mi­gung ab­zu­stel­len.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist eine im Land­schafts­bau tätige GmbH. Ge­gen­stand der Ge­sell­schaft ist die Ausführung al­ler Tätig­kei­ten der Land­schafts­ge­stal­tung, ins­be­son­dere der Her­stel­lung und Pflege von Grün- und Sport­an­la­gen. In ih­rer Bi­lanz bil­dete die Kläge­rin eine An­samm­lungsrück­stel­lung für die Re­kul­ti­vie­rung von Be­triebs­grundstücken, die als De­po­nie für Grünabfälle, Kom­post, Sand und Erde die­nen.

Die Rück­stel­lung setzte die Kläge­rin zum 31.12.2002 mit einem in der Höhe un­strei­ti­gen Wert an und führte die­sen Wert auch in der Bi­lanz zum 31.12.2008 un­verändert fort. Nach­dem die Be­triebs­ge­neh­mi­gung für die De­po­nie bis 1.7.2017 verlängert wor­den war, ver­trat das Fi­nanz­amt die Auf­fas­sung, dass die von der Kläge­rin ge­bil­dete Re­kul­ti­vie­rungsrück­stel­lung zum Bi­lanz­stich­tag 31.12.2008 nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 a EStG bis zum Ende der Be­triebs­ge­neh­mi­gung mit einem Zins­satz von 5,5 % ab­zu­zin­sen sei.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Das Ur­teil ist rechtskräftig.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt hat die auf den Bi­lanz­stich­tag 31.12.2008 be­wer­tete Rück­stel­lung für De­po­nie­re­kul­ti­vie­rung zu­tref­fend auf eine Dauer von 8,5 Jah­ren mit 5,5 % ab­ge­zinst.

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 a Buchst. e EStG sind Rück­stel­lun­gen für Ver­pflich­tun­gen mit einem Zins­satz von 5,5 % ab­zu­zin­sen. Die Ab­zin­sung be­ruht auf der ty­pi­sie­ren­den Vor­stel­lung, dass eine erst in Zu­kunft zu erfüllende Ver­pflich­tung den Schuld­ner we­ni­ger be­las­tet als eine so­for­tige Leis­tungs­pflicht. Die Ab­zin­sung folgt ma­the­ma­ti­sch und öko­no­mi­sch dem Grund­satz, dass erst in Zu­kunft zu er­brin­gende Zah­lun­gen ge­genwärtig mit ih­rem Bar­wert ab­zu­bil­den sind. Nach der Recht­spre­chung des BFH fal­len un­ter diese Re­ge­lung auch Rück­stel­lun­gen für eine De­po­nie­re­kul­ti­vie­rung.

Aus­ge­nom­men von der Ab­zin­sung sind nach der auf Rück­stel­lun­gen ent­spre­chend an­zu­wen­den­den Re­ge­lung in § 6 Abs. 1 Nr. 3 S. 2 EStG ei­ner­seits Ver­bind­lich­kei­ten, de­ren Lauf­zeit am Bi­lanz­stich­tag we­ni­ger als zwölf Mo­nate beträgt, und an­de­rer­seits Ver­bind­lich­kei­ten, die ver­zins­lich sind oder auf ei­ner An­zah­lung oder Vor­aus­leis­tung be­ru­hen. Da vor­lie­gend die zu be­ur­tei­lende Rück­stel­lung für die De­po­nie­re­kul­ti­vie­rung we­der ver­zins­lich war noch auf An­zah­lun­gen oder Vor­aus­leis­tun­gen be­ruhte, könnte eine Ab­zin­sung nur dann un­ter­blei­ben, wenn de­ren Lauf­zeit am Bi­lanz­stich­tag 31.12.2008 we­ni­ger als zwölf Mo­nate be­trug. Dies war je­doch nicht der Fall.

Für die Frage, ab wann mit der Re­kul­ti­vie­rung ei­ner De­po­nie vor­aus­sicht­lich ge­rech­net wer­den muss, ist grundsätz­lich auf die Dauer der Be­triebs­ge­neh­mi­gung ab­zu­stel­len. Et­was an­de­res kann al­ler­dings gel­ten, wenn kon­krete Umstände einen früheren oder späte­ren Be­ginn aus der Sicht des Bi­lanz­stich­tags wahr­schein­lich er­schei­nen las­sen. Da es an sol­chen kon­kre­ten Umständen fehlt, er­gibt sich we­gen der bis zum 1.7.2017 verlänger­ten De­po­nie­ge­neh­mi­gung aus der Sicht des Bi­lanz­stich­tags 31.12.2008 eine vor­aus­sicht­li­che Ab­zin­sungs­dauer von 8,5 Jah­ren.

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