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Viel Wirbel um A1-Bescheinigungen - Pflicht oder Abschaffung?

A1-Bescheinigungen sind allen Unternehmen, deren Arbeitnehmer auch in einem anderen EU- oder EFTA-Staat für sie tätig werden, wohl bekannt. Der dadurch entstehende erhebliche Verwaltungsaufwand soll gemindert werden. Doch was bedeutet das konkret?

Wer­den Arbeit­neh­mer im EU-Aus­land oder in EFTA-Staa­ten beruf­lich tätig, sei es in Form einer Ent­sen­dung, aber auch bei Dien­st­rei­sen, haben sie zum Nach­weis ihrer sozial­ver­si­che­rungspf­lich­ti­gen Beschäf­ti­gung im Ursprungs­staat eine A1-Beschei­ni­gung mit­zu­füh­ren. Seit 1.1.2019 kön­nen A1-Beschei­ni­gun­gen zwar grund­sätz­lich nur noch elek­tro­nisch bean­tragt und elek­tro­nisch aus­ge­s­tellt wer­den. In der Pra­xis wer­den aber auch noch Anträge in Papier­form akzep­tiert.

Das Bean­tra­gen und Vor­hal­ten von A1-Beschei­ni­gun­gen führt zu viel Auf­wand für alle Betei­lig­ten, sei es in den Per­so­nal­ab­tei­lun­gen, bei den Rei­sen­den, den Bera­tern sowie den Behör­den. Beschwer­den über die­sen Auf­wand haben jüngst Gehör gefun­den. So gibt es eine Eini­gung zwi­schen dem EU-Par­la­ment, den EU-Regie­rungs­chefs und der EU-Kom­mis­sion, dass der Auf­wand redu­ziert wer­den soll. Dies hat zu Schlag­zei­len geführt, die den Ein­druck erwe­cken, A1-Anträge müss­ten nicht mehr ges­tellt wer­den.

Dem ist (lei­der) nicht so - die Eini­gung ist eine Absicht­s­er­klär­ung und ein Auf­trag, für Dien­st­rei­sen andere Wege zu suchen, den Sozial­ver­si­che­rungs­sta­tus zu doku­men­tie­ren bzw. zu prü­fen. Dem Ver­neh­men nach sind Reform­be­müh­un­gen auf EU-Ebene jedoch vor­erst, u. a. wegen des Wider­spruchs aus Deut­sch­land, geschei­tert.

Das bedeu­tet in der Pra­xis, dass die Emp­feh­lung auf­rech­t­er­hal­ten bleibt, grund­sätz­lich eine A1-Beschei­ni­gung zu bean­tra­gen und mit­zu­füh­ren. Dies ist essen­ti­ell für Dien­st­rei­sen in Län­der, die bereits detail­lierte Mel­depf­lich­ten im Ein­satz haben (z. B. Bel­gien, Ita­lien, Fran­k­reich, Schweiz) oder in denen Busi­ness-Kun­den der Unter­neh­men Regeln auf­ge­s­tellt haben, die den Ein­lass nur gegen Vor­lage der Beschei­ni­gung bzw. Mel­de­be­stä­ti­gung gewäh­ren.

Hin­weis

Es bleibt dabei, dass ab Umset­zung der aktua­li­sier­ten EU-Ent­sende-Richt­li­nie in das natio­nale Recht der EU- wie EWR-Staa­ten im Som­mer 2020 auf die Unter­neh­men wie Rei­sende Mehr­auf­wand zukommt. Haupt­ziel sollte daher sein, Pro­zesse zu imp­le­men­tie­ren, die Rei­sen recht­zei­tig unter­neh­mens­in­tern anzu­zei­gen und dahin­ge­hend zu bewer­ten, ob und wel­che Com­p­li­ance-Schritte ein­zu­lei­ten sind.

Der Fokus sollte dabei auf Län­dern lie­gen, die das Vor­lie­gen der Beschei­ni­gung bzw. Mel­dung des Ein­sat­zes kon­trol­lie­ren. Wir hal­ten eine Liste die­ser Län­der vor und aktua­li­sie­ren diese regel­mä­ßig anhand der Rück­mel­dun­gen unse­rer Part­ner aus unse­rem inter­na­tio­na­len Netz­werk vor Ort und unse­rer Man­dan­ten. Bis Jah­re­s­ende soll­ten die unter­neh­mens­in­ter­nen Pro­zesse gestat­ten, grenz­über­sch­rei­tende Rei­sen vor Rei­se­an­tritt mit­ge­teilt zu bekom­men und zu bewer­ten. Dazu bie­ten sich auf die Unter­neh­mens­ab­läufe zuge­schnit­tene Fall­grup­pen und Vor­ge­hens­wei­sen an.    

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