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Vertrauensschutz für Bauleistende

FG Münster 12.8.2015, 15 V 2153/15 U

Bei feh­len­der Um­kehr der Um­satz­steu­er­schuld­ner­schaft (Re­verse-Charge-Ver­fah­ren) können ei­ner In­an­spruch­nahme des Bau­leis­ten­den Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punkte ent­ge­gen­ste­hen. Dem­nach darf bei der Ände­rung ei­nes Steu­er­be­scheids nicht zu­un­guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen berück­sich­tigt wer­den, dass der UStAE vom BFH als nicht mit dem gel­ten­den Recht in Ein­klang ste­hend an­ge­se­hen wurde.

Der Sach­ver­halt:
Die An­trag­stel­le­rin er­brachte Bau­leis­tun­gen ge­genüber einem Bauträger, der ei­gene Grundstücke zum Zweck des Ver­kaufs be­baute. In ih­rer Um­satz­steu­er­fest­set­zung für das Streit­jahr 2011 gab die An­trag­stel­le­rin an, um­satz­steu­er­pflich­tige Bau­leis­tun­gen ent­spre­chend der da­ma­li­gen Ver­wal­tungs­auf­fas­sung er­bracht zu ha­ben, für die der Leis­tungs­empfänger die Um­satz­steuer schulde.

Im Rah­men ei­ner Um­satz­steu­er­son­derprüfung im Jahr 2015 ver­trat das Fi­nanz­amt die Auf­fas­sung, dass die frühere Er­lass­lage auf­grund der zwi­schen­zeit­lich geänder­ten BFH-Recht­spre­chung (BFH 22.8.2013, V R 37/10) nicht mehr maßgeb­lich sei. Ge­gen den ent­spre­chend geänder­ten Um­satz­steu­er­be­scheid für 2011 be­rief sich die An­trag­stel­le­rin auf Ver­trau­ens­schutz.

Das FG gab dem An­trag statt. Die Be­schwerde zum BFH wurde nicht zu­ge­las­sen.

Die Gründe:
Es be­ste­hen ernst­li­che Zwei­fel an der Rechtmäßig­keit des Ände­rungs­be­scheids.

Die ein­schlägige ab­ga­ben­recht­li­che Ver­trau­ens­schutz­vor­schrift des § 176 Abs. 2 AO be­stimmt, dass bei der Auf­he­bung oder Ände­rung ei­nes Steu­er­be­scheids nicht zu­un­guns­ten des Steu­er­pflich­ti­gen berück­sich­tigt wer­den darf, dass eine all­ge­meine Ver­wal­tungs­vor­schrift der Bun­des­re­gie­rung, ei­ner obers­ten Bun­des- oder Lan­des­behörde von einem obers­ten Ge­richts­hof des Bun­des als nicht mit dem gel­ten­den Recht in Ein­klang ste­hend be­zeich­net wor­den ist. Das gilt vor­lie­gend auch für die geänderte BFH-Recht­spre­chung, wo­nach der UStAE als nicht mit dem gel­ten­den Recht in Ein­klang ste­hend an­ge­se­hen wurde.

Auch die um­satz­steu­er­li­che Überg­angs­vor­schrift, die die An­wen­dung des § 176 AO in der­ar­ti­gen Fällen ih­rem Wort­laut nach aus­schließt (§ 27 Abs. 19 S. 2 UStG), ermöglicht nicht zwin­gend eine Ände­rung der Um­satz­steu­er­fest­set­zung. Es be­ste­hen Zwei­fel, ob die Überg­angs­vor­schrift eine ver­fas­sungs­recht­lich un­zulässige Rück­wir­kung ent­fal­tet, weil sie nachträglich in eine be­ste­hende Um­satz­steu­er­schuld ein­greift. Mögli­cher­weise ist die Überg­angs­re­ge­lung außer­dem mit den eu­ro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben der Klar­heit und Vor­aus­seh­bar­keit von Rechts­vor­schrif­ten un­ver­ein­bar.

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