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Verluste aus Knock-Out-Zertifikaten mit Stopp-Loss-Schwelle steuerlich abzugsfähig

FG Köln 26.10.2016, 7 K 3387/13

Anschaffungskosten für Knock-Out-Zertifikate sind auch im Verlustfall bei den Einkünften aus Termingeschäften als Werbungskosten zu berücksichtigen, wenn die Zertifikate eine Stopp-Loss-Schwelle haben, die dem Basispreis vorgelagert ist. Dies gilt sowohl vor als auch nach Einführung der Abgeltungssteuer.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger erlitt in den Streit­jah­ren 2008 bis 2011 Ver­luste aus Geschäf­ten mit sog. "Open-End-Knock-Out-Zer­ti­fi­ka­ten", die ohne Lauf­zeit­be­g­ren­zung an Indi­zes bzw. einen bestimm­ten Akti­en­kurs gekop­pelt waren. Da die Stopp-Loss-Schwelle über dem Basi­s­preis lag, wurde in jedem Knock-Out-Fall ein Betrag ermit­telt, der dem Anle­ger als "Rest­wert" aus­be­zahlt wurde. Die­ser Rest­wert ent­sprach der Dif­fe­renz aus dem Auflö­sungs­kurs und dem Basi­s­preis und konnte im sch­lech­tes­ten Fall auch 0,001 € je Wert­pa­pier betra­gen.

Die vom Klä­ger in den Streit­jah­ren beim Finanz­amt gel­tend gemach­ten Ver­luste resul­tier­ten i.H.v. rd. 600.000 € dar­aus, dass die Lauf­zeit der erwor­be­nen Knock-Out-Pro­dukte endete, weil die Stopp-Loss-Schwelle erreicht wurde. Das Finanz­amt lehnte die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung die­ser Ver­luste sowohl für die Zeit vor (2008) als auch nach Ein­füh­rung der Abgel­tungs­steuer (ab 2009) ab.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt. Die Revi­sion zum BFH wurde wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­sen. Sie wird dort unter dem Az. VIII R 1/17 geführt.

Die Gründe:
Die ange­foch­te­nen Bescheide für 2008 bis 2011 über die geson­derte Fest­stel­lung des ver­b­lei­ben­den Ver­lust­vor­trags und die Ein­kom­men­steu­er­be­scheide 2010 und 2011 sind rechts­wid­rig und ver­let­zen die Klä­ger in ihren Rech­ten, soweit die Ver­luste aus Wert­pa­pier­ge­schäf­ten, die aus dem Errei­chen der Knock-Out-Bar­riere resul­tie­ren, nicht berück­sich­tigt wur­den.

Im Jahr 2008 sind die Auf­wen­dun­gen für die Knock-Out-Zer­ti­fi­kate als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ter­min­ge­schäf­ten gem. § 22 Nr. 2, § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 4 EStG zu berück­sich­ti­gen. Da die Zer­ti­fi­kate bei Errei­chen der vor­ge­la­ger­ten Stopp-Loss-Schwelle abge­rech­net wur­den und der Dif­fe­renz­be­trag ver­ein­ba­rungs­ge­mäß aus­be­zahlt wurde, fehlt es anders als in den vom BFH ent­schie­de­nen Knock-Out-Fäl­len nicht an der erfor­der­li­chen "Been­di­gung" der Geschäfte.

Im Anwen­dungs­be­reich der Abgel­tungs­steuer sind die Anschaf­fungs­kos­ten für die Knock-Out-Pro­dukte als Auf­wen­dun­gen im unmit­tel­ba­ren sach­li­chen Zusam­men­hang mit einem Ter­min­ge­schäft gem. § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 Buchst. a EStG zu berück­sich­ti­gen (§ 20 Abs. 4 S. 5 EStG).

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